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„Stadt Leipzig braucht einen Kunstpreis" - Thomas Loest über die Würdigung seines Vaters

„Stadt Leipzig braucht einen Kunstpreis" - Thomas Loest über die Würdigung seines Vaters

Thomas Loest (63), der Sohn des am 12. September im Alter von 87 Jahren verstorbenen Leipziger Schriftstellers Erich Loest, möchte dem Leipziger Kunstpreis neues Leben einhauchen.

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Thomas Loest, Sohn des verstorbenen Schriftstellers Erich Loest.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Außerdem äußert er sich im LVZ-Interview erstmals öffentlich zu den Vorschlägen zur Ehrung seines Vaters.

Frage:

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Feist und andere Leipziger CDU-Politiker schlagen vor, eine Straße der Stadt nach Erich Loest zu benennen. Im Gespräch ist die Oststraße. Was halten Sie davon?

Thomas Loest:

Erst einmal finde ich es sehr schön, wenn Bürger der Stadt sich Gedanken machen, wie Leipzig seinen Ehrenbürger auch nach dessen Tod ehren kann. Aber die Oststraße finde ich nicht geeignet, auch wenn wir in der Nummer 5 ziemlich lange, von 1954 bis 1976, gewohnt haben.

Warum?

Es ist eine lange Straße mit altem, zeitlosem Namen, in der nicht nur viele Menschen wohnen, sondern in der es auch zahlreiche Geschäfte und Firmen gibt. Die Umstellung der Adressen, der Druck neuer Visitenkarten und Briefbögen, das ist alles sehr aufwendig und teuer. Meine Frau Elke und ich wissen das aus eigener Erfahrung, als die Straße, in der wir unseren Linden-Verlag haben, plötzlich nicht mehr Schkeuditzer, sondern Kasseler Straße hieß.

Damit haben Sie einen sehr pragmatischen Aspekt im Blick. Wäre es ein Kompromiss, die Oststraße zu teilen und nur den Abschnitt zwischen Prager Straße und Riebeckstraße, also dort, wo Familie Loest gewohnt hat, umzubenennen?

Auch davon halte ich nichts. Diese gewachsene Straße der Stadt sollte nicht geteilt werden. Aber ich hätte einen anderen Vorschlag, der einen Bezug zu meinem Vater hat. Ich würde vorschlagen, die Rudi-Opitz-Straße in Erich-Loest-Straße umzubenennen. Dort war die erste Wohnung, die mein Vater 1950 zusammen mit meiner Mutter bezogen hat. Das ist eine kurze Straße zwischen Viertelsweg und Coppistraße, es gibt dort keine Geschäfte. Diese Umbenennung wäre also relativ unkompliziert zu bewerkstelligen.

Was haben Sie gegen Rudi Opitz, einen Widerstandskämpfer, im KZ Buchenwald ums Leben kam?

Natürlich habe ich nichts gegen Rudi Opitz. Das ist immer ein Problem, wenn eine Straße umbenannt wird. Wenn die Stadt Rudi Opitz weiter entsprechend ehren möchte, müsste sie eine andere Form finden.

Und die Schönbachstraße?

Da gilt dasselbe wie für die Oststraße. Dort hat mein Vater zwar von 1976 bis zur Ausreise gewohnt, aber sie ist auch eine alte, große Straße, und der Bezug zu meinem Vater ist nicht so prägnant. Dann würde ich noch eher vorschlagen, eine der vielen Straßen mit Namen aus der Völkerschlacht nach Erich Loest zu benennen. Der – zugegeben – etwas weitere Bezug wäre seine Beschäftigung mit dem Thema Völkerschlacht, sein gleichnamiger Roman und sein Engagement für die Rekonstruktion des Denkmals.

Einige Leser werfen Thomas Feist vor, er würde sich profilieren auf Kosten von Erich Loest. Sehen Sie das auch so?

Nein, das sehe ich nicht so. Er meint es wirklich ehrlich. Aber man sollte das Ganze behutsam angehen und auch an die Kosten denken.

Die Leipziger CDU-Fraktion plädiert zudem dafür, die Stadtteilbibliothek in Gohlis nach Erich Loest zu benennen. Eine gute Idee?

Ja, unbedingt. Diese Bibliothek ist in unmittelbarer Nähe seines letzten Wohnsitzes in Gohlis, und sie hat noch keinen Namen. Mein Vater hat sich immer für die Stärkung von Büchereien eingesetzt, damit Literatur allen zugänglich ist. Eine Erich-Loest-Bibliothek wäre also eine wunderbare Sache. Auch wir als Linden-Verlag haben regelmäßig Bücher an die Bibliotheken gespendet.

