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Lokales Stadt baut Vertretungssystem für Kindertagespflege auf
Leipzig Lokales Stadt baut Vertretungssystem für Kindertagespflege auf
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07:02 19.12.2018
Mini-Kita bei einer Tagesmutter, die bis zu fünf Kinder betreuen darf. Wenn sie ausfällt, haben viele Eltern ein Problem. Die Stadt will nun ein Vertretungssystem ausbauen. Quelle: Foto: dpa
Leipzig

Die Stadt will im kommenden Jahr ein Vertretungssystem in der Kindertagespflege aufbauen. Das hat der Stadtrat so beschlossen. Der Verbund Kommunaler Kinder- und Jugendhilfe (VKKJ) ist dazu beauftragt worden. 2019 gibt es etwa 680 Tagesmütter und -väter, die in Leipzig tätig sind und die mehr als 3100 Kinder betreuen. Ihre Zahl hat sich seit 2005 beinahe verfünffacht. Deshalb reichen bisherige Regelungen nicht mehr aus. Zwar gibt es bereits mobile Vertretungskräfte (Springer), die mit Tagespflegern kooperieren sowie vertraglich gebundene Dienstleister als Stützpunkt, die im Notfall ein Kind aufnehmen können. Geplant ist nun, künftig etwa 130 Vertretungsplätze vorzuhalten. 80 Plätze durch Springer und 50 Plätze in Stützpunkten. Weil dies zu wenig ist, gibt es schon im Vorfeld von den Freien Trägern viel Kritik.

Jugendinstitut: Orientierung am Rechtsanspruch

Worum geht es? Vom ersten Geburtstag bis zur Einschulung haben Eltern einen Rechtsanspruch, ihre Kinder betreuen zu lassen. Ob in der Krippe, in der Kita oder bei Tagesmüttern und -vätern, ist erst einmal egal. Doch was ist, wenn die Krippenerzieherin oder die Tagesmütter krank wird? In der Regel ist, abgesehen von oft vollgestopften Gruppen in vielen Einrichtungen, in der Krippe oder in der Kita eine Vertretung da. Bei Tagesmüttern indes gibt es kein flächendeckendes System, das den Eltern eine gewisse Sicherheit gibt, im Bedarfsfall eine Betreuung zu haben. In der Regel sind sie dann auf sich alleine gestellt. Bereits 2010, also drei Jahre vor dem Rechtsanspruch, hat das Deutsche Jugendinstitut den Kommunen empfohlen, ein Vertretungssystem aufzubauen, das sich am Rechtsanspruch der Eltern orientiert.

Freie Träger: Zahl der Vertretungsplätze reicht nicht

„Es ist gut, dass sich die Stadt des Themas annimmt“, sagt Vicki Felthaus, Regionalleiterin für den Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen. Das sehen auch Bündnis 90/Die Grünen so, die im April 2018 die Initiative im Stadtrat ergriffen haben. „Ein genauer Blick zeigt aber, dass das Vertretungssystem, so wie es geplant ist, mal wieder in erster Linie unter einem Kostendeckel gestrickt wurde“, sagt Stadtrat Michael Schmidt (Grüne), der deutliche Nachbesserungen fordert.

Viel Kritik kommt von den Freien Trägern: „Die Stadt Leipzig hat den Bereich Kindertagespflege massiv ausgebaut und kompensiert damit den zaghaften Krippenausbau. Sie muss die Betreuung jetzt auch gleichrangig absichern“, sagt Felthaus. „Über 3000 Leipziger Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden können – egal, ob sie in der Krippe oder bei Tageseltern untergebracht sind.“

Norbert Hunger, Geschäftsleiter der Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH in Leipzig, ergänzt: „Als Träger versuchen wir seit Jahren, das viel zu schlecht ausgestattete Vertretungssystem zu kompensieren. Das jetzt beschlossene System bringt uns keinen Schritt weiter. Weder deckt die Anzahl der Plätze den aktuellen und notwendigen Bedarf ab, noch können bei diesem Entwurf sinnvolle Qualitätsstandards eingehalten werden.“

Vertretungspersonen und Tageseltern müssten in gutem Kontakt zueinander stehen, damit im Vertretungsfall Kinder und Eltern nicht an eine fremde Person weitergereicht werden. Gefordert wird daher ein rechtssicheres Vertretungssystem.

Sozialbürgermeister: 130 Plätze sind ambitioniertes Ziel

Die Grünen hatten im Stadtrat beantragt, 75 Ersatz-Tagespflegepersonen vorzuhalten – das entspräche theoretischen 375 Plätzen. Schmidt warf der Verwaltung vor, den Bedarf „auf abenteuerliche Weise berechnet und so künstlich reduziert“ zu haben, um weitere Tagespflegepersonen für eine reguläre Kinderbetreuung zu gewinnen, weil man jahrelang den Bau neuer Kitas verschlafen hat. Der Antrag der Grünen scheiterte im Stadtrat an der Mehrheit. „130 Plätze sind bereits ein ambitioniertes Ziel“, sagt Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD). Tagesmütter und -väter, die für so ein Vertretungssystem bereitstehen, müssten schließlich erst einmal gefunden werden.

Von Mathias Orbeck

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