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Stadt Leipzig will mehr legale Graffiti-Projekte – Merbitz: Soko verfolgt weiter illegale Sprayer

Stadt Leipzig will mehr legale Graffiti-Projekte – Merbitz: Soko verfolgt weiter illegale Sprayer

Gesprühte Schriftzüge auf Straßenbahnen, im noch nicht eröffneten City-Tunnel oder an sanierten Häusern: Graffiti gehören zum Stadtbild in Leipzig. Am Dienstag diskutierten der Kriminalpräventive Rat der Kommune und Szene-Experten über den Umgang mit dem Phänomen.

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Illegal: Graffiti-Schmiererei in der Georg-Schuman-Straße.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Polizeichef Bernd Merbitz und Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) stellten die Ergebnisse vor und kündigten eine Kurskorrektur an: Repression allein hilft nicht, mehr legale Projekte sollen her.

60 Teilnehmer und Experten von der Opferhilfe Sachsen über die Deutsche Bahn bis zur Stadtreinigung beleuchteten das Thema Graffiti, das sich laut Rosenthal „im Spannungsfeld zwischen Vandalismus, strafbarem Handeln und Kunst bewegt“. Seit 2002 setzten Stadt und Polizei gemeinsam auf das „Programm zur Bekämpfung illegaler Graffiti“, erklärte Rosenthal. Die Beseitigung solcher Schmierereien innerhalb von 24 Stunden und die schnelle Ermittlung der meist jugendlichen Täter standen im Mittelpunkt.

„Aber wir müssen feststellen, dass die Zahl der Anzeigen steigt“, sagte Rosenthal. 2009 gab es 1395 registrierte Delikte. 2239 Graffiti-Straftaten zählte die Polizei 2012 in Leipzig. An kommunalem und privatem Eigentum entstand ein Schaden von rund zwei Millionen Euro, allein die Kommune musste 276.000 Euro für die Beseitigung von Farbschmierereien aufbringen. Jetzt will die Verwaltung dem Stadtrat ein überarbeitetes Konzept zum Umgang mit Graffiti vorlegen.

Polizeichef: „Leipzig ist crazy“

Stadt und Polizei öffnten mit der Konferenz die Türen für den Dialog mit der legalen Sprayer-Szene. Und das war offenbar nicht einfach, denn jahrelang herrschte Funkstille. Kunstpädagoge Sebastian Drechsel vom Graffitiverein Leipzig, der zahlreiche Workshops in Leipziger Stadtteilen und der Region organisiert, habe die schwierige Gesprächsatmosphäre skizziert, so Rosenthal und Merbitz.

Der Kriminalpräventive Rat aus Augsburg und das Dresdner Projekt „Spike“ stellten ebenfalls ihre Erfahrungen mit legalen Projekten vor. In der Landeshauptstadt werde seit 1995 an Konzepten für legale Projekte gearbeitet. „Aber man darf nicht vergessen, Dresden tickt auch anders. Leipzig ist crazy“, so der Polizeichef. In der Landeshauptstadt habe es gerade einmal 142 Graffiti-Delikte im Jahr 2012 gegeben, Chemnitz verzeichnete 568 Fälle. Ob die niedrige Zahl in Dresden ein Erfolg der liberaleren Politik sei, konnte Merbitz nicht bestätigen.

Sprayer wollen große Flächen

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Legales Riesen-Graffiti am Ring: Der Bauzaun der Propsteikirchen-Baustelle wird von Künstlern gestaltet.

Quelle: Regina Katzer

In Leipzig will man an die ganz jungen Sprayer heran: Kinder zwischen acht und vierzehn Jahren sollen legal ihre Gestaltungslust ausleben können. „Kreativ statt kriminell“ sei das Credo der Leipziger Graffiti-Experten. Verschiedene Präventiv-Projekte gibt es schon jetzt, doch eins ist nach der Konferenz auch klar: Sprayer wollen große Flächen, eine Tür hier und da sei nicht attraktiv genug.

Außen vor bei diesen Überlegungen seien die „extremen“ illegalen Sprayer, so Rosenthal. Dazu zählt er die Gruppen, die riesige Schriftzüge zum Beispiel ans Ring-Messehaus oder das ehemalige Robotron-Gebäude warfen. Oder die „sportbegeisterte“ Graffiti-Szene, die Vereinslogos und Meisterschaftsdaten im Stadtbild verewigten.

„In der Verfolgung illegaler Graffiti werden wir nicht nachlassen, da wird es keine Abstriche geben“, so Merbitz. Eine zehnköpfige Sonderkommission (Soko) kümmere sich um die Straftaten, die Aufklärungsquote liege mittlerweile bei zehn Prozent. Dass mit dem Kurswechsel illegale Schmierereien völlig verschwinden können, glaubt der Polizeichef ohnehin nicht: „Für manche gehört doch der Kick dazu, von der Polizei verfolgt zu werden.“

Evelyn ter Vehn

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