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Lokales Stadtrat stimmt Verkauf der Red-Bull-Arena an RB Leipzig zu
Leipzig Lokales Stadtrat stimmt Verkauf der Red-Bull-Arena an RB Leipzig zu
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23:42 18.10.2017
Der Leipziger Stadtrat hat dem Verkauf der Red-Bull-Arena zugestimmt. Quelle: Robert Nößler
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Leipzig

Es hat lange gedauert, doch jetzt stehen Red Bull und Rasenballsport vor dem Erwerb der Stadionbetreibergesellschaft. Der Leipziger Stadtrat stimmte am Mittwochabend mit großer Mehrheit (eine Gegenstimme, eine Enthaltung) dem Kauf des Stadions durch RB Leipzig zu. Der Bund muss dem Deal noch zustimmen, dann steht dem Ausbau der Red-Bull-Arena nichts mehr im Wege. Was das bedeutet und welche Klauseln und Klippen dabei zu beachten waren, erklären unsere Fragen und Antworten.

Wer verkauft und wer kauft das Stadion?

Eigentümer des Stadions ist die Zentralstadion Leipzig GmbH – Besitzgesellschaft. Alle Anteile daran hält die EMKA Immobilienbeteiligungs GmbH, hinter der Michael Kölmel seht. Die Gesellschafteranteile kauft nun die Red Bull GmbH aus Fuschl am See zu 94 Prozent und der RasenBallsport Leipzig e.V. zu 6 Prozent. Im Kern wird also nicht das Stadion verkauft, sondern die Anteile an der Besitzgesellschaft.

Wie viel bezahlt RB für den Kauf?

Genaue Summen nennen weder RB noch Kölmel. Auch die Stadt hält sich bedeckt und veröffentlicht die sensiblen Vertragsdetails nicht. Insider haben in der Vergangenheit stets von einem Preis in Höhe von 70 Millionen Euro gesprochen. Kölmel betonte im vergangenen Jahr: „Es wäre blöd, wenn man aus so einem Projekt ohne Gewinn herausgehen würde.“

Warum stückelt RB die Anteile?

Dafür dürften vor allem steuerrechtliche Gründe eine Rolle spielen. Vereinfacht gesprochen: Wenn die übernommenen Gesellschafteranteile unter 95 Prozent liegen, dann muss für die darüber miterworbenen Immobilien keine Grunderwerbssteuer gezahlt werden. Der Steuersatz liegt in Sachsen bei 3,5 Prozent. RB spart so 2,45 Millionen Euro Grunderwerbssteuer. Eine Quotelung von 94:6 Prozent ist bei derartigen Geschäften durchaus üblich.

Wer muss dem Geschäft zustimmen?

Ein Mitspracherecht haben die Stadt Leipzig und das Bundesinnenministerium. Diese beiden Seiten müssen den Deal abnicken. Das hat mit Fördermitteln Anfang der 2000er Jahre zu tun, die Kölmel beim Bau des neuen Stadions verwenden konnte. Der Bund hatte umgerechnet 51 Millionen Euro, die Stadt Leipzig 21 Millionen Euro beigesteuert.

Hat die Stadt das Stadion für alle Zeit aus der Hand gegeben?

Nein, hat sie nicht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die Arena zurückzuerlangen. Über Klauseln, Jahreszahlen und Bedingungen haben RB und die Kommune im Vorfeld kräftig gerungen.

Vereinbart wurden im Kern folgende Regelungen: Sollte die Besitzgesellschaft ab 2040 die Nutzung als Fußball-Stadion beenden wollen, wird der Kommune ein zeitlich befristetes Sonderwiederkaufsrecht ohne Anrechnung von Grund- und Bodenwert eingeräumt.

Mit anderen Worten: Die Stadt kann das Stadion in 23 Jahren zum Verkehrswert zurückerlangen. Für das Grundstück müsste Leipzig nichts bezahlen. Sie hatte es seinerzeit Kölmel wegen der hohen Investitionen am Stadion ebenfalls kostenlos überlassen. Es bestehen zudem weitere Rücknahmevarianten, die allerdings an Sonderbedingungen, wie der Insolvenz der Betreibergesellschaft gekoppelt sind.

Kann die Stadt bei Änderungen des Stadionnamens mitreden?

Ja und Nein. Die Namensrechte stehen der Besitzgesellschaft zu. Bei Änderungen ist das Einverständnis der Stadt notwendig. Eine Zustimmung darf aber nur „aus wichtigem Grund“ verweigert werden. Das wäre der Fall, wenn der Name das Ansehen der Stadt beschädigt, gegen die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten verstößt.

Was hat RB mit dem Stadion vor?

Nach jetziger Planung will RB das Stadion im kommenden Sommer ausbauen und die Sitzplatzanzahl auf zunächst rund 50.000 erweitern. Ein weiterer Ausbau auf 57.000 Plätze wird geprüft. Vor allem sollen aber die einnahmeträchtigen VIP-Logen erweitert werden. Für die Fans wird über einen Stehplatzbereich nachgedacht.

Von Matthias Roth

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