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Lokales Naturkundemuseum: Von Schockstarre ist nichts zu spüren
Leipzig Lokales Naturkundemuseum: Von Schockstarre ist nichts zu spüren
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12:47 22.01.2019
Naturkundemuseum am Goerdelerring in Leipzig. Quelle: André Kempner/Archiv
Leipzig

Die Spinne hängt etwas apathisch an der Fassade des Naturkundemuseums. Das bleibt vorerst in seinem Domizil am Goerdelerring. Wie berichtet, hat der Stadtrat die Pläne für einen Umzug in die Halle 7 der Baumwollspinnerei in Lindenau gestoppt – die Kosten von 37,5 Millionen für Ausbau und Ausstattung sind einfach nicht vertretbar. Von Schockstarre ist im Inneren des Museums aber dennoch nichts zu spüren. Obwohl dies nach jahrelangem Hin und Her sogar nachvollziehbar wäre.

Drei Standorte werden geprüft

„Wir wissen am besten, was für unsere Sammlung sinnvoll und notwendig ist. Wir haben zwei, drei Standorte im Fokus, die jetzt noch einmal geprüft werden“, sagt Museumschef Ronny Maik Leder, ohne ins Detail zu gehen. Natürlich: Gebäude wie das bisherige Domizil, der ehemalige Bowlingtreff am Leuschnerplatz oder das ehemalige Stadtbad stehen als Vorschläge im Raum. Eine große Debatte, wo noch eine Industriehalle oder Brachfläche frei ist, will Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) aber vermeiden.

Die CDU setzt sich für den Ausbau des bisherigen Standortes ein – der Antrag steht im Stadtrat am Mittwoch zur Debatte. Die Verwaltung bekennt sich zwar zu einem innovativen Museum, will sich aber auf einen Standort derzeit nicht festlegen – und dem Stadtrat 2019 einen Vorschlag unterbreiten, wie es weitergeht.

Leder will nach wie vor in die Champions League

Leder möchte nach wie vor mit den wertvollen Sammlungen seines Hauses in der Champions League spielen, mit einem modernen Museum weit über die Stadtgrenzen hinaus ausstrahlen. „Ich möchte das beste Naturkundemuseum Ostdeutschlands entwickeln – für unsere Stadt“, bleibt er optimistisch. Dabei habe das von ihm entwickelte Konzept Bestand. Das rückt den „Mammut von Borna“ sowie die Tiefseeexpedition, die der Leipziger Zoologie-Professor Karl Chun 1898 mit dem Forschungsschiff Valdivia startete, ins Blickfeld.

Ronny Maik Leder will mit dem Naturkundemuseum in der Champions League spielen. Quelle: André Kempner

Ab Frühjahr 2019 gibt es eine Erklärstrecke

Wer sich im alten Schulhaus umschaut, findet ein „Museum im Museum“ vor. Mit mehr als 50 000 Besuchern sind dort im Vorjahr mehr Leute gekommen – trotz beschränkter Zugänglichkeit. Mehr als 50 Besucher dürfen nicht gleichzeitig in die oberen Etagen der Dauerschau. Damit wird das Museum noch eine Weile leben müssen.

Derzeit ist dort die Sonderschau „Offenland – Sachsens Vogelwelt und Landwirtschaft“ zu sehen, die bis zur umzugsbedingten Schließung nach Lindenau stehen bleiben sollte. Doch daraus wird ja nun nichts. Daher wird sie im Frühjahr 2019 abgebaut. Klassische Sonderschauen wird es vorerst nicht geben. „Wir möchten eine Erklärstrecke für den Besucher anbieten, die in die Zukunft blickt und zeigt, wozu unser Haus in der Lage ist und welche Probleme auftauchen, wenn wir uns mit der Neudefinition eines Museums beschäftigen“, sagt Leder. Ziel sei es, die Leipziger in den Prozess einzubinden.

Tierpräparation steht im Fokus

Im Fokus wird dabei eine Schauwerkstatt stehen, die das Thema Tierpräparation beleuchtet. Bekanntlich besitzt das Museum einmalige Tierpräparate von Herman Ter Meer. Für die künftige Ausstellung plant Leder eine Installation aus Tierkörpern aller Größen, aller Spezies, aller Gattungen, die es weltweit so noch nie gegeben hat. Tierpräparator René Diebitz, der noch in diesem Jahr Verstärkung bekommt, soll zeigen, was er fachlich und handwerklich leisten kann. So kehren zwei Tiergruppen aus Berlin zurück, die am Goerdelerring restauriert werden. Sie stammen ursprünglich aus dem Zoologischen Museum der Universität Leipzig, dessen Sammlungen im Naturkundemuseum „aufgegangen“ sind.

Es besitzt aber auch wertvolle Präparate, die Eduard Poeppig (1798-1868) während seiner großen Amerikareise gesammelt hat. Das Naturkundemuseum bewahrt mit insgesamt 232 seiner Präparate die größte Kollektion weltweit. Die bekommen nun einen eigenen Raum.

Forschung im Museum läuft weiter

Trotz Ungewissheit über den künftigen Standort wird im Museum geforscht, werden die Sammlungen bearbeitet und digitalisiert. Und es gibt Zuwachs: „Wir konnten einige große Sammlungen übernehmen, darunter Schmetterlinge und Käfer. Und sind dabei, eine der bedeutendsten Fossil-Sammlungen aus Privathand zu erwerben“, sagt der Direktor. Das sei aber nur durch die finanzielle Unterstützung einer Stiftung möglich. „Allein diese Sammlung rechtfertigt ein Museum.“

Zentraldepot für Museen im Gespräch

Wo wird das alles untergebracht? Auf der Alten Messe wird gerade der ehemalige Sowjetische Pavillon als neues Stadtarchiv ausgebaut. Dort entstehen auch Flächen, die dieses erst nach 2030 und später benötigt. Deshalb wird geprüft, hieß es im Stadtrat, ob städtische Museen Flächen als Zentraldepot und für Werkstätten nutzen können. Wäre das auch eine Option fürs Naturkundemuseum? „Für uns ist das schwierig, weil wir Labore und Arbeitsplätze für Mitarbeiter brauchen“, sagt Leder auf LVZ-Nachfrage? „Wir wollen die optimale Lösung finden.“

Von Mathias Orbeck

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