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Lokales Stadtfest: Kritik an Bundeswehr-Bühne
Leipzig Lokales Stadtfest: Kritik an Bundeswehr-Bühne
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14:15 04.06.2015
Hier wirbt die Bundeswehr auf dem Stadtfest für sich. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Am Freitag beginnt das Stadtfest. Bis Sonntag treten in der Innenstadt zahlreiche Musiker auf. Auch auf dem Augustusplatz. Auf der Bühne dort: Stars wie Loona, Captain Jack oder PhilBeat, die vor allem junges Publikum anziehen. Wenn die Besucher zur Musik tanzen, werden sie neben der offiziellen „Bundeswehr-Bühne“, auf der die Künstler auftreten, allerdings auch einen sogenannten Karriere-Truck der Bundeswehr und laut offiziellem Programm einen Dingo-Panzerwagen sehen.  

Es ist nicht das erste Mal, dass die Armee sich auf dem Stadtfest engagiert. Seit die Wehrpflicht 2011 abgeschafft wurde, wirbt die Bundeswehr verstärkt auf Berufsmessen und in Schulen um Nachwuchskräfte. Daran entlädt sich immer wieder Kritik, auch beim Leipziger Stadtfest. „Nach unser Auffassung gehört auf ein klassisches Stadtfest keine Werbung für Kriegseinsätze und das Militär“, so Sören Pellmann, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat. Zum wiederholten Mal kritisiere seine Partei die Präsenz der Bundeswehr auf dem Fest. Die Einflussmöglichkeiten der Fraktionen, schränkt Pellmann ein, seien allerdings beschränkt. „Selbst wenn es im Stadtrat eine Mehrheit gegen die Bundeswehraktion gäbe, würde das nichts bringen.“ Denn auf die Organisation der Veranstaltung habe der Stadtrat keinen Einfluss.

Stadt hat keinen Einfluss auf Organisation

Tatsächlich verweist die Stadt auf LVZ.de-Anfrage auf die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM), die wiederum als Veranstalter die Firma Bernd Hochmuth Veranstaltungsmanagement benennt. Hintergrund: Die Stadt hat die Organisation des Festes komplett an den privaten Veranstalter ausgelagert. Der Kontrolle von Stadtverwaltung oder Stadtrat ist es damit entzogen. Auf der Internetseite des Stadtfestes wirbt der Veranstalter mit dem Satz „Das Leipziger Stadtfest ist eine sich selbst finanzierende Veranstaltung.“ Für die Stadt ist das eine komfortable Situation: Einerseits kann sie den Leipzigern ein großes und buntes Bürgerfest mit einem breiten Programm bieten, hat aber andererseits keine finanziellen Verpflichtungen. Auch der Diskussion um die Rolle der Bundeswehr auf dem Fest kann sie sich mit dem Verweis auf den Veranstalter entziehen. „Man müsste das Ganze vertraglich anders gestalten, aber ich habe den Eindruck, die Stadt will das nicht“, sagt Linkenpolitiker Pellmann dazu.

Veranstalter versteht Kritik nicht

Die vertraglichen Vereinbarungen zwischen der Agentur von Bernd Hochmuth und der Bundeswehr bleiben dagegen im Dunkeln. Auf Anfrage wollte der Veranstalter dazu keine Auskunft geben. Bisher habe ihn aber auch keinerlei Kritik zum Thema Bundeswehr auf dem Stadtfest erreicht. Dass deren Präsenz polarisiert, kann er indes nicht verstehen: „Für mich ist die Bundeswehr ein ganz normaler Arbeitgeber“, so Hochmuth.

Der Truppe habe bei ihm angefragt und sei so Promotionspartner geworden. Für das Stadtfest entständen damit viele Vorteile. „Mit Hilfe der Bundeswehr kommen sehr attraktive Musiker auf das Stadtfest“, so der Veranstalter. Ob diese die Künstler gleich im Paket selber mit bringt oder sie über Hochmuth gebucht werden, bleibt allerdings unklar.

Laut Veranstalter könnten durch das Engagement des Militärs aber auch soziale Projekte auf dem Bürgerfest finanziert werden. Grundsätzlich finden sich laut Hochmuth alle gesellschaftlichen Gruppen auf dem Stadtfest wieder. Der Veranstalter betont außerdem: „Seit 1992 kriegen wir kein Geld von der Stadt. Alle finanziellen Mittel müssen wir selber einsammeln.“

Kritik an der Bundeswehr auf dem Stadtfest kann auch Uwe Rothkegel, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat, nicht nach vollziehen. Für ihn ist die Bundeswehr „ein wesentlicher Bestandteil der Gesellschaft.“ Deren Präsenz am Wochenende in der Innenstadt sei „völlig richtig.“

Für Freitag und Samstag hat das Bündnis „Leipzig gegen Krieg“ auf seiner Internetseite zu einer Mahnwache gegen das Bundeswehr-Engagement aufgerufen. Auch für die Linksfraktion ist das Kapitel noch nicht beendet. „Das wurde im Nachgang immer wieder diskutiert. Wir werden auch dieses Jahr nachhaken“, kündigt Pellmann an.

Lucas Grothe

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