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Stadt erlaubt 427 Studenten-Apartments in Leipzig-Reudnitz – Anwohner protestieren

Stadt erlaubt 427 Studenten-Apartments in Leipzig-Reudnitz – Anwohner protestieren

Zurzeit ist es eine grüne Oase mit Findlingen auf einer Wiese und hohen Bäumen. In einer der Kronen haben letztes Jahr Elstern gebrütet, erzählt Marion Winkelmann.

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So sieht das Raumprogramm für die Studenten-Apartments in Thonberg aus.

Quelle: Grafik Patrick Moye

Leipzig. Jetzt tummeln sich in dem Nest zwei Dohlen. "Auch Amseln und Meisen zwitschern hier ständig herum", erzählt die Seniorin, die auf ihrem Balkon in der Schulze-Boysen-Straße das komplette Areal zwischen der Prager-, Mühl- und Stötteritzer Straße überblickt. Doch die Oase könnte bald weg sein. "Uns war immer klar, dass die Baulücke direkt an der Prager Straße eines Tages geschlossen wird", sagt sie. "Das brächte ja sogar Vorteile in Sachen Lärm und Ruß von der Magistrale. Aber dass nun gleich die ganze Grünfläche verschwinden soll, ist nicht zu akzeptieren."

427 Studenten-Apartments sollen auf der Grünfläche entstehen. Zudem Läden im Erdgeschoss und ein "Parkhaus" an der Stötteritzer Straße - genau gegenüber einer städtischen Kita. Winkelmann schüttelt den Kopf: "Die Parkhaus-Zufahrt würde über eine Spielstraße erfolgen, die so schmal ist, dass jeweils nur ein Auto in einer Richtung durchpasst."

Allein in ihrem Haus haben bereits 15 Nachbarn gegen das Projekt unterschrieben, fährt die frühere Laborantin fort. Sie alle hätten Angst um den schönen Ausblick auf die Bäume und vor künftig noch mehr Lärm. "Abends hören wir hier oft die Konzerte vom Jugendklub Mühlstraße. Früh am Morgen klirren die ersten Laster mit leeren Flaschen für die Brauerei vorbei. In Zukunft schauen wir dann hier nur noch auf Wände. Und Studenten hören sicher öfter mal laute Musik."

Die Nachbarn müssten sich keine Sorgen machen, betont hingegen der Investor. Er heißt Günter Widmann, ist über 70 und Druckerei-Besitzer aus Karlsruhe. Zwar will er sich noch nicht konkret äußern, aber so viel sagt Widmann dann doch: Im Herbst 2014 habe er die Baupläne an die Stadt übersandt. "Ob Parkplätze oder Bäume, ob Altlasten-Untersuchung oder Findlinge - alles wurde von Fachleuten so konzipiert, dass sich das Studentenheim gut in die Umgebung einpasst." Als nächster Schritt seien die Grundstücksfragen zu klären.

Seit 2012 laufen Verhandlungen zwischen Widmann und Leipzigs Liegenschaftsamt, erläutert dort Sprecher Robert Staacke. Es gehe um das städtische Flurstück 277 in Thonberg - also jene 4500 Quadratmeter Land, wo jetzt die Bäume stehen. Im Januar 2012 habe das Liegenschaftsamt diese Fläche zum Verkauf ausgeschrieben. Mindestgebot: 567 000 Euro. Noch sei der Verkauf nicht vollzogen, so Staacke. Für sein Vorhaben braucht Widmann noch eine weitere Fläche, die einem Privatmann aus Stuttgart gehört.

Stadtplanungsamtsleiter Jochem Lunebach sieht das Vorhaben positiv. "Dort gilt bis heute der Bebauungsplan Nummer 1, also der allererste, der gleich nach der Wende in Leipzig beschlossen wurde, um die vielen Lücken an der Prager Straße zu schließen." Der Investor wolle weit unter den Möglichkeiten bleiben, die ihm dieser Plan einräumt. "So wird das Parkhaus eingeschossig mit 28 Stellflächen ausgeführt, die Häuser an der Schulze-Boysen- und Mühlstraße nur vier- und fünfgeschossig." Lediglich an der Prager Straße seien die dort üblichen sieben Stockwerke vorgesehen. Bei der Anordnung der Häuser habe sich Widmann ebenfalls kompromissbereit gezeigt, um möglichst viel Grün zu erhalten. Lunebach: "Das können wir nur begrüßen, zumal der Friedens- und Lene-Voigt-Park ganz in der Nähe sind."

Dennoch fragen sich die Anwohner, weshalb vor ihrer Tür hunderte Studenten-Apartments entstehen sollen. Winkelmann: "Hinsichtlich der Versorgung von Studenten mit günstigem Wohnraum liegt Leipzig bundesweit auf Platz 1."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.03.2015

Jens Rometsch

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