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Lokales Stadtschülerrat klagt an: Bröckelnde Fassade, übler Geruch
Leipzig Lokales Stadtschülerrat klagt an: Bröckelnde Fassade, übler Geruch
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00:39 13.04.2018
Tina Trompter und Johannes Gosch vom Stadtschülerrat wollen den baulichen Zustand der Georg-Schumann-Oberschule nicht mehr länger so hinnehmen. Sie fordern eine schnelle Sanierung der Bildungseinrichtung. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Den Finger in die Wunde legen Johannes Gosch und Tina Trompter in diesen Tagen. Er, Vorstandsvorsitzender des Stadtschülerrates Leipzig. Sie, eine von zehn Landesdelegierten im sächsischen Landesschülerrat. Gemeinsam machen sie die Öffentlichkeit auf den maroden baulichen Zustand der Georg-Schumann-Oberschule im Zentrum-Südost aufmerksam, in der aktuell rund 400 Schüler in 19 Klassen unterrichtet werden.

Einmal im Quartal besuchen Vertreter des Stadtschülerrates Bildungseinrichtungen der Stadt. Im Rahmen dieser Schultour besuchte die 17-jährige Tina Trompter die Oberschule an der Glockenstraße. Was sie dort zu sehen bekam, entsetzte sie. Allein der äußere Anblick der Schule rief Stirnrunzeln hervor. Im Inneren sieht es nicht besser aus. Der Putz bröckelt von der Decke, die Thermostate an den Heizungen funktionieren nicht oder fehlen ganz. „An Toiletten sind Türen aus den Angeln gerissen. Im gesamten Schulgebäude stinkt es“, erinnert sich die 17-Jährige an den Zustand, den sie vorfand. Im Gespräch mit den Klassensprechern der Bildungsstätte wurde deutlich: die baulichen Mängel belasten die Schüler. „In einer Schule muss ein gutes Lernumfeld herrschen“, bringt es Johannes Gosch auf den Punkt. Nach dem sucht man an der Georg-Schumann-Oberschule vergeblich.

Bröckelnde Fassade, Sanitäranlagen ohne Türen – der bauliche Zustand der Georg-Schumann-Oberschule im Leipziger Zentrum-Südost entsetzt. Bei einem Rundgang stellen Vertreter des Stadtschülerrates erhebliche Mängel fest und wenden sich damit an die Öffentlichkeit.

Für den Stadtschülerrat war schnell klar: Hier muss etwas passieren. Sie entschieden sich für den Gang an die Öffentlichkeit. „Die Georg-Schumann-Oberschule ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, in welchem schlechten Zustand Leipziger Schulen zum Teil sind“, so Gosch weiter. In der Verantwortung sieht der Vorsitzende die Stadt Leipzig als Träger der Bildungseinrichtung. „Dresden nimmt Geld in die Hand und baut. Leipzig wartet auf Fördergelder.“

Sanierung startet 2020/2021

Laut internen Planungsunterlagen sei eine Sanierung der Georg-Schumann-Oberschule bis zum Jahr 2023 vorgesehen. „Die Sanierung beginnt nach Lage der Dinge 2020/2021“, teilt Nicolas Tsapos, Leiter des Amtes Jugend, Familie und Bildung der Stadt Leipzig, mit. Zu spät, ist sich Johannes Gosch sicher. „Bis dahin gehen zu viele weitere Klassen ins Land.“ Tina Trompter ergänzt: „Ich glaube nicht, dass die Schule überhaupt so lange durchhält.“

Der Stadt ist der Zustand der Bildungseinrichtung bekannt. Von Seiten der Schule wurde in der Vergangenheit schon oft auf Mängel hingewiesen. „Diese wurden im Rahmen von Bauunterhaltungsmaßnahmen aufgenommen und zum Teil beseitigt“, erklärt Nicolas Tsapos. So wurde das Gebäude für eine Million Euro brandschutztechnisch ertüchtigt (2013 bis 2016). Außerdem Fenster in Höhe von 590 000 Euro erneuert. Vergangenes Jahr wurde ein Sanitärstrang für 270 000 Euro saniert sowie ein Erweiterungsbau mit acht allgemeinen Unterrichtsräumen, Lehrerzimmer, Sekretariat und sanitären Anlagen errichtet. Die Gesamtkosten lagen hier bei rund 2,1 Millionen Euro.

Das Schulgebäude wurde zudem in die städtische Haushaltsplanung aufgenommen. Bis Ende Juni soll die Entwurfsplanung fertiggestellt werden. Erst dann kann auf deren Grundlage ein Fördermittelantrag erstellt werden. Pläne für die Bildungseinrichtung an der Glockenstraße gibt es – und die führen zu einem ganz anderen Standort. Voraussichtlich im Schuljahr 2020/21 soll die Georg-Schumann-Oberschule in das sanierte Gebäude der ehemaligen Pablo-Neruda-Schule an den Franz-Campus umziehen. Hintergrund ist die Zugehörigkeit zum Deutsch-Französischen Bildungszentrum Leipzig. Der Standortwechsel ist aber erst möglich, wenn der Grundschulneubau in der Brüder-/Jablonowskistraße fertiggestellt ist. „Das sanierte Gebäude in der Glockenstraße wird dann für eine neue Oberschule genutzt werden“, berichtet Nicolas Tsapos.

Ein Beispiel für viele Fälle

Reaktionen auf ihren Gang an die Öffentlichkeit gab es keine, erzählen Tina Trompter und Johannes Gosch. „Stattdessen wurde die Schule für einen Tag geschlossen“, erzählt Tina Trompter. Das bestätigt Nicolas Tsapos. Allerdings geschah dies unabhängig der Kritik des Stadtschülerrates. „Grund war ein abgeplatzter Sandstein an der Außenfassade im Bereich des zweiten Rettungsweges am Ausgang Nürnberger Straße. Es wurde sofort die Errichtung eines Schutztunnels veranlasst. Da dies jedoch erst eine Tag später erfolgen konnte, wurde durch die Schulleitung die Sperrung des Gebäudes veranlasst, da an diesem Tag der erforderliche zweite Rettungsweg nicht genutzt werden konnte“, erklärt Tsapos. Zur Folge hatte das für die jüngeren Klassenstufen die Verlegung des Unterrichts im neu errichteten Erweiterungsbau. Die älteren Klassenstufen führten einen Hausarbeitstag durch.

Johannes Gosch wartet unterdessen auf die Rückmeldung der Schulleitung. Die erklärte sich zu einem Gespräch bereit. „Uns geht es nicht darum, die Schule und damit die Schulleitung an den Pranger zu stellen“, betont der 16-Jährige. Die Georg-Schumann-Oberschule dient hier nur als Beispiel für viele andere Problemfälle. „Unsere Intention war es, der Stadt endlich klarzumachen, dass wir als Leipziger Schülerschaft den aktuellen Kurs der Referate Bildung und Baumanagement nicht mehr länger hinnehmen wollen.“

Von Stephanie Helm

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