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Lokales Stadt Leipzig hält an Kitabau in Dölitz fest
Leipzig Lokales Stadt Leipzig hält an Kitabau in Dölitz fest
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00:20 16.11.2017
Diese Grünfläche in Dölitz-Dösen soll mit einer Kita bebaut werden. Anwohner wollen das verhindern und ziehen am Mittwoch auch vor den Stadtrat. Quelle: Foto: privat
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Leipzig

Das Jugendamt hält an seinem Plan, in der Eigenheimstraße in Dölitz eine Kindertagesstätte zu errichten, fest. Der Stadtrat hatte das Projekt auf der Oktober-Tagung aus einem Paket mit 13 Kitas zurückgestellt und die Verwaltung beauftragt, Alternativen zu suchen. „Wir haben verschiedene Grundstücke geprüft, ob sie besser geeignet sind. Allerdings konnten wir keine Alternative finden“, sagt Nicolas Tsapos, der Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung. Das Thema steht auf der Ratsversammlung am Mittwoch wieder zur Debatte.

Wie berichtet, wird die Grünfläche in der Siedlung unter mehr als 80 Jahre alten Bäumen als Treffpunkt der Nachbarn genutzt. Der ehemalige Besitzer soll das Areal gestiftet und verfügt haben, es unbebaut zu lassen. Das bestreitet die Stadtverwaltung aber. Nachweise im Grundbuch gebe es dafür nicht. Die Anwohner gehen auf die Barrikaden, wollen auch vor der Stadtratssitzung ihren Unmut bekunden. Sie bezweifeln, dass der Bedarf für eine Kita in ihrem Wohngebiet überhaupt besteht (die LVZ berichtete).

Laut Stadtverwaltung gibt es für andere Standorte in der Umgebung Ausschlusskriterien, wie auch in einem Papier für den Stadtrat aufgelistet wird. Geprüft wurde beispielsweise die Friederikenstraße 60. Laut Rathaus eine Gewerbefläche in Privatbesitz. Ein städtisches Grundstück Leinestraße/Bei der Krähenhütte sei aufgrund des Lärmes ungeeignet, gehöre zum Landschaftsschutzgebiet Lößnig-Dölitz. Für eine Freifläche an der Newtonstraße, die gar nicht der Stadt gehört, wird die Nähe zu einem Sendemast sowie zu einer Tankstelle als Manko angegeben. Das Grundstück Newtonstraße/Wincklerstraße kommt in Frage – ist aber als Vorbehaltsfläche für einen Schulneubau eingestuft worden. Deshalb bleibt nur der Standort Eigenheimstraße übrig, was den Anwohnern der Siedlung Johannishöhe kürzlich bei einer Versammlung schmackhaft gemacht werden sollte. Seitdem ist die Skepsis noch größer geworden. Die Anwohner werfen der Verwaltung nun vor, jedewede Argumente „mit teils fadenscheinigen, teils hanebüchenen Ausreden negiert“ zu haben. So bestehe grundsätzlich nicht der Wille, Entscheidungen im breiten gesellschaftlichen Konsens im Interesse der Bewohner der Stadt zu überprüfen, etwaige Fehler einzugestehen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Auch Stadträte sind sich unsicher, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Denn Kitaplätze werden in der ganzen Stadt dringend gebraucht. Siegfried Schlegel (Linke) ist für einen Kompromiss, will die Kita als zweigeschossigen Baukörper mit reduzierter Geschossfläche im Obergeschoss und einer nutzbaren Terrasse bauen. Dabei sei der Baumbestand so weit wie möglich zu erhalten. „Es soll geprüft werden, ob eine teil- oder ganzöffentliche Spielplatzfläche realisiert werden kann“, schlägt Schlegel vor.

CDU-Mann Karsten Albrecht wertet es als Teilerfolg, dass 700 Quadratmeter des Areals als öffentliche Fläche erhalten bleiben sollen. „Wir wissen aber nicht, ob die Prüfung der vorgeschlagenen Alternativstandorte mit der notwendigen Sorgfalt erfolgt ist“, sagt Albrecht und hat so seine Zweifel. Deshalb habe er vor der Entscheidung Akteneinsicht beantragt. Auch Michael Schmidt (Grüne) hat noch Zweifel: „Es gibt noch andere Grundstücke. Da wissen wir nicht, ob sie gründlich geprüft worden sind.“ So habe die Johanniskirche Dösen der Stadt eine ohnehin von der Kommune gepachtete Fläche für eine Kita angeboten.

„Die Anwohner kämpfen für ihre grüne Oase“, sagt Christian Kriegel (AfD), der den Standort nicht für erforderlich hält, da die Plätze im gesamten Süden benötigt werden. „Wir listen zwölf Alternativen auf, die die Verwaltung prüfen soll.“ Standorte auf der Agra seien da ebenso dabei wie auf dem Wiedebachplatz.

Mittlerweile hat sich auch der Naturschutzbund in die Diskussion eingeschaltet. Der Nabu bittet die Stadtverwaltung um einen sorgsamen Umgang mit grünen Lebensräumen. „Bei geplanten Baumaßnahmen muss der ökologische Wert der Baugrundstücke berücksichtigt werden“, heißt es. Der Nabu fordert, für Bauprojekte vor allem bereits bebaute oder versiegelte Grundstücke zu nutzen oder diese zu erwerben, Grün- und Brachflächen hingegen müssen möglichst erhalten bleiben oder sogar weiter aufgewertet werden.

Von Mathias Orbeck

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