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Lokales Stefan Köster: "Wir wollen Ausgemeindung aktiv betreiben"
Leipzig Lokales Stefan Köster: "Wir wollen Ausgemeindung aktiv betreiben"
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21:29 09.10.2014
Der Leipziger Ortsteil Burghausen liegt am Elster-Saale-Kanals (vorn). (Archivfoto) Quelle: Wikipedia

Seine kantige Art, sein konsequentes Verhalten, unbequeme Themen in den Fokus zu rücken, findet offensichtlich Anklang bei den rund 4800 Einwohnern des Leipziger Ortsteils am Elster-Saale-Kanal.

Köster heimste bei den Wahlen zum Ortschaftsrat im Mai die mit Abstand meisten Stimmen (544) aller Kandidaten ein und trug damit wesentlich zum erfolgreichen Abschneiden der Sozialdemokraten (50,8 Prozent) bei. So verwunderte es nicht, dass Köster jüngst bei der Wahl des Ortsvorstehers ohne Gegenkandidaten blieb - und einstimmig wiedergewählt wurde. Selbstredend hatten sich auch die beiden CDU-Vertreter Gert Sachse und Sabine Fuchs für den alten und neuen Ortschef ausgesprochen. Zu dessen Stellvertreter machte das Gremium hiernach Hartmut Lühmann (SPD).

Und dann gab es noch eine Besonderheit bei der konstituierenden Sitzung des Burghausener Ortschaftsrates. Die Mitglieder wählten zusätzlich noch drei Bürger in das Gremium: Stefanie Kolb (Die Linke), