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Lokales Stadt Leipzig schränkt an vier Magistralen den Autoverkehr ein
Leipzig Lokales Stadt Leipzig schränkt an vier Magistralen den Autoverkehr ein
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09:03 08.02.2019
Auch die Harkortstraße leidet seit längerem unter hohem Verkehrsaufkommen, Staus und Luftbelastung. Der neue Luftreinhalteplan soll dem entgegenwirken. (Archivbild) Quelle: André Kempner
Leipzig

Die gute Nachricht zuerst: Seit Einführung der Umweltzone im Jahr 2011 wird die Luft in Leipzig immer sauberer. Die Grenzwerte bei Feinstaub, Kleinpartikeln und krebserregendem Ruß unterschritt die Messestadt auch 2018 deutlich, teilte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) am Donnerstag mit. Seit 2011 habe sich die Luftbelastung in all diesen Bereichen mehr als halbiert.

Probleme gebe es nur noch beim Stickstoffdioxid – dort seien sie aber von sehr ernster Natur, pflichtete Gunter Löschau vom sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) bei. „Verantwortlich für die hohen Werte, die wir hier messen, sind die Autohersteller“, sagte er. Zwar würden moderne Verbrennungsmotoren auf stationären Prüfständen immer weniger Stickstoffdioxid ausstoßen. Im realen Straßenverkehr liege der Ausstoß eines Euro-5-Dieselmotors aber deutlich höher als bei den älteren Modellen wie Euro 4 oder Euro 3. „Das ist der Grund, weshalb wir bei Stickstoffdioxid – entgegen aller Annahmen – seit Einführung der Umweltzone in Leipzig keinerlei Verbesserung erreicht haben.“

„Sondersituation durch Baustellen“

Wie berichtet, überschritt Leipzig im vergangenen Jahr den Stickstoffdioxid-Grenzwert an der Messstation Lützner Straße um zwei Mikrogramm (erlaubt sind 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft). Dies erklärte Bürgermeister Rosenthal auch mit einer „Sondersituation durch Baustellen“ wie den Sperrungen am Lindenauer Markt und in der Karl-Heine-Straße. Statt normalerweise unter 20. 000 Fahrzeugen pro Tag seien 2018 in der Lützner Straße mehrfach über 25. 000 gezählt worden. Unter anderem mit einem besseren Baustellenmanagement solle so etwas in Zukunft verhindert werden, kündigte Rosenthal an.

Starke Verkehrseinschränkungen für bessere Luft: Sind die Pläne der Stadt der richtige Weg?

Die Stadt Leipzig plant, den Verkehr an vier Magistralen, darunter der B2/Wundtstraße, zu reduzieren, um die Stickoxid-Belastung zu senken – eine gute Idee?

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500 neue Ladesäulen für E-Autos

Er stellte eine Fortschreibung des seit 2009 gültigen Luftreinhalteplans für Leipzig vor. Demnach soll mit 50 weiteren Maßnahmen erreicht werden, dass die Grenzwerte – trotz Einwohnerwachstums und damit mehr Autos – in allen Bereichen eingehalten werden. „In erster Linie geht es um die Gesundheit der Bürger“, betonte Rosenthal. Unter anderem sollen 500 Ladesäulen für Elektroautos entstehen, Radverkehr und ÖPNV gefördert werden. Gemeinsam mit der Wirtschaft wolle die Stadt neue Logistik-Konzepte erstellen. Beim Bau von Wohnsiedlungen werde künftig unter Umständen im Bebauungsplan ein Verbot für Kamine festgeschrieben. Die Anhebung der Parkgebühren auf den 250 oberirdischen Stellplätzen in der City gehöre zu den Maßnahmen, die erst noch geprüft werden.

Maßnahmen an Hauptverkehrsstraßen

Bereits fest stehen vier Eingriffe an Verkehrsmagistralen, die möglichst noch 2019 erfolgen sollen. Anders ließen sich dort die Stickstoffdioxid-Grenzen nicht einhalten, bat Rosenthal um Verständnis:

Auch wenn die Luft in Leipzig immer sauberer wird – laut Landesumweltamt gab es 2018 in den rot markierten Bereichen Probleme beim Stickstoffdioxid-Grenzwert. Quelle: Grafik: Patrick Moye

Wundtstraße: Nach Berechnungen des LfULG herrscht am Floßplatz und in der Harkortstraße die höchste Stickstoffdioxid-Belastung in Leipzig. Deshalb soll der Verkehr dort um 4900 Fahrzeuge pro Tag verringert werden – aktuell seien es 17. 000. Künftig fällt die Linksabbieger-Spur vom Martin-Luther-Ring in die Harkortstraße weg. Vor allem wird die B 2 vom Süden stadteinwärts ab der Abfahrt Richard-Lehmann-Straße auf eine Fahrspur reduziert, damit weniger Autos durch die dann einspurige Wundtstraße zur City rollen. An der Kreuzung Karl-Tauchnitz-Straße wird die Ampelschaltung so verändert, dass künftig mehr Autos auf dem Weg in die Innenstadt die bereits stark belastete Karl-Tauchnitz-Straße nutzen. Die B 2-Abfahrt zur Richard-Lehmann-Straße erhält zwei Fahrspuren.

Jahnallee: Ähnlich sei die Situation an der inneren Jahnallee. Dort werden die Ampelschaltungen so verändert, dass der Verkehrsdurchlass um 1600 Fahrzeuge pro Tag abnimmt. Ausweichrouten sind unter anderem die Marschner Straße, Am Sportforum und die Friedrich-Ebert-Straße.

Berliner Straße: Sie wird von der Erich-Weinert- bis zur Kurt-Schumacher-Straße zur Tempo-30-Zone, damit Autofahrer die Roscher- oder Rackwitzer Straße wählen.

Eutritzscher Straße: Für den Verkehr stadteinwärts entsteht eine Linksabbieger-Spur in die Roscherstraße. Das soll den Wilhelm-Liebknecht-Platz und die Gerberstraße auch beim Lärm entlasten.

von Jens Rometsch

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