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Lokales Stadtentwicklung: Georg-Schumann-Straße soll zur Gründermeile werden
Leipzig Lokales Stadtentwicklung: Georg-Schumann-Straße soll zur Gründermeile werden
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18:13 16.11.2010
Für die Sanierung der zehn Kilometer langen Straße werden auch Gelder vom Bund bereitgestellt. Quelle: Wolfgang Zeyen
Leipzig

Jeder fünfte Einwohner empfängt ALG II und die Hälfte aller Kinder wächst in Familien auf, die auf staatliche Hilfen angewiesen sind.

Diese düstere Bilanz hat die Abteilung Stadtentwicklung in ihrer Bestandsaufnahme von der Situation der Magistrale des Leipziger Nordens gezogen. Doch die Stadt hat auch Potenzial erkannt: Die Georg-Schumann-Straße verfügt über etwas, was die Stadtentwickler als „konsolidiertes Hinterland“ bezeichnen. Die Häuser in der „zweiten Reihe“ sind bewohnt, saniert und beliebt. Der Auwald im Hinterland ist attraktiv für die Einwohner und lockt in den Norden. Die meisten leerstehenden Häuser an der Straße sind nicht vom Verfall bedroht und viele Menschen engagieren sich in Bürgervereinen.

Potenziale sollten genutzt werden, so die Meinung der Stadtplaner. Deswegen gründeten sie das „Experimentierlabor Georg-Schumann-Straße“. Dieses soll Impulse geben, Ideen sammeln und das Engagement ansässiger Vereine bündeln, um dem Leipziger Norden neues Leben einzuhauchen. Mittelfristig möchten sie die Straße zur "Gründer-Meile" etablieren.

Im neuen Informationszentrum in der Georg-Schumann-Straße 126 wird das Entwicklungskonzept der Straße erläutert. Quelle: Wolfgang Zeyen

Die Chancen, diese Pläne erfolgreich umzusetzen, stehen gut: Jetzt hat auch der Bund seine Unterstützung zugesagt. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung startet in der Georg-Schumann-Straße das Projekt „Kooperationen konkret“. Damit soll das „Experimentierlabor“ finanziert werden. Ziel ist, das Zusammenwirken von Stadt, Freistaat und Bund zu erleichtern, um Maßnahmen schneller umzusetzen. Mit drei Millionen Euro rechnet Oberbürgermeister Burkhard Jung, jeweils zu einem Drittel vom Bund, Land und der Stadt.

 „Angesichts knapper öffentlicher Kassen werden wir in der Georg-Schumann-Straße zeigen, wie bürgerschaftliches Engagement gefördert und gebündelt werden kann“, sagte Staatssekretär Rainer Bomba. Dabei gehe es nicht nur um die Gestaltung von Fassaden, „sondern auch um die Menschen, die sich mit ihrem Kissen auf der Fensterbank diese Fassaden ansehen wollen“.  Damit meint Bomba das Konzept der integrierten Stadtentwicklung. Dies bedeutet, dass alle Bewohner und Vereine in die Entwicklung ihres Stadtteils mit einbezogen werden.

Das Konzept scheint in der Georg-Schumann-Straße aufzugehen: Sowohl die Bürgervereine in Gohlis, Möckern und Wahren arbeiten aktiv zusammen, als auch die Kirchen und Schulen, die Vereine, die Eigentümer und die Händlergemeinschaft. „Besonders freut mich das aktive Engagement der Bürger“, sagte Baubürgermeister Martin zur Nedden (SPD). Das Projekt „Kooperation konkret“, sei allerdings nicht die einzige Geldquelle. „Wir haben einen bunten Blumentopf an Fördermitteln zusammengestellt“, sagte Nedden, der auch auf Mittel aus dem Förderprogramm Stadt- und Ortsteilzentren und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) hofft.

Informationszentrum soll Ideenschmiede werden

Die ersten Projekte zur Entwicklung der Straße starten schon Anfang des neuen Jahres. Am 10. Januar öffnet ein Informationszentrum in der Georg-Schuhmann-Straße 126. Hier können sich alle Bürger und Vereine über das Stadtentwicklungskonzept informieren, aber auch ihre Idee einbringen und sich austauschen.

Vier Wächterhäuser sollen etabliert werden

Das erfolgreiche Wächterhaus-Konzept des Vereins Haushalten wird auch für den Norden übernommen. Nachdem bereits im September das erste Wächterhaus in der Chausseestraße eröffnet wurde, ist ein weiteres in der Slevogtstraße geplant. Kosten: 45.000 Euro. Insgesamt vier Wächterhäuser sind geplant.

Huygensplatz erhält Sitzmöglichkeiten und Bäume

Auf dem Huygensplatz wird eine symbolische kreisrunde Gründfläche markiert. Darauf setzen die Stadtplaner Baumkübel und Sitzwürfel, sondern auch den Buchstaben „H“, der beleuchtet werden soll. „Dann werden wir uns ein dreiviertel Jahr ansehen, wie die Menschen den Platz annehmen, ihn entweder so realisieren oder den Bedürfnissen anpassen“, sagte Heike Hill, Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung. 25.000 Euro soll das Vorhaben kosten.

Eine Mauer schütz vor Schall und sieht dabei gut aus

Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite, in der Baulücke der Nummern 123 und 124, wird eine 4 Meter hohe Mauer gebaut. Sie soll der historischen Fassade, die dort ehemals stand, nachempfunden werden und als Schallschutz für die dahinter liegenden Häuser dienen. 30.000 Euro kostet das Teilprojekt, was jetzt vom Kooperationspartner LWB ausgeschrieben wird.

Bundesstraße 6 soll Verkehr aufnehmen

Um die Georg-Schumann-Straße von dem hohen Verkehrsaufkommen zu entlasten, ist eine Umleitung des Schwerlast- und Durchgangsverkehrs geplant. Wann es dazu kommen wird, ist allerdings noch unklar.

Die Gegend im die Georg-Schuman-Straße ist unterentwickelt. Ein neues Konzept soll der Magistrale des Nordens wieder auf die Beine helfen. Quelle: Wolfgang Zeyen

Staatssekretär Bomba geht von einer Laufzeit von vier Jahren für die Finanzierung des Experimentierlabors Georg-Schumann-Straße aus. „Vielleicht kann diese Straße Pate werden für viele andere Projekte“, sagte Bomba. „In Sachsen gibt es viele Georg-Schumann-Straßen“, machte Michael Klöppl, der stellvertretende Abteilungsleiter des Referat EU- und Städtebauförderung des sächsischen Innenministeriums die Problematik unterentwickelte Stadtbezirke deutlich.

Nach den Anstrengungen der Stadt, den Leipziger Osten und Westen auf die Beine zu helfen, erhält die Georg-Schumann-Straße die höchste Priorität im Norden. „Wir konzentrieren im Norden alle Kräfte auf die Sanierung der Straße“, sagte Heike Hill, Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung. Im Unterschied zum Leipziger Osten seien hier die Schwachpunkte direkt auf die Straße beschränkt. Das sei ein Vorteil. „Trotzdem ist noch Einiges zu tun, sagte Will. Das gehe nicht von heute auf morgen, sondern erfordere einen langen Atem.

Katrin Tominski

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