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Stadt positioniert sich: „Runde Ecke“ soll Stasi-Kinosaal fürs Schulmuseum räumen

Friedliche Revolution Stadt positioniert sich: „Runde Ecke“ soll Stasi-Kinosaal fürs Schulmuseum räumen

Das Museum in der „Runden Ecke“ soll mit ihrer Sonderschau zur Friedlichen Revolution, die seit 2009 gezeigt wird, den ehemaligen Stasi-Kinosaal verlassen. Der Saal soll künftig fürs Sonderschauen und Veranstaltungen des Schulmuseums, das zum Zentrum für demokratische Bildung entwickelt wird, genutzt werden. Der Stadtrat muss aber noch votieren.

Für die Sonderschau zur Friedlichen Revolution im ehemaligen Stasi-Kinosaal sollen neue Räume gefunden werden. Die Stadt will die Immobilie fürs Schulmuseum nutzen.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Die Verwaltung hat sich positioniert: Das Bürgerkomitee Leipzig soll mit ihrer seit 2009 gezeigten Sonderschau „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution“ aus dem ehemaligen Stasi-Kinosaal im Anbau Goerdelerring 20 ausziehen. Der Saal soll ab 17. Oktober für die Sonderschau „Was glaubst Du denn?! Muslime in Deutschland“ des Schulmuseums genutzt werden. Bei Bedarf will die Stadt dem Bürgerkomitee Leipzig bei einer „sachgerechten Zwischenlagerung von Objekten“ sowie dieses bei der Suche nach einem alternativen Standort für die Sonderschau helfen. Der Vorstand des Bürgerkomitees hat sich inzwischen dafür ausgesprochen, für den Erhalt der Ausstellung in den authentischen Räumen des ehemaligen Stasi-Kinosaals zu kämpfen (die LVZ berichtete). Tobias Hollitzer, der Leiter des Museums in der "Runden Ecke", hat dies auch in Briefen an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) bekräftigt. Dass die Verwaltung dem Bürgerkomitee dauerhaft den Saal entziehen will, betrachtet er als „Desinteresse der Stadt“ am Thema Friedliche Revolution.

Wie berichtet, ist der schon lange schwelende Konflikt um die Nutzung des Saales wieder ausgebrochen. Seit 2003 gibt es eine Kooperationsvereinbarung, die dessen wechselseitige Nutzung regelt. Diese wurde mit der Sonderschau, die das Bürgerkomitee 2009 zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution entwickelte, „faktisch außer Kraft gesetzt“, wie es in einem Verwaltungspapier heißt. „Eine Sonderschau geht irgendwann zu Ende. Das sagt schon ihr Name“, meint Thomas Töpfer, der die Werkstatt für Schulgeschichte leitet. „Es geht hier aber um eine Fläche, nicht darum, Themen gegeneinander auszuspielen.“

Die Sonderschau „Muslime in Deutschland“ wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung als Wanderausstellung entwickelt. Es handelt sich um das erste große Ausstellungsprojekt in Deutschland, das speziell die Perspektive heutiger muslimischer Jugendlicher in den Mittelpunkt rückt. „Dass wir sie zeigen wollen, habe ich dem Bürgerkomitee im Februar mitgeteilt. Ich habe auch Gespräche angeboten, wie wir hier weiter zusammenarbeiten. Darauf gab es aber keine Reaktion“, so Töpfer. Hollitzer sieht dies völlig anders: „Wir sind seit Jahren im Gespräch und suchen nach einer Lösung, unsere Ausstellung zur Friedlichen Revolution dauerhaft an diesem authentischen Ort zu zeigen.“ Die Sonderschau im Saalanbau gehöre untrennbar zum Museum in der „Runden Ecke“. Die langfristige Nutzung des Kinosaal für Veranstaltungen sei für die Arbeit der Gedenkstätte unverzichtbar.

Ist denn die Muslime-Schau an den Raum gebunden? „Die Bundeszentrale sieht ihn als besonders geeignet an. Sie wird von uns pädagogisch-didaktisch mit Angeboten für Schulen begleitet“, sagt Töpfer. Gemeinsam mit dem Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung der Universität Leipzig ist eine Veranstaltungsreihe im Saal geplant, zudem gibt es ein Symposium. Bis Sommer 2017 bereitet das Schulmuseum zwei weitere temporäre Ausstel­lungen (Goerdeler sowie Jugendgruppen in Sachsen während der NS-Zeit) vor, die jeweils durch Workshopangebote für Schulen und ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt werden. Das Schulmuseum wolle sich als „Zentrum für demokratische Bildung“ entwickeln und brauche mehr Platz. „Deshalb geht es längst um die grundsätzliche Frage, ob das Schulmuseum oder wir künftig die Räume im Saalanbau nutzen. Dazu muss sich nun der Stadtrat bekennen“, findet Hollitzer.

Von Mathias Orbeck

Weitere Informationen zur Gedänkstätte in der "Runden Ecke"

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