In einem Brief an Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hat Thomas Feist angeregt, die Stadt solle eine Erich-Loest-Stiftung ins Leben rufen. Finden Sie auch das eine gute Idee?

Nein, denn wenn mein Vater eine eigene Stiftung gewollt hätte, dann hätte er sie zu seinen Lebzeiten gegründet. Er hat viele Einrichtungen unterstützt, aber auf anderem Wege. Dem Museum in seiner Geburtsstadt Mittweida hat er viele persönliche Gegenstände geschenkt, darunter Möbel und den Bierkrug seines Großvaters. Und seinen Vorlass, der jetzt zum Nachlass geworden ist, hat er der Leipziger Medienstiftung anvertraut. Sie hat die Kompetenz, das Kapital und auch das Personal für die weitere Aufarbeitung seiner Werke und die entsprechende Forschung. Deshalb wäre ich dafür, Bestehendes zu nutzen. Zudem gibt es ja bereits die Elke- und Thomas-Loest-Stiftung, die meine Frau und ich 2007 gegründet haben, um Literatur und Kunst in Sachsen zu fördern.

Was sind Ihre wichtigsten Projekte?

Wir unterstützen finanziell die Leipziger Jahresausstellung der bildenden Kunst, die zuletzt im Westwerk stattfand und die immer regen Zuspruch erfährt. Der Kontakt lief über unseren Freund, den Grafiker Rainer Schade. Wir engagieren uns da gemeinsam mit der Sparkasse und der Doris-Günther-Stiftung. Zusammen haben wir es geschafft, den mit 10.000 Euro höchst dotierten jährlich vergebenen Kunstpreis ins Leben zu rufen. Und nun planen wir noch etwas ganz Besonderes: Wir wollen den Kunstpreis der Stadt Leipzig wiederbeleben.

Sie wollen also als private Stiftung einen städtischen Preis reaktivieren, der nach der Wende von der Bildfläche verschwand?

Genau das ist unser Anliegen. Der Kunstpreis der Stadt Leipzig wurde bis 1989 verliehen. Zu den Preisträgern gehören Wolfgang Mattheuer und Werner Heiduczek. Aber seit über 20 Jahren verleiht diese Stadt, die so viele Künstler hervorgebracht hat und die so reich ist an künstlerischer Tradition keinen Kunstpreis mehr. Schon vor einiger Zeit hatten meine Frau und ich daher die Idee, dass es für Leipzig wunderbar wäre, diesen Preis genau zur 1000-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 2015 wieder ins Leben zu rufen und zu verleihen. Das wäre einer der Höhepunkte der Festwoche. Und da die Stadt offensichtlich kein Geld dafür hat, können doch Stiftungen das Projekt finanzieren. Das ist bürgerschaftliches Engagement.

An wie viel Preisgeld denken Sie, und wer ist mit im Boot?

Wir denken an ein Preisgeld von 25.000 Euro. Das ist eine ordentliche Summe. Aufgebracht werden könnte sie gemeinsam von der Elke- und Thomas-Loest-Stiftung, der Bürgerstiftung Leipzig und der Doris-Günther-Stiftung. Doris Günther, die 2009 verstorben ist, war eine herausragende Leipziger Unternehmerin. Ihre Stiftung widmet sich insbesondere der Förderung der Kunst in ihrer Heimatstadt. Da diese Summe aber nicht jedes Jahr zu stemmen ist, schlagen wir vor, den Preis alle zwei Jahre zu vergeben.

Wer soll den Kunstpreis der Stadt Leipzig erhalten?

Der Preisträger sollte ein Künstler aus Leipzig sein oder einer mit starkem Leipzig-Bezug. Das ist kein Nachwuchspreis, sondern mit diesem Kunstpreis der Stadt Leipzig sollte ein Künstler für sein Lebenswerk geehrt werden. Das Spektrum reicht dabei von Malerei und Grafik über Literatur und Musik bis zu Theater und Film. Wer dann in der Jury sitzt, wer das Vorschlagsrecht hat, das muss alles noch geklärt werden, im Einvernehmen mit der Stadt.

Gibt es schon Signale aus der Stadtverwaltung?

Oberbürgermeister Burkhard Jung zeigte sich angetan von der Idee. Mit dem Kulturbürgermeister Michael Faber habe ich ebenfalls gesprochen. Die Reaktion war auch positiv. Immerhin würde dieser Preis von drei Stiftungen getragen, das entlastet die Stadt. Die Kosten für die feierliche Verleihung kämen allerdings auf die Stadt zu. Aber der Kunstpreis, verliehen erstmals wieder nach langer Zeit zur 1000-Jahr-Feier, würde Leipzig zur Ehre gereichen.

Interview: Anita Kecke

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