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Stadtrat streitet über Bildung in Leipzig - Jung fordert 30 Millionen Euro pro Jahr für Schulen

Stadtrat streitet über Bildung in Leipzig - Jung fordert 30 Millionen Euro pro Jahr für Schulen

Leipzig. Eine renommierte Universität, 40 Prozent Abiturienten pro Jahrgang - aber auch rund 15 Prozent Abgänger ohne Abschluss und 570 Millionen Euro Investitionsstau bei den Sanierungen der Schulgebäude: Von diesen Gegensätzen ist Leipzigs Bildungslandschaft geprägt.

Zum ersten Mal nutzte der Leipziger Stadtrat am Mittwoch eine "bildungspolitsche Stunde" für eine kritische Gesamtschau. Kernfrage: Wie kann die Stadt helfen, Kindern aus allen Schichten zum Erfolg zu verhelfen?

Die Rate der Schulabbrecher bezeichnete Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) als bildungspolitischen Skandal. Er appellierte an eine "Verantwortungsgemeinschaft" von Kommune und Freistaat, Erziehern und Eltern, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Statt zu jammern, müsse die Stadt das Mögliche tun. Auf absehbare Zeit fehlen in Leipzig Schulen für die kommenden geburtenstarken Jahrgänge. Und so prangerte Michael Burgkhardt von der Bürgerfraktion die falsche Schulnetzplanung an, forderte auch die SPD-Fraktion einen schnelle Überarbeitung, damit das Geld im Haushalt eingeplant werde.

"Wir müssen vereinbaren, wieviel Geld wir für unsere Schulen ausgeben", hatte auch Jung in seiner Grundsatzrede gesagt. Als Summe schlug der Oberbürgermeister für die nächsten zehn Jahre jeweils 30 Millionen Euro vor. Auf der Haben-Seite verbuchte er in Leipzigs Bildungslandschaft die Entwicklung von Ganztagsangeboten gemeinsam mit der Bildungsagentur, das Bibliotheken-Netz und Angebote wie das Schulbiologiezentrum.

Wie stark derzeit Einkommen und Bildungsgrad der Eltern den Schulerfolg Leipziger Kinder bestimmen, rückte Die Linke ins Licht. Fraktionsvorsitzende Ilse Lauter betonte, dass dort, wo die meisten Kinder auf Sozialleistungen angewiesen sind, die wenigsten eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium erhielten. Das Bildungs- und Teilhabepaket sei ein Anfang. Anträge für rund 1400 Kinder lägen in den Jobcentern derzeit vor, sagte Sozialbürgermeister Fabian später. Lauter forderte darüber hinaus Netzwerke von der Kita bis zum Sportverein, um "Bildung vom sozialen Status des Elternhauses zu entkoppeln".

Ute Köhler-Siegel von der SPD richtete ihr Augenmerk auf die Mittelschulen, forderte hier flächendeckend Schulsozialarbeiter. Die sollen ermöglichen, dass Ganztagsangebote und Nachmittagsbetreuung die Kinder auffangen, für die nach der Grundschule plötzlich die Hortbetreuung wegfällt: "Beim Übergang von der Grundschule in die Mittelschule entstehen Brüche im sozialen Miteinander", sagte sie. Insgesamt betrachtete sie den Wechsel aus der vierten Klasse zu den weiterführenden Schulen als zu früh. Katharina Krefft von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hält Gemeinschaftsschulen wie die Nachbarschaftsschule in Lindenau als beste Form, um Bildungserfolge für alle Kinder zu erreichen.

Von der Warte der Erzieher näherte sich die FDP dem Problemfeld: Arnd Besser appellierte, attraktive Bedingungen zu schaffen, damit sich Erzieher nicht im bundesweiten Wettbewerb um Arbeitskräfte aus Leipzig verabschieden. "Dann droht die Gefahr der Überalterung", sagte er. Die Sanierung von Kitas schaffe ein attraktives Arbeitsumfeld, und das könne auch mit der Beteiligung privater Investoren - durch Contracting - geschaffen werden. In diese Richtung argumentierte auch Stefan Billig von der CDU-Fraktion im Stadtrat.

Leipzig beteiligt sich mit insgesamt 40 anderen Städten an der vom Bund geförderten Initiative "Lernen vor Ort", die Kommunen ermöglichen soll, ein ganzheitliches Management der Zukunftsaufgabe "lebenslanges Lernen" auf den Weg zu bringen. Der menschliche Geist, so Jung, sei der wichtigste Rohstoff: "Wir haben nur das, was zwischen unseren Ohren ist."

Evelyn ter Vehn

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