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Lokales Starkes Wachstum der Einwohner-Zahlen: Leipzig bekommt jetzt einen Speckgürtel
Leipzig Lokales Starkes Wachstum der Einwohner-Zahlen: Leipzig bekommt jetzt einen Speckgürtel
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00:18 20.06.2016
 Umzug in den Speckgürtel von Leipzig – das kommt immer häufiger vor.   Quelle: LVZ-Archiv/Volkmar Heinz
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Leipzig

Rings um die boomende Messestadt hat sich in den vergangenen fünf Jahren ein Speckgürtel herausgebildet. Besonders Taucha (6,5 Prozent), Schkeuditz (2,75 Prozent) und Markranstädt (2,4 Prozent) legten bei den Einwohnerzahlen deutlich zu. Aber auch Städte im Südraum wie Markleeberg und Rötha konnten ein Plus von mehr als zwei Prozent erzielen.

In den Jahren 2005 bis 2010 gab es rings um Leipzig nur Schrumpfungsgebiete, stellen Wissenschaftler vom hiesigen Leibnitz-Institut für Länderkunde sowie dem Umweltforschungszentrum (UFZ) in einer aktuellen Studie fest. Von 2011 bis 2015 habe Leipzig jedoch fast zehn Prozent an Einwohnern hinzugewonnen. „Das strahlt natürlich auf die stadtnahen Gebiete besonders stark aus“, sagt Tim Leibert vom Leibnitz-Institut. Weiter entfernte Gegenden würden auch künftig erheblich an Einwohnern verlieren. Zum Beispiel büßten Colditz, Dahlen, Elstertrebnitz, Kohren-Sahlis, Liebschützberg und Mügeln seit 2011 jeweils mehr als fünf Prozent der Bewohnerschaft ein. „Für Sachsen insgesamt ist die Schrumpfung längerfristig nicht aufzuhalten“, erläutert Leibert. „Das folgt schon aus der Schieflage in der Altersstruktur durch den Geburtenknick und eine massive Abwanderung junger Leute nach der Wende.“

Durch das Schwarmverhalten der jungen Leute werde das Ausdünnen ländlicher Regionen noch verstärkt, meint Professor Harald Simons vom Forschungsinstitut Empirica AG. Vor allem die 15- bis 34-Jährigen ziehe es in die Metropolen, weshalb seit 2011 auch Dresden (4,9 Prozent), Chemnitz (3,5 Prozent) oder Halle (2,3 Prozent) zulegen konnten. „Leipzig ist und bleibt aber die Schwarmstadt Nummer 1 in Deutschland“, sagt Simons. „Hier war der Zuzug in den letzten Jahren so enorm, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einer Junge-Leute-Party einen gebürtigen Leipziger anzusprechen, nur noch bei etwa 25 Prozent liegt. Das heißt konkret: Einer von vier Versuchen funktioniert.“

In den sogenannten Quellgebieten, wo diese Jugendlichen aufgewachsen sind, falle die Zahl der 15- bis 34-Jährigen indes unablässig. „In den für Leipzig entscheidenden Quellgebieten – also ganz Sachsen sowie Teile von Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen – lebten 1998 noch knapp zwei Millionen Jugendliche. Heute sind es nur noch 1,3 Millionen“, so der Professor. Da in Sachsen mit Leipzig und Dresden gleich zwei Schwarmstädte um ein nahezu identisches Quellgebiet konkurrierten, seien die Auswirkungen für abgelegene Regionen wie die Lausitz besonders dramatisch. Nächste Woche sollen dazu die Ergebnisse einer Untersuchung vorgestellt werden, die Empirica im Auftrag von Wohnungsunternehmen und der Sächsischen Aufbaubank erstellte.

Zwar sei die Schrumpfung im ländlichen Raum durch die gleichmäßige Verteilung von Flüchtlingen in den beiden letzten Jahren vermindert worden, erklärt Professor Dieter Rink vom UFZ. „Inzwischen nehmen die Zuweisungen wieder ab und die Zukunft bei diesem Thema lässt sich kaum prognostizieren.“ Der Wohnungsleerstand in vielen Dörfern oder Städten wie Görlitz, Hoyerswerda, Wittenberg und Dessau steige. „Dort kann man vernünftigerweise aber kaum noch Häuser abreißen, weil sich die Leerstände entweder im Stadtzentrum oder in Häusern befinden, die bereits saniert wurden. Deshalb denken wir über neue Modelle von Stilllegungen nach.“

Von Jens Rometsch

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