Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Stadt Leipzig verbietet selbst gebackenen Geburtstagskuchen
Leipzig Lokales Stadt Leipzig verbietet selbst gebackenen Geburtstagskuchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:56 01.10.2015
Auf den Geburtstagstisch in den städtischen Kitas dürfen künftig wohl nur noch Kuchen wie dieser Muffin, der zuvor abgepackt war.Foto: Fotolia
Anzeige
Leipzig

An den Aushängen, die sich betroffene Eltern im Internet gerade posten, ist zu lesen, dass zu Kindergeburtstagen in den Gemeinschaftseinrichtungen kein selbst gebackener Kuchen mehr gereicht werden dürfe. „Die Anforderung an Hygienevorschriften und an die Deklaration von Allergenen sind so hoch, dass wir die Kontrolle nicht gewährleisten können“, heißt es. Deshalb dürften künftig zu Kindergeburtstagen nur noch folgende Lebensmittel mitgebracht werden: „Abgepackte Kuchen, Kekse, Plätzchen, Muffins; abgepackte Würstchen, Klopse; Obst, Gemüse sowie Süßigkeiten.“

Die Arbeitsgemeinschaft Freie Träger der Jugendhilfe – die neben den kommunalen Einrichtungen auch die Kitas freier Träger vertritt – wurde von dieser Entwicklung überrascht. „Ich kenne diese Entscheidung noch nicht, aber inhaltlich kann ich sie nachvollziehen“, sagte Koordinator Oliver Reiner am Mittwoch auf LVZ-Anfrage. Denn ähnlich wie Gaststätten müssten inzwischen auch Kitas die Inhaltsstoffe ihres Essens transparent machen. „Natürlich kann eine Kita nicht wissen, wie Eltern den Geburtstagskuchen backen.“ Hinzu komme, dass viele Erziehungsberechtigte akribisch darauf achten, was ihre Kinder essen. „Wenn der Nachwuchs dann zu Hause hustet, ist im Zweifelsfall die Kita schuld – obwohl das oft nur bedingt richtig ist“, so Reiner. Auch deshalb würden Einrichtungen mit einem Geburtstagskuchen-Verbot auf die sichere Seite kommen wollen. Reiner betont allerdings, dass diese Entwicklung auch Nachteile hat. „Ich finde es sehr schade, wenn bei Geburtstagsfeiern nur noch abgepacktes, professionell erzeugtes Essen auf den Tisch kommt“, sagt er. „Kinder sollten erleben, dass Geburtstagskuchen nicht nur aus der Tiefkühltruhe kommt.“ Nicht wenige Kids hätten bei Feiern in den Kindergärten ohnehin zum ersten Mal erlebt, „dass Mama selber einen Kuchen backt“.

Private Träger von Kitas wie Outlaw sehen dies ähnlich – und wollen deshalb auf keinen Fall auf selbst gebackenen Geburtstagskuchen verzichten. „Wir haben ähnliche Vorschriften, aber wir verbieten den selbst gebackenen Kuchen nicht grundsätzlich“, sagt Mandy Kanne, Outlaw-Bereichsleiterin Kita & More Leipzig/Halle. „Unsere Fachkräfte kennen die Allergien von Kindern und berücksichtigen sie.“ Die Outlaw-Erzieher würden deshalb auch darauf achten, dass kein Kind einem anderen etwas vom Teller nimmt – auch wenn dies manchmal „eine extreme Herausforderung“ sei. „Für uns ist es wichtig, dass die Kinder erleben, wie Essen zubereitet wird“, so Kanne. „Unsere neue Einrichtung in der Lutherstraße wird deshalb mit einer Kinderküche ausgestattet. Dort können die Mädchen und Jungen sehen, wie Schnitten geschmiert und Kartoffeln zu Kartoffelbrei werden.“

Die Bildungsagentur Leipzig hat mit selbst gebackenem Geburtstagskuchen in Grundschulen kein Problem. „Wir haben vor einigen Wochen auf die Sensibilität dieses Themas hingewiesen, aber kein generelles Verbot ausgesprochen“, sagt Agentursprecher Roman Schulz. Selbst gebackener Kuchen habe ja auch einen „sozialen Aspekt“.

Die Leipziger Stadtverwaltung bestätigt die Entscheidung des Jugendamtes und will sie am Donnerstag begründen. Denn die Resonanz des Themas hat das Rathaus offenbar überrascht. Nach LVZ-Informationen gibt es in der Verwaltung gegensätzliche Meinungen zu diesem Verbot. Im Gegensatz zum Jugendamt soll das Gesundheitsamt intern die Auffassung vertreten, die Entscheidung über den selbst gebackenen Geburtstagskuchen jeder Kita selbst zu überlassen.

Radio-Moderatorin Holzapfel ist sich sicher, dass dieses Thema Kreise zieht. „Diese Entwicklung greife ich nicht nur in meiner Sendung auf – sie wird ja schon in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert werden.“

Wenn LVZ-Leser mitdiskutieren wollen, können sie dies unter www.lvz.de gern tun.

Von Andreas Tappert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nachwuchs auf den neu gestalteten Affeninseln im Zoo Leipzig: Erstmals kam dort bei den Schwarzen Brüllaffen ein Jungtier zur Welt.

30.09.2015

In einem offenen Brief hat Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung am Mittwoch alle Leipziger dazu aufgerufen, bei der Integration der Flüchtlinge mitzuwirken. Die Aufnahme der Asylsuchenden sei eine finanzielle Aufgabe, vor allem aber auch eine menschliche.

30.09.2015

Ursprünglich sollte ein Großteil der geplanten Bungalow-Einheiten für die Flüchtlingsgemeinschaftsunterkunft in der Torgauer Straße 290 gemietet werden. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten kauft die Kommune nun.

30.09.2015
Anzeige