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Lokales Stadtelternrat führt Kultusminister durch zwei „vergessene Schulen“
Leipzig Lokales Stadtelternrat führt Kultusminister durch zwei „vergessene Schulen“
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22:03 12.09.2018
Christian Piwarz besucht die Astrid-Lindgren-Grundschule. Petra Elias (rechts) und die stellv. Schulleiterin Gabriele Stenzel zeigen Probleme auf. Quelle: Mathias Orbeck
Leipzig

Die Fenster wellen sich, die Toiletten sind teilweise kaputt, die Fußböden alt und daher nur schwer zu reinigen, einen Sonnenschutz gibt es nicht. „Das ist ein Beispiel dafür, wie ein Lernort nicht aussehen sollte“, konstatiert Petra Elias, die Vorsitzende des Stadtelternrates. Sie hat Kultusminister Christian Piwarz (CDU) an die Astrid-Lindgren-Grundschule in Schönefeld eingeladen. Die ist ebenso wie die Oberschule Paunsdorf, die der Minister am Mittwoch ebenfalls besuchte, ein Beispiel für die Schulen, die es bislang nicht auf die Sanierungsliste der Stadt gebracht haben. „Vergessene“ Schulen, wie Elias sagt. Sie redet vom beträchtlichen Sanierungsstau. Natürlich: Piwarz ist keineswegs Bauherr für Leipziger Schulen. Zu seinen Aufgaben gehört jedoch die Überwachung der Arbeitsbedingungen für die Lehrer. Stadtelternrat und Schülerrat möchten ihn bewegen, Leipzig bei der Sanierung seiner Gebäude mit Fördermitteln zu unterstützen.

Undichte Fenster sind das Hauptproblem

Das Gebäude in der Volksgartenstraße 4 wurde 1975 errichtet. „Unser Hauptproblem sind die Fenster. Die sind teilweise so undicht, dass es hineinregnet. Es zieht und viele lassen sich gar nicht öffnen“, erläutert René Streubel, Elternsprecher der Astrid-Lindgren-Grundschule. Eine unschönes Ambiente fördere das Konfliktpotenzial, das im Viertel mit vielen sozial schwachen Familien ohnehin groß sei. „Für den Lernerfolg des Schülers bleibt natürlich die Arbeit der Lehrer, die engagiert sind und sich viel Mühe geben, das Wichtigste. Unsere Aufgabe ist jedoch, den Finger in die Wunde zu legen“, so Elias. Eltern haben schon selbst gemalert und Gardinen genäht. Die Schule in der Volksgartenstraße 16 platzt ohnehin aus allen Nähten.

Komplexsanierung erst in paar Jahren

„Die Komplexsanierung und ein Erweiterungsbau sind mit dem Etat 2019/20 geplant“, erklärt Abteilungsleiter Jens Kabisch vom Amt für Jugend, Familie und Bildung. Voraussetzung sei, dass der Stadtrat dies mit dem Doppelhaushalt genehmigt und in Dresden Fördermittel bewilligt werden. Die Grundschüler sollen dann ins benachbarte Gebäude, derzeit eine Außenstelle der 20. Oberschule (ab 2020: Oberschule Ihmelstraße), ausgelagert werden. „Jetzt Fenster auszutauschen und alle Toiletten zu sanieren, hat da keinen Sinn.“ Reparaturen seien aber immer möglich. Schwerpunkt der Stadt sei aber, den Geburtenboom durch Bau zusätzlicher Gebäude in den Griff zu bekommen.

„Es gibt eine Baustellen-Liste im Schulentwicklungsplan, die Sanierungen ab 2023/24 vorsieht “, sagt Johannes Gosch, der Vorsitzende des Stadtschülerrates: „Das betrifft bereits die nächste Schülergeneration.“ Daher könnten die Schüler Probleme immer nur wieder ansprechen und Politiker zum Reagieren zwingen.

Kultusminister redet mit Lehrern in Paunsdorf

Piwarz machte keine Versprechungen zu Sanierungen. „Das ist Sache der Stadt Leipzig“, sagt er und hört sich aufmerksam die Probleme der Lehrer an. Etwa in der Oberschule Paunsdorf, Zum Wäldchen 4, die ebenfalls viel zu wenig Raum für immer mehr Schüler hat – trotz eines Anbaus für vier Unterrichtsräume vor gut zwei Jahren. 315 Schüler lernen inzwischen im ebenfalls unsanierten Haus. Wie es dort weitergeht, ist offen. Eine Antwort aus dem Leipziger Rathaus steht aus.

Schulleiterin Elke Fischer und ihr Team von 44 Lehrern geben sich zwar redlich Mühe, haben vom Prinzip des Co-Klassenlehrers, Start-Training, einer Kooperation mit der Uni Leipzig oder einer Stunde Förderunterricht für jeden Schüler bis Klasse 7 viele Besonderheiten im Schulprogramm. „Dennoch sind wir am Ende unserer Kräfte“, gibt sie zu. Es fehlen Beratungslehrer, zusätzliche Stunden für Inklusionskinder, eine spezielle Förderung für Kinder mit Migrationshintergrund und vieles mehr. Etliche Ganztagsprojekte seien kaum noch zu bewältigen. Denn dafür fehlen einfach die Lehrer oder Schulassistenten, die sie entlasten und ihnen Freiräume für ihre eigentlichen pädagogischen Aufgaben schaffen.

Das Land Sachsen will 2019 etwa 130 Schulassistenten einstellen, die vorrangig in die drei Großstädte kommen. „Wir versuchen gegenzusteuern, machen uns auf den Weg“, so Piwarz. Er stecke aber in einem Dilemma, die Probleme rasch zu lösen. So fehlten momentan 700 Lehrer in ganz Sachsen.

Von Mathias Orbeck

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