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Lokales Ständchen, Torte, Riesenschlange - Leipziger feiern den 327. Geburtstag von Bach
Leipzig Lokales Ständchen, Torte, Riesenschlange - Leipziger feiern den 327. Geburtstag von Bach
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09:39 13.10.2016
Zum Bürgerfest anlässlich des Bach-Geburtstages strömten am Mittwoch (21.3.2012) tausende Besucher in das Neue Rathaus in Leipzig. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Einen wahren Ansturm erlebte am Abend das große Bürgerfest im Neuen Rathaus, Tausende wollten sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Bereits am Vormittag sangen 1000 Schüler stimmgewaltig ein Ständchen zu Ehren des berühmten Kantors.

„Das ist wie vor einer Mathearbeit", findet Richard. Der Steppke rutscht in einer der vordersten Holzbänke der Thomaskirche aufgeregt hin und her. Notenblätter werden entfaltet, das Stimmengewirr ebbt ab. „Alles Gute zum Geburtstag wünschen wir Sebastian Bach", tönt es aus 1000 Kindermündern. Zum 327. Geburtstag des Komponisten sind Mädchen und Jungen aus Leipziger Schulen zusammengekommen, um dem ehemaligen Kantor der Thomaner ein Ständchen zu singen – einer der Höhepunkte der Festveranstaltungen rund um das 800. Jubiläum von Chor, Kirche und Schule.

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Ein Thomaner möchte Drittklässler Richard nicht werden. Lieber singt er die Songtexte der Band Culcha Candela. Doch auch mit der Musik von Johann Sebastian Bach hat er Erfahrungen gesammelt. Seit diesem Schuljahr werden er und seine Klassenkameraden in der Marienbrunner Grundschule von einer Opernsängerin unterrichtet. Mit ihr wird auch das Bach-Ständchen geprobt. Bereits am frühen Morgen treffen sich 400 Grundschüler verschiedener Einrichtungen in der Nikolaikirche. Mittags singen Grundschüler, Mittelschüler und Gymnasiasten dann zusammen in der Thomaskirche und bei strahlendem Sonnenschein draußen vor dem Bach-Denkmal.

Vor dem überlebensgroßen Geburtstagskind steht auch Jana Krauspe. Die Musiklehrerin unterrichtet Grundschüler an der Pablo-Neruda-Schule. „Leider gerät das Singen immer mehr in den Hintergrund", beklagt sie. In ihrer Klasse habe sich aber gezeigt, dass sich der Stimmumfang der Kinder durch den Musikunterricht in kurzer Zeit stark verbessert habe. Und Bach? „Der passt gut in den Sachunterricht, wo wir Leipzig damals und heute behandeln."

Nach dem großen Singen wird draußen eine Geburtstagstorte aus Schokolade und Marzipan angeschnitten. Unter den Gratulanten: Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), der Direktor des Bach-Archivs, Christoph Wolff, und Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff. Gemeinsam verteilen sie Kuchen und 1000 Leipziger Lärchen an Schüler und Passanten.

Gleich gegenüber lädt das Bach-Museum zum Tag der offenen Tür. „Für mich ist er der größte Komponist", schwärmt Helga Böhme, während sie ein Bild der Thomaner in der Ausstellung betrachtet. Ihre beiden Enkel singen selbst im Schulchor der Thomasschule. Heute sei sie wegen Bachs Geburtstag gekommen – zu einer der kostenlosen Führungen.

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Die Schlange vor dem Rathaus nimmt am Abend kein Ende, Tausende wollen hinein zum Bürgerfest. Die Erste bei Öffnung der Tore um 18.55 Uhr: Gerlinde Ecke aus Leipzig. „Ich bin neugierig und freue mich schon auf alles, was mit aktuellen und gewesenen Thomanern wie dem heutigen Ensemble Amarcord zusammenhängt", sagt sie. Gleich mehrfach Grund zur Freude hat Barbara-Christine Roy: „Das ist heute eine Art Hochfest für uns. Zum einen feiern Bach und mein Mann Peter heute sozusagen Doppelgeburtstag - wenn auch mit unterschiedlicher Anzahl von Jahren davor -, zum anderen bin ich sehr gespannt auf Begegnungen mit vielen Bekannten sowie alten und jungen Sängern."

Die jüngeren in persona der Thomaner lassen sich im aus allen Nähten platzenden Rathaus auch nicht lange bitten. Unter ihnen ein neuer Chorknabe: Burkhard Jung, im Hauptberuf Leipzigs Oberbürgermeister. Angekündigt von Moderatorin Mo Krüger als "Novum im Ensemble". "Natürlich habe ich mitgesungen und nicht nur die Lippen bewegt", sagt er später lachend. Der Thomaner neben ihm könne das bestätigen. Immerhin könne er auch Noten lesen und habe schon früher Tenor gesungen. Der riesigen Gästeschar verrät er in einem Kurz-Statement noch, dass er sich bereits kurz nach seiner Ankunft beim Weihnachtsoratorium 1991 "unsterblich in diesen Chor verliebt" habe.

Gefragt, ob er diesen Riesenansturm so erwartet habe, antwortet Jung kurz und knapp: "Ja!" Und die längere Version: Ihm sei schon klar gewesen, dass sehr viele Leute dieses Angebot nutzen wollen. Von Anfang an habe er eher Sorge gehabt, dass nicht alle reingelassen werden können. "Bei 2500 wäre aus Sicherheitsgründen Schluss", so das Stadtoberhaupt. Laut Mitarbeitern der Stadt ist diese Grenze am Mittwoch mit 2400 Besuchern nur knapp verfehlt worden.

Conrad Ziesch/Martin Pelzl

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