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Lokales Stadtrat vor Entscheidung zur Linie 9 – Linke fordern neuen Nahverkehrsplan
Leipzig Lokales Stadtrat vor Entscheidung zur Linie 9 – Linke fordern neuen Nahverkehrsplan
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00:33 23.10.2015
Die Linie 9 in Markkleeberg – die Gleiskreuzung an der Rathenaustraße soll künftig verschwinden. Die Straßenbahn wird durch einen Bus ersetzt.   Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Irgendwie ist es ja längst beschlossen: Im September hat der Stadtrat den Weiterbetrieb der Linie 9 vom Connewitzer Kreuz nach Markkleeberg abgelehnt (die LVZ berichtete). Hintergrund: Der Streckenabschnitt wird mit dem Fahrplanwechsel durch die Buslinie 70 ersetzt, die alle zehn Minuten im bisherigen Linienverlauf fahren soll. Landkreis Leipzig und Stadt Markkleeberg bezahlen den Betrieb der Straßenbahn nicht mehr, haben sie quasi abbestellt. Der Leipziger Stadtrat verlangte konkrete Daten und zumindest, vor der Entscheidung über Änderungen im ÖPNV-Netz keine vollendeten Tatsachen zu schaffen. Die Debatte steht nun auf der nächsten Tagung am 28. Oktober an. Und die Verwaltung hat zumindest Zahlen geliefert: Seit Eröffnung des City-Tunnels im Dezember 2013 verlor die Linie auf der Strecke zwischen Leipzig und Markkleeberg 25 Prozent der Fahrgäste. Der Erhalt der Straßenbahninfrastruktur sei daher „nicht mehr zu rechtfertigen“, heißt es in dem Papier für den Rat. Der kurzfristige Investitionsbedarf, um die komplette Strecke zu erhalten, würde in den kommenden fünf Jahren bei 13,1 Millionen Euro liegen. Die Konsequenz: Die Linie 9 fährt ab 28. November zum S-Bahnhof Connewitz, die Linie 70 wird bis Markkleeberg verlängert – damit sind der Wildpark sowie das zu Leipzig gehörende Wohngebiet „Am Wolfswinkel“ angeschlossen. Was einzelnen Stadträten aufstößt: Eine Variante, wie die Straßenbahn auf Leipziger Gebiet erhalten werden könnte, wurde gar nicht erst untersucht.

Was wird aus der Option, wie von Leipzigern in einer Petition gefordert, die Bahnlinie perspektivisch bis hin zum Cospudener See zu verlängern? Bereits im Dezember 2015 soll eine Firma im Auftrag der Deutschen Bahn die Gleiskreuzung in der Rathausstraße in Markkleeberg demontieren. Eine Verlängerung der Strecke ist damit nicht mehr möglich. Also doch vollendete Tatsachen? „Auf Bitten der Stadt Markkleeberg haben wir langfristig begonnen, die Planungen aufzunehmen“, sagt Marc Backhaus, Sprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), auf LVZ-Nachfrage. Markkleeberg wolle den Bereich an der Bahnhofsstraße umgestalten, die LVB sie verpflichtet, nicht mehr genutzte Anlagen wie Stromleitungen rückzubauen. Die DB Netz hat daraufhin einen möglichen Rückbau für Dezember vorgeschlagen, weil sie ihre Strecke sperren muss.

Die Gleise zwischen Connewitz und Forsthaus Raschwitz bleiben aber drin. Bevor die wegkommen, muss der Leipziger Stadtrat quasi die Weichen stellen. Seit den 1990er Jahren gab es an den Gleisen nur Notreparaturen. Sie sind so verschlissen, heißt es intern, dass sie bei einer Wiederinbetriebnahme und möglichen Verlängerung der Straßenbahn Richtung Cospudener See ohnehin ausgewechselt werden müssten. Das ist aber Zukunftsmusik, die der Rat in einem neuen Nahverkehrsplan klären müsste. Dessen Fortschreibung mit breiter Beteiligung der Öffentlichkeit – beispielsweise in Workshops – fordern die Linken in einem Stadtratsantrag ein. Die letzte Korrektur stammt aus dem Jahre 2007 – seitdem haben sich die Rahmenbedingungen in Leipzig erheblich verändert. Mehr Schülerverkehr, eine wachsende Stadt, eine älter werdende Bevölkerung, aber auch zusätzliche Angebote durch die S-Bahn sind da Stichworte. Die Stadt müsse sich auch hinsichtlich der Finanzierung, so die Linken, zu ihrer Verantwortung bekennen, einen leistungsfähigen Nahverkehr anzubieten. Eine erste Änderung haben die LVB bereits vor: So wird ab 28. November an Samstagen zwischen 10 und 18 Uhr auf allen Straßenbahnlinien (außer Linie 14) ein 10-Minuten-Takt eingeführt.

Von Mathias Orbeck

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