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Stadt will Pleißemühlgraben umverlegen - Kritik vom Verein Neue Ufer

Vorentscheidung gefallen Stadt will Pleißemühlgraben umverlegen - Kritik vom Verein Neue Ufer

Taucht die Pleiße auf? Hinter der Hauptfeuerwache und dem IHK-Gebäude verläuft der Graben unterirdisch. Dies soll sich ändern. Kritik kommt vom Verein Neue Ufer.

Der Verein Neue Ufer kritisiert die Pläne zur Umlegung der Pleiße.

Quelle: Patrick Moye

Leipzig. Leipzig rühmt sich gern, die Stadt an der Pleiße zu sein. Dennoch soll jetzt ein Jahrhunderte alter Abschnitt des Pleißemühlgrabens umverlegt werden. Er befindet sich an der Rückseite der Hauptfeuerwache und des IHK-Gebäudes. Allerdings wurde das 310 Meter lange Stück in den 1950er-Jahren mit Kappengewölben und Wölbleitungen unter die Erdoberfläche gezwungen. Es ist nicht mehr sichtbar.

Laut einer nicht-öffentlichen Informationsvorlage der Stadtverwaltung könnte sich das bald ändern. Die Zeit drängt, weil die Kommune von November 2017 bis Ende 2021 die Hauptfeuerwache samt aller Nebengebäude sanieren will, heißt es dort. Die Bauarbeiten kosten 19 Millionen Euro. Um Kosten zu sparen, solle im gleichen Zeitraum auch der Pleißemühlgraben zwischen der Käthe-Kollwitz-Straße und dem Ranstädter Steinweg geöffnet werden, empfehlen das Bau- und das Umweltdezernat in dem Papier. Jedoch nicht im historischen Verlauf, von dem noch eine Ufermauer und Brückenteile im Erdreich schlummern. Stattdessen sehen es die Planer als viel besser an, eine völlig neue Route direkt neben dem Goerdelerring zu ziehen. Sie wäre nicht mehr geschwungen, sondern fast kerzengerade – und daher über 50 Meter kürzer.

Keine neue Debatte

Die Debatte um den Flussverlauf an dieser Stelle ist keineswegs neu. Bereits 1994 war in einem Rahmenplan für den Pleißemühlgraben beschlossen worden, den alten Flusslauf bei der Öffnung beizubehalten. 2011 kam das Thema wieder auf, weil seinerzeit ein Bebauungsplanverfahren für ein zukünftiges Hochhaus neben dem IHK-Gebäude begann. Ende 2016 erklärte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) schließlich, es seien mittlerweile drei mögliche Trassen „ohne Festlegung einer Vorzugsvariante“ untersucht worden. Im ersten Quartal 2017 sollten sie der Bürgerschaft vorgestellt und diskutiert werden. Doch das geschieht nun erst später, wenn ein Planungsbeschluss für die neue „Vorzugsvariante der Verwaltung“ ergangen ist, räumt Rüdiger Dittmar ein.

Das Rathaus habe sich aus mehreren Gründen für diesen Weg entschieden, sagt der Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer. „Wer den Beschluss zur Feuerwache umsetzen will, muss den Fluss am Ring entlang führen.“ Zum Aufstellen der Technik sowie für einen Hubschrauberlandeplatz brauche die Branddirektion Flächen vor und hinter ihrem Gebäude. Auch sei ein Verlauf des Mühlgrabens am Ring viel stadtbildprägender, weil gut sichtbar für alle Passanten. Laut der nicht-öffentlichen Vorlage würden durch die geänderte Trasse zudem erhebliche Kosten gespart.

Kritik vom Leipziger Verein Neue Ufer

Beim Leipziger Verein Neue Ufer herrscht Entsetzen über das Ansinnen der Verwaltung. „Diese Umverlegung bedeutet den Abbruch aller kulturhistorischen Entwicklungslinien“, so Vorstand Heinz-Jürgen Böhme. „Es kann nicht sein, dass bei einer so weitreichenden Frage die Beteiligung der Bürger ausgeschlossen wird.“ Durch den Bau einer Tiefgarage vor der Feuerwache könnte diese auf Flächen im Hof verzichten. Dort gebe es dann genug Platz für eine naturnahe Gestaltung und Erlebbarkeit der Ufer, auch der Bau einer Kita als neue Mitte des kriegszerstörten Naundörfchens biete sich an. Leipzig bekäme die beiden Brücken im Zuge der Lessingstraße und des Naundörfchens zurück, welche schon zur Völkerschlacht eine wichtige Rolle spielten. Vor allem aber gehöre es seit jeher zur Charakteristik der Pleiße, dass ihre citynahen Abschnitte teils vor und teils hinter der Ringbebauung verlaufen, erklärt er. „Das ist ein typisches Stück Leipzig. Es darf nicht für einen schmalen Streifen am Ring mit seinen Schall- und Schadstoffemissionen geopfert werden.“

Von Jens Rometsch

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