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Lokales Stadtrat stimmt über die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Karl Binding ab
Leipzig Lokales Stadtrat stimmt über die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Karl Binding ab
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14:52 14.04.2010
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Leipzig

Die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft wird mit der Beteiligung Karl Bindings an der postum im Jahre 1920 – gemeinsam mit dem Psychiater Alfred Hoche- erschienenen Schrift „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens. Ihr Maß und ihre Form“ begründet. Diese Schrift bietet unter anderem juristische und psychiatrische Rechtfertigungen, schwer kranke und behinderte Menschen zu töten. Erstmals wurde in dieser Publikation der Begriff „unwertes Leben“ mit dem Vorschlag der „Freigabe der Vernichtung“ verbunden.

„Da Karl Binding 1920 schon verstorben war, kann er mit den Verbrechen zwischen 1933 und 1945 nicht direkt in Verbindung gebracht werden“, erklärt Sozial-Bürgermeister Thomas Fabian (SPD). Doch er schränkt ein: „Bei der Entscheidung zur Aberkennung muss aber der Fakt, dass die Schrift als Grundlage für die massenhafte ‚Vernichtung’ behinderter Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus herangezogen wurde, berücksichtigt werden.“  Außerdem habe der Rechtsgelehrte auch die damals geltenden ethischen Grenzen überschritten.

Dass Karl Binding überhaupt noch in der Liste der Ehrenbürger steht, bemerkten die  Vereine der Psychiatrie-Betroffenen. Bei den Bemühungen um den Gedenkort für die Opfer der Kindereuthanasie-Verbrechen im Friedenspark, der bis zum 30. Oktober 2010 fertig sein soll, fiel die Personalie Binding auf, so eine Stadtsprecherin.  Allein in der so genannten Kindertötungseinrichtung der Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen sind für den Zeitraum zwischen Oktober 1940 und Dezember 1943 insgesamt 551 Tötungen belegt.

Mit der Aberkennung der Ehrenbürgerschaft möchte sich die Stadt symbolisch von Karl Binding und dessen Werk distanzieren, juristisch ist sie jedoch nicht relevant. Eine Ehrenbürgerschaft erlischt mit dem Tod ihres Trägers, Binding ist bereits vor 90 Jahren verstorben. Er ist allerdings nicht der Erste dem diese Würde posthum aberkannt wird. Der Leipziger Stadtrat hat bereits in fünf Fällen eine Ehrenbürgerschaft nach dem Tod des Trägers entzogen. So beschloss der Stadtrat 1990 den Nationalsozialisten Adolf Hitler, Hans Frank und Wilhelm Frick aber auch dem ehemaligen Reichskanzler Paul Hindenburg und DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen.

Formal hat die Stadt Leipzig derzeit nur drei Ehrenbürger: Dirigent Kurt Masur, Schriftsteller Erich Loest und der ehemalige Oberbürgermeister Hinrich Lehmann Grube. Alle weiteren Träger sind bereits verstorben. Allerdings bekommen in Leipzig, anders als in anderen Städten, die Ehrenbürger keine Privilegien, wie freier Eintritt in die Stadtbäder. Seit dem Leipzig 1832 das Recht verliehen bekam, verdiente Bürger zu Ehrenbürgern zu ernennen, erhielten, abzüglich der Aberkennungen, 82 Personen diese Auszeichnung. Leipzig wartet dabei immer noch auf die erste weibliche Ehrenbürgerin.

Florian Ibrügger

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