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Stalker in Leipzig vor Gericht: Frau nach Angriff fast blind

Stalker in Leipzig vor Gericht: Frau nach Angriff fast blind

Ein Stalker hat ihr Leben zerstört - und sie weiß bis heute nicht warum: Steffi E. (49) verlor fast ihr gesamtes Augenlicht, als ein Nachbar mit Schraubendreher und Messer über sie herfiel.

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René M. ist wegen einer Psychose nicht schuldfähig.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Gestern begann am Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Rene M. (31) - doch der ist wegen einer Psychose schuldunfähig.

Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als versuchten Totschlag. Seit Juli 2014 habe Rene M. die Familie verfolgt. "Es begann damit, dass an unsere Tür gespuckt und Schuhe geklaut wurden", berichtete Steffi E. vor Gericht. "Als wir ihn zur Rede stellten, beschimpfte er uns." Doch das war nichts - verglichen mit dem, was noch kommen sollte. Unter Tränen schilderte die gelernte Köchin, wie der unheimliche Mann ihrer Familie das Leben zur Hölle machte. So habe er sie mehrmals von ihrer Wohnung in der Paunsdorfer Klettenstraße bis zu ihrer Arbeitsstelle in der Torgauer Straße verfolgt und dort stundenlang gewartet. Auch ihr damals 14-jähriger Sohn sei von Rene M. verfolgt worden. Als der Schüler am 18. September zum Training gehen wollte, soll ihm Rene M. im Hofdurchgang von hinten eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen haben. "Die Familie war massiv verängstigt, veränderte ihren Tagesablauf", sagte Staatsanwalt Torsten Naumann.

Steffi E. zeigte den Nachbarn mehrmals an, doch der Terror nahm kein Ende. "Man hat uns empfohlen, so schnell wie möglich auszuziehen", so die Mutter. "Wir haben in Angst gelebt, mein Sohn hat sich in seinem ganzen Wesen verändert. Und wenn es nachts an der Tür klingelte, haben wir gar nicht mehr aufgemacht." Im September zog Steffi E. mit ihrem Sohn zu ihrer Tochter Kathrin E. (24). Doch sie musste noch mehrmals zurück in ihre alte Wohnung. Etwa am 17. Oktober 2014: Da lauerte ihr Rene M. im Treppenhaus auf, so Staatsanwalt Naumann, und drohte: "Wenn du noch mal die Bullen rufst, bringe ich dich um!" Genau eine Woche später, als Steffi E. einen Termin mit der Wohnungsverwaltung hatte, stürmte Rene M. vor dem Haus auf sie zu. Sie wollte noch ins Auto ihrer Tochter flüchten, schaffte es aber nicht mehr. Der Stalker riss sie zu Boden, stach laut Staatsanwaltschaft mit einem Schraubendreher in beide Augen der um Hilfe schreienden Frau. Dann habe er von ihr abgelassen, um die Tochter zu attackieren. Als dies nicht gelang, soll er aus seinem Rucksack ein Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge gezogen und wieder auf Steffi E. eingestochen haben. Nachbarn konnten den Angreifer überwältigen.

Steffi E. erlitt einen Schädelbruch, einen acht Zentimeter langen Stichkanal durch die Augenhöhle und eine Stichverletzung am Brustbein. Mehrfache Stiche in ihre Augäpfel haben das Sehvermögen nahezu zerstört. Nach bisher vier Operationen liegt es links bei knapp fünf, rechts bei 20 Prozent.

In dem seit gestern laufenden Prozess geht es in einem Sicherungsverfahren darum, ob der psychisch kranke Rene M. dauerhaft in der Psychiatrie, im Maßregelvollzug, unterzubringen ist. Verteidiger Stephan Bonell kritisierte Aussagen in der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft, wonach Rene M. klar gewesen sei, dass er seinem Opfer todbringende Wunden zufügt. Angesichts der Schuldunfähigkeit sei dies seinem Mandanten eben nicht klar gewesen, so Bonell. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.04.2015

Frank Döring

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