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Starkregen in Bosnien-Herzegowina: Angst vor Minen und Erdrutschen in Leipzig Partnerstadt

Starkregen in Bosnien-Herzegowina: Angst vor Minen und Erdrutschen in Leipzig Partnerstadt

Starke Regenfälle in Bosnien-Herzegowina hatten vorigen Freitag Leipzigs Partnerstadt Travnik überschwemmt. Wie berichtet, standen allein im dortigen Vereinsbüro Wasser und Schlamm 1,50 Meter hoch.

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Der geflutete Leipzig-Pkw in Travnik.

Quelle: Azem Ejubovic

Leipzig. Starke Regenfälle in Bosnien-Herzegowina hatten vorigen Freitag Leipzigs Partnerstadt Travnik überschwemmt. Wie berichtet, standen allein im dortigen Vereinsbüro Wasser und Schlamm 1,50 Meter hoch. "Die Angst vor Seuchen geht bei uns gerade ebenso um wie vor freigespülten Minen", berichtet der Bürochef gegenüber der LVZ.

"Inzwischen hat sich das Nass aus unseren Straßen zurückgezogen, Strom und Trinkwasser, die drei Tage weg waren, sind heute wieder da", so Leipzigs Vor-Ort-Büroleiter Azem Ejubovic am Dienstag am Telefon.

44 Jahre wurde er an diesem Dienstag. Eine Feier? Nein, die gebe es nicht, so Ejubovic. "In ganz Bosnien ist heute Trauertag wegen der Toten, die das Unwetter gekostet hat!", erklärte er. In Travnik selbst sei glücklicherweise niemand zu Schaden gekommen. Nichtsdestotrotz ringe die Bevölkerung jetzt mit den Folgen: Straßenschäden, zerstörtes Mobiliar , kaputte Haustechnik in Erdgeschossräumen - "Das einzig Gute an der Situation ist jetzt, dass alle mal ihre Vorbehalte fallen lassen und zusammenstehen - ob nun Serbe, Kroate, Bosnier. Ganz gleich welcher Religion anhängig", meinte Ejubovic und fügte fix hinzu: "Übrigens - andere Regionen, vor allem in Mittel- und Nordbosnien, hat es viel schlimmer getroffen." Sehr sorgen würden sich da alle um die vielen kleinen Dörfer, die in den Gebirgshängen befanden.

"Keine 30 Kilometer von uns weg, die Dörfer unserer Nachbarstadt Zenica - sie sind entweder abgerutscht und unter Schlammmassen begraben oder jetzt von den instabilen Hängen bedroht", sagt Ejubovic. Tragisch sei auch, dass humanitäre Hilfe wegen zerstörter Straßen nicht immer vor Ort kann; dass die abgezogenen Fluten immer wieder Kadaver von Haustieren freigeben. Viele Menschen halten sich hier ja Ziegen, Schafe, Kühe. "Die Angst vor Seuchen geht bei uns gerade ebenso um wie vor freigespülten Minen", so der Bürochef. Denn auch in den Bergen rund um das im Tal gelegene Travnik waren diese Überbleibsel des zurückliegenden Bürgerkriegs noch en masse vergraben. Als Teilnehmer der Leipziger Bürgerreise vorigen Mai zu Gast weilten, leiteten kundige Einheimische lediglich auf freigeräumten Wanderwegen durchs Gebirge mit der Mahnung, die ja nicht zu verlassen.

Michael Weichert, der Vorsitzende des Vereins Leipzig-Travnik, ist zugleich Honorarkonsul von Bosnien und Herzegowina, lobte am Dienstag generell das umsichtige Handeln der Regierung. "Unbürokratisch wurden zum Beispiel die Grenzen aufgemacht, um Helfer vor Ort zu lassen. Und man muss auch sagen, dass seitens der Nachbarländer, einschließlich Deutschland mit Bundeswehr und THW, Hilfe schnell angelaufen ist", so Weichert. Da zwischen Sachsen und Bosnien-Herzegowina mittlerweile eine Zusammenarbeit der Länderparlamente besteht, will Weichert, überdies in Dresden für die Grünen im Landtag sitzend, jetzt auch eine Expertengruppe mitinitiieren. "Wenn man an die Leipziger und sächsischen Erfahrungen von 2002 und 2013 denkt - da haben wir inzwischen viel Kompetenz in Sachen Hochwasserschutz erworben", meinte er. "Wir streben daher jetzt eine Kooperation mit den bosnischen Verantwortlichen an, damit man auch dort künftig besser gegen Starkwetter-Ereignisse gewappnet ist."

Der Verein Leipzig-Travnik indes betonte Dienstag nochmals, die geplante Bürgerreise (28. Mai bis 1. Juni; Anmeldung unter 0172 7978660) unbedingt antreten zu wollen. Am liebsten mit einem Spendenscheck im Gepäck - in der Partnerstadt gibt es jetzt viel zu reparieren.

Konto: Leipzig-Travnik e.V., IBAN: DE08 8605559211000481555, Zweck: Hochwasser Travnik.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.05.2014

Raulien, Angelika

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