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Lokales Start für Umbau der Philippuskirche in Leipzig-Lindenau zum Integrationshotel
Leipzig Lokales Start für Umbau der Philippuskirche in Leipzig-Lindenau zum Integrationshotel
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21:21 09.08.2016
Vom Karl-Heine-Kanal aus betrachtet steht das Pfarrhaus rechts neben dem Kirchturm. Für das neue Hotel wird dort nun ein gläsernes Foyer samt Außenfahrstuhl angebaut. Quelle: Entwurf: Architekturbüro Domke
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Leipzig

 Vor ziemlich genau fünf Jahren wurde das Philippus-Projekt geboren. Damals entwarfen die Kirchgemeinde Lindenau-Plagwitz und das Leipziger Berufsbildungswerk (BBW) einen Plan, um das seit 2002 praktisch geschlossene Gotteshaus an der Aurelienstraße zu neuem Leben zu erwecken. „Einer der wichtigsten Punkte war von Anfang an die Idee, im früheren Pfarrhaus ein Integrationshotel einzurichten“, sagte BBW-Geschäftsführer Tobias Schmidt am Dienstag vor Ort. „Wir freuen uns alle sehr, nun den Umbau starten zu können.“ 4,2 Millionen Euro setze der Mitgliedsbetrieb des Diakonischen Werks dafür ein. Weitere 250.000 Euro steuere die Fernsehlotterie „Aktion Mensch“ bei.

Das Besondere an einem Integrationshotel seien die Mitarbeiter, so Philippus-Projektleiter Wolfgang Menz. „Unter den 15 Festanstellungen werden mindestens 40 Prozent Behinderte sein. Wir wollen allen Gästen zeigen, was diese Menschen leisten können.“ Allein das BBW bilde etwa 600 Jugendliche – meist Hör- und Sprachgeschädigte oder Lernbehinderte – in über 30 Berufen aus. „Wir würden es als schönen Erfolg ansehen, wenn zum Beispiel ein sehr guter Koch, der vielleicht taub ist, später von anderen Restaurants abgeworben wird.“

Ursprünglich sollten die Arbeiten an dem vierstöckigen Pfarrhaus schon vor vielen Monaten beginnen. Doch als der erste Bauantrag fertig war, kamen Bedenken auf, ob es nicht noch besser geht, berichtete Menz. Statt für die Barrierefreiheit innen einen Fahrstuhl-Schacht einzuziehen und außen eine Fluchttreppe aus Stahl anzudocken, habe sich die Geschäftsleitung schließlich für einen Vorschlag der Markkleeberger Architektin Christiane Domke entschieden, der an den Gesamtkosten nichts änderte. „An die Westseite des Pfarrhauses setzen wir neben den Eingang ein gläsernes Foyer und einen gläsernen Außenfahrstuhl. Dadurch werden die Eingriffe in den denkmalgeschützten Bestand auf ein Minimum verringert und zugleich Forderungen des Brandschutzes nach einem gesonderten Fluchtweg erfüllt“, erläuterte sie. Außerdem könnten die Gäste der 58 Betten in 29 Zimmern so bald vom Lift aus einen tollen Ausblick über den Karl-Heine-Kanal genießen.

Die Küche und weitere Wirtschaftsräume entstehen im Souterrain, welches alle vier Gebäude des 1907 bis 1910 errichteten Ensembles (Kirche, Glockenturm, Gemeindesaal und Pfarrhaus) miteinander verbindet. „Damit es in den Arbeitsräumen taghell ist, wird das Erdreich vor den Kellerfenstern ganz weggebaggert und durch eine Schräge ersetzt“, sagte Domke. Ende 2017 solle Leipzigs erstes Integrationshotel fertig sein. Das Philippus-Projekt lasse sich mit drei B-Worten zusammenfassen, betonte Menz: „Beherbergung, Bewirtung, Botschaft“. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer habe sich der (nicht mehr beheizbare) Kirchsaal längst in ein kulturelles Veranstaltungszentrum verwandelt, in dem auch häufig Hochzeiten und jeden letzten Freitag im Monat ein Gottesdienst stattfinden. „Diese Integration in den Stadtteil ist allen Beteiligten sehr wichtig. Das wird sich auch nicht ändern, wenn wir hoffentlich bald Fördermittel für erste Reparaturen im Kirchensaal erhalten.“ Über das Amt für Stadterneuerung seien dafür bereits Fördermittel avisiert.

Von Jens Rometsch

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