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Lokales Stadt streicht Arena-Betreiber Privilegien aus dem Vertrag
Leipzig Lokales Stadt streicht Arena-Betreiber Privilegien aus dem Vertrag
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09:45 11.10.2016
Die Arena ist nicht nur die größte Leipziger Sporthalle, sondern auch eine der zehn besten Veranstaltungshallen in Deutschland. Quelle: Christian Modla
Leipzig

„Die ZSL GmbH hat sich in den letzten Jahren als zuverlässiger Partner erwiesen und war auch in den jetzigen Verhandlungen ein konstruktiver Partner“, erklärte Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) gegenüber der LVZ. Die aktuelle Vereinbarung über die Nutzung der Halle läuft im Mai 2017 aus. Ohne Kündigung durch die Kommune hätte sie sich schon im Mai dieses Jahres verlängert.

Weil sich die Stadt zu dem Zeitpunkt aber weder für eine Beendigung des Vertragsverhältnisses noch für eine Fortsetzung nach bisherigen Konditionen entscheiden konnte, einigten sich beide Seiten auf eine Fristverlängerung bis zum 28. Oktober.

Das sind nach LVZ-Informationen die wesentlichen Änderungen des Papiers, über dessen Inhalt die Stadträte zum Stillschweigen verpflichtet sind:

Bislang zahlt die Stadt der ZSL einen Jahreszuschuss zum Betrieb der Halle von 783 000 Euro. Dieser wird künftig um 630 000 Euro gekürzt. Übrig bleiben also noch 153 000 Euro. Eine Summe, die genau der Höhe der Pacht entspricht, die die ZSL für die Arena der Stadt überweist.

Im Gegenzug kann der Betreiber die Namensrechte an der Halle verwerten, sie umbenennen und Einnahmen durch einen Sponsor auf diese Weise erwirtschaften. Ein Nebeneffekt: Verwechslungen aufgrund der Namensgleichheit von Arena und Red Bull Arena wären dann ausgeschlossen.

Ein Privileg, das es der Stadt bislang geradezu unmöglich macht, einen für sie preiswerteren Betreiber zu finden, entfällt künftig. Derzeit könnte die Kommune durch eine Ausschreibung zwar einen neuen Pächter suchen. Die ZSL hätte aber jederzeit das Recht, das Angebot des besten Bieters zu übernehmen. Deshalb wurde der Stadt in einem Rechtsgutachten von einer Ausschreibung abgeraten. Entweder würde unter diesen Voraussetzungen kein wirtschaftliches Angebot abgegeben oder die Stadt riskiere einen Rechtsstreit mit einem unterlegenen Ausschreibungssieger.

Klar geregelt ist im neuen Vertrag das sogenannte Leichtathletikschaufenster. Die ZSL stellt danach Leichtathleten die Halle für die Dauer von vier Wochen im Februar zur Verfügung, zuzüglich der Zeit, die für den umfangreichen Auf- und Abbau der Sportanlagen erforderlich ist. Der erfolgt künftig auf Kosten des Betreibers, die Stadt beteiligt sich daran nur noch mit einer Pauschale von 25 000 Euro.

Stimmt der Stadtrat diesen Vereinbarungen zu, spart die Kommune in den nächsten acht Jahren fünf Millionen Euro beim Betrieb der Arena. Mit dem Ergebnis ist Sportbürgermeister Rosenthal zufrieden. „Der aktuelle, ausverhandelte Nachtrag zum Betreibervertrag Arena Leipzig aus dem Jahr 2002 sichert in Art und Umfang wie bisher die fördermittelgerechte Leistungssportkadernutzung, die Nutzung für den Breitensport sowie bis zu vier mietkostenfreie Nutzungen für nichtkommerzielle hochrangige Sportveranstaltungen als Recht für die Kommune ab“, sagte er.

Die öffentliche Finanzierung des Arena-Baus war an die Bedingung geknüpft, dass 30 Prozent der Hallenzeiten in der Arena für den Leistungssport reserviert sein müssen.

Ein Problem bleibt jedoch die laufende Instandhaltung. Seit Jahren muss sich der Betreiber mit lediglich 5100 Euro im Jahr an Wartungs- und Reparaturkosten beteiligen. Mittlerweile gibt das Sportamt jährlich schon 300 000 Euro für Unterhaltungsarbeiten an der Arena aus. Aufgrund des fortschreitenden Alters der Halle steigen die Kosten weiter.

Eine der zehn besten Veranstaltungshallen Deutschlands

Dass die Arena inzwischen mehr für Konzerte und Shows statt Sport genutzt wird, stört im Rathaus offenbar nicht. Von Anfang an sei beabsichtigt gewesen, dass ein privater Betreiber „notwendige Geschäftsfelder außerhalb vom Sport aufbauen und realisieren kann“. Dieser Auftrag habe sich nach den Worten von Rosenthal insofern erfüllt, als die Arena „heute deutschlandweit unter den ersten zehn Veranstaltungshallen im Veranstaltungsgeschäft rangiert, mit entsprechendem Standortmarketing – und ökonomischen Vor-Ort-Effekten für die Stadt“.

Der wachsenden Nachfrage nach Hallenkapazitäten durch den Vereinssport käme die Stadt durch das angelaufene intensive Schulhausbauprogramm nach. „Zu jeder Schule gehört eine Sporthalle“, sagte der Bürgermeister. „Solche wohnortnahen Infrastrukturen kommen den Interessen des organisierten Sports – unabhängig von der Sportart – grundsätzlich entgegen, wenngleich der Vereinssport in Leipzig schneller wächst, als eine Sanierung oder ein Neubau von Schule mit Sporthalle geplant, finanziert und gebaut werden kann.“

Von Klaus Staeubert

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