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Lokales Stadt Leipzig lässt Kinder tagelang frieren
Leipzig Lokales Stadt Leipzig lässt Kinder tagelang frieren
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07:36 07.01.2010
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Nicht einmal in der letzten Woche des Jahres, als die Einrichtung Betriebsferien hatte, sah sich die Stadtverwaltung imstande, die Heizung reparieren zu lassen.

Thomas Meißner ist fassungslos angesichts der Trägheit des Jugendamtes, das für die kommunalen Kindertagesstätten (Kita) zuständig ist. Immerhin sei die Heizung schon in der Woche vor Weihnachten ausgefallen. "Drei Tage lang konnten die Räume damals nicht mehr ausreichend beheizt werden", erzählt der 30-Jährige. "Nicht nur, dass die Kinder während der Betreuung frieren." Auch auf Spaziergänge und Aufenthalte im Freien hätten seine beiden Söhne Moritz (5) und Anton (3) in dieser Zeit verzichten müssen, da es in der Kita ja keine Möglichkeit gegeben hätte, die feuchte Kleidung der Steppkes zu trocknen.

Zwischen den Jahren war das Haus dann ohnehin geschlossen. Doch als die Meißners ihre beiden Jungen am ersten Montag im neuen Jahr wieder in die Tagesbetreuung brachten, glaubten sie, sie säßen im falschen Film: Die Heizung war immer noch defekt. "Soviel wir wissen", sagt der verärgerte Familienvater, "hat die Kita-Leitung das Jugendamt unverzüglich informiert. Getan hat sich allerdings nichts." Bis gestern. Da lief die Heizung dann doch wieder. Angeblich musste sie nur entlüftet werden. Wofür jeder Eigenheimbesitzer gerademal ein paar Minuten braucht, brauchte die Stadt mehr als zwei Wochen! Meißner: "Da frage ich mich, wofür die dort überhaupt zwei Hausmeister beschäftigen."

Von der Stadtverwaltung war bis zum Abend nur eine kurze Information zu dem Vorfall zu bekommen. Das Hochbauamt, das für Reparaturen zuständig ist, so ein Sprecher, sei erst "nach den Feiertagen drüber informiert worden, dass 20 Heizungskörper defekt sind". Über die genaue Ursache konnte er nichts sagen.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Krisenmanagement der Behörde völlig versagte. Im vergangenen Sommer hielt das Dach der Kita in der Reichelstraße einem heftigen Regenguss nicht stand. Die Einrichtung stand unter Wasser (die LVZ berichtete). Für solche Fälle sah der Havarieplan vor, die Kinder in eine benachbarte Schule zu evakuieren. Meißner: "Aber den kannte offenbar keiner. Die Kinder wurden jedenfalls in den nassen Räumen weiter betreut. Es gab keinen Strom und kein Mittagessen."

Mit 200 Kindern ist die Tagesstätte in der Reichelstraße die größte in Leipzig. Der Zustand des Plattenbaus ist desolat. Seit drei Jahren lassen Thomas Meißner und seine Frau Doreen dort ihre Kinder betreuen. "So lange wird bei laufendem Betrieb umgebaut", sagt Thomas Meißner und schüttelt darüber nur den Kopf: "Anstatt diese Einrichtung ein paar Monate zu schließen und sie jetzt im Konjunkturprogramm kernsanieren zu lassen, wird auch in den nächsten Jahren bei vollem Betrieb teilsaniert. Hier jagt ein Schwachsinn den nächsten." 

Klaus Staeubert

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