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Spur der Panama Papers führt nach Leipzig

LVZ-Recherchen Spur der Panama Papers führt nach Leipzig

Hunderttausende Namen, Adressen und Firmenkontakte aus den Panama Papers sind am Montag in einer Online-Datenbank veröffentlicht worden. Die Spuren der Steuer-Enthüllungen führen nach Recherchen von LVZ.de auch nach Leipzig.

Schloss Gundorf im Nordwesten von Leipzig: Auf den idyllischen Gutshof führen mehrere Spuren der Panama Papers.
 

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig.  Die Online-Veröffentlichung von Rohdaten der Panama Papers hat erstmals auch Verbindungen nach Leipzig aufgedeckt. Aus der Datenbank, die das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ), am Montagabend ins Internet stellte, führen Spuren auf das Schloss Gundorf in Böhlitz-Ehrenberg. Eigentümer des Guts ist der Chef der ARQ Holding, Ralf-Dieter Montag-Girmes. Neben dem 53-Jährigen taucht auf der Liste nach Recherchen von LVZ.de auch der japanische Großkonzern Itochu auf. Dieser soll auf dem angeschlossenen Gewerbehof im Nordwesten der Messestadt eine Briefkastenadresse unterhalten haben.

Gutshof-Chef Montag-Girmes bestätigte am Dienstag, dass er drei Jahre lang Geschäftsbeziehungen mit der Finanzkanzlei aus Panama unterhielt, die im Zentrum der Enthüllungen über mögliche Steuerhinterziehungen steht. „Mossack Fonseca hat für mich drei Firmen registriert. Es handelte sich um Zweckgesellschaften, um ohne steuerliche Nachteile Cross-Border-Geschäfte wie zum Beispiel Leasing abschließen zu können“, sagte der 53-Jährige gegenüber LVZ.de. Der Rheinländer, der das Reiterhof-Areal in Gundorf nach der Wende übernahm und sanierte, ist in Leipzig kein Unbekannter. 2007 sollte er für den Oligarchen Viktor Vekselberg, einen der reichsten Männer Russlands, eine Anteilsübernahme bei den Leipziger Stadtwerken einfädeln. Die Teilprivatisierung scheiterte jedoch 2008 an einem Bürgerentscheid.

Mit 52 Millionen Euro stieg Ralf-Dieter Montag-Girmes im November bei der Fluglinie Air Baltic ein – aus privaten Mitteln

Mit 52 Millionen Euro stieg Ralf-Dieter Montag-Girmes im November bei der Fluglinie Air Baltic ein – aus privaten Mitteln.

Quelle: dpa

Briefkastenfirmen auf den Britischen Jungferninseln

Montag-Girmes, der seinen idyllisch im Grünen gelegenen Pferdehof seit 2015 verpachtet hat, ist Chef eines verzweigten Firmennetzes und verdient sein Geld unter anderem mit dem Verkauf und Leasing von Passagier-Flugzeugen. Abgewickelt werden die Millionengeschäfte über die Firma International Aircraft Leasing Holding Corp (IALH) mit Sitz in Limassol auf Zypern. Weitgehend unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit kaufte sich Montag-Girmes im November vergangenen Jahres auch mit 52 Millionen Euro zu 20 Prozent bei der staatlichen lettischen Fluglinie Air Baltic mit Sitz in Riga ein – komplett aus Privatmitteln. „Ich bin kein armer Mann“, sagte er damals auf einer Pressekonferenz.

In den Panama Papers tauchen drei seiner einstigen Tochterunternehmen namentlich auf. Die ARQ Real Estate Holdings Limited, ARQ Investment Limited und ARQ Aviation Limited wurden im Mai und Juni 2008 gegründet und 2011 aufgelöst. Sie hatten ihren Sitz auf den Britischen Jungferninseln, einer Steueroase in der Karibik. „Alle meine Offshore-Gesellschaften sind dem deutschen Finanzamt bekannt. Wenn ich Gewinn entnehme, wird dieser mit der Einkommenssteuererklärung versteuert“, versicherte Montag-Girmes. Als Grund für das Übersee-Engagement nannte er die international unterschiedlichen Steuerregeln, die für ihn „Wettbewerbsverzerrung“ sind. Bei seinen Auslandsgeschäften sei alles legal zugegangen, betonte er.

Der Gewerbehof neben dem Schloss an der Leipziger Straße

Der Gewerbehof neben dem Schloss an der Leipziger Straße: War hier eine Briefkastenfirma gemeldet?

Quelle: Dirk Knofe

Die Zusammenarbeit mit Mossack Fonseca habe er 2011 beendet, erklärte Montag-Girmes, da er „nicht mehr zufrieden“ war. Die dubiosen Geschäftspraktiken der Kanzlei wollte er am Dienstag nicht kommentieren. Mossack Fonseca soll weltweit gut 200.000 Briefkastenfirmen gegründet haben, in denen Politiker, Prominente und Sportler, aber auch Geschäftsleute und Unternehmen ihre Vermögen parkten. Anfang April hatten die Enthüllungen der Süddeutschen Zeitung und eines internationalen Medien-Netzwerks weltweit für Aufruhr gesorgt. Seit Montagabend stehen die Rohdaten mit Hunderttausenden Namen, Adressen und Firmenkontakten für jedermann frei zugänglich im Netz.

Japanischer Konzern dementiert Verbindung nach Leipzig

Auch ein zweiter Fall führt auf das Schlossgut in der Leipziger Straße 206-208. Auf dem Areal vermietet Montag-Girmes auch Firmenräume. Laut der Panama-Papers-Datenbank soll die Itochu Corporation, ein Multikonzern in Bereichen wie Textilien, Chemie, Lebensmittel, Rohstoffe und Maschinen mit Hauptsitz in Tokio, hier eine nebulöse Briefkastenadresse unterhalten haben. Das zweitgrößte japanische Handelsunternehmen nach Mitsubishi mit einem Jahresumsatz von knapp 54 Milliarden US-Dollar (2014) unterhält in Düsseldorf und Hamburg deutsche Niederlassungen. In den Panama Papers finden sich zahlreiche weitere internationale Verstrickungen des Unternehmens zu Steueroasen weltweit, darunter auch zu den Britischen Jungferninseln.

Montag-Girmes mit einem seiner Lipizzaner-Pferde (Archivfoto)

Montag-Girmes mit einem seiner Lipizzaner-Pferde (Archivfoto).

Quelle: LVZ

Auf Anfrage von LVZ.de hieß es aus der deutschen Itochu-Zentrale am Dienstag, Geschäftstätigkeiten in Leipzig seien nicht bekannt. Auch Oxford-Absolvent Montag-Girmes verneint, von einem Briefkasten der Firma auf seinem Grundstück Kenntnis zu haben. „Der Name Itochu sagt mir nichts.“ Auf dem Gelände seien über 100 Mietparteien ansässig, knapp die Hälfte davon gewerblich. „Von den Mietern kann jeder diese Adresse nutzen, da kann ich nicht sagen, wer hier registriert ist“, sagte der Ritterguts-Chef.

Von Robert Nößler

Hinweis: Im Artikel war zunächst die Rede davon, dass Herr Montag-Girmes den Pferdestall betreibt und dort auch züchtet. Diese Angaben wurde korrigiert. Der Pferdehof wird seit April 2015 von der Stall Gundorf UG bewirtschaftet.

Leipzig, Leipziger Straße 206-208 51.361797 12.273638
Leipzig, Leipziger Straße 206-208
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