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Lokales St. Nikolai: Neues Super-Geläut für Leipzigs Kirche der Friedlichen Revolution
Leipzig Lokales St. Nikolai: Neues Super-Geläut für Leipzigs Kirche der Friedlichen Revolution
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07:00 13.04.2017
Eine Kirche, drei Türme: Neben dem Hauptturm befinden sich zwei kleinere Glockentürme. Der südliche (rechts) ist seit 1917 verwaist, soll aber wieder bestückt werden: mit einer neuen, großen Osanna. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Die Leipziger Nikolaikirche – in ihr wurde deutsche Geschichte geschrieben. Was an dem 850 Jahre alten Gotteshaus bislang wenig beeindruckte, war das Geläut. Das soll sich ändern. Die evangelisch-lutherische Gemeinde und ihr Förderverein planen, die Kirche der Friedlichen Revolution bis zum 9. Oktober 2019, dem 30. Jahrestag der entscheidenden Montagsdemonstration im Herbst 1989, mit einem neuen Super-Geläut auszustatten. Insgesamt acht Glocken, harmonisch aufeinander abgestimmt, sollen künftig vom österlichen Frieden künden. Die Kosten belaufen sich auf 600 000 Euro.

Die Nikolaigemeinde war vor einiger Zeit von Sachverständigen darauf hingewiesen worden, dass es mit dem bestehenden Geläut schon bald Probleme geben werde. Gegenwärtig befindet sich im Südturm des historisch bedeutsamen Gotteshauses ein mindestens genauso wertvoller hölzerner Glockenstuhl, an dem einst die größte Nikolaiglocke, die Osanna, baumelte. Das knapp 6000 Kilogramm schwere bronzene Stück aus dem 17. Jahrhundert musste im Ersten Weltkrieg abgegeben werden, war nach seiner Demontage eingeschmolzen worden. Seit 1917 ist der Glockenstuhl des südlichen Turmes nun schon verwaist. „Wir können und wollen ihn sanieren und dann mit einer neuen Osanna bestücken“, beschreibt Nikolaipfarrer Bernhard Stief Teil eins des Glockenprojekts, das der Förderverein der Gemeinde unter ein besonderes Motto gestellt hat. Er wirbt für das Vorhaben mit den letzten beiden Zeilen aus Friedrich Schillers Gedicht „Das Lied von der Glocke“: „Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr erst Geläute!“

Projektteil zwei betrifft den Nordturm, in dem gegenwärtig drei Glocken geschlagen werden. Zwei stammen aus dem Jahr 1964, eine von 1925. Letztere passt von der Tonhöhe nicht zu den anderen und muss daher weichen. Bei den beiden Klangkörpern von 1964 sind Armaturen und Antriebe reif für die Sanierung. Zudem braucht die nördliche Glockenkammer einen neuen Glockenstuhl. „Der gegenwärtige aus Stahl ist nach dem Zweiten Weltkrieg mehr oder weniger zusammengeschustert worden und soll durch einen Holzstuhl ersetzt werden“, erläutert Michael Schönemann, Kirchenvorstand und Mitglied der Lenkungsgruppe Glockenprojekt. Der Clou: Mit Olaf Kempe, Professor für Baukonstruktion und Holzbau an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, hat die Gemeinde einen Fachmann an ihrer Seite, der einen Spezial-Glockenstuhl gleich für sieben Glocken konzipierte. „Ganz oder gar nicht“, sagt Pfarrer Stief zu diesem Ansatz. „Als Stadt- und Pfarrkirche im Herzen von Leipzig wollen wir den Bürgern auch ein besonderes Hörerlebnis bieten. Das bisherige Geläut war doch eher von Dissonanz geprägt.“

Neben der Osanna ist also der Neuguss von fünf weiteren – deutlich kleineren – Glocken geplant. Im Sommer soll der Bauantrag eingereicht werden, ein Jahr darauf die Auftragsvergabe erfolgen. Die Kirchgemeinde will in den nächsten Wochen und Monaten bei den Leipziger und ihren Gästen verstärkt die Spenden-Trommel rühren. Denn die Gesamtkosten von rund 600 000 Euro können Denkmalschutzmittel allein nicht decken.

Von Dominic Welters

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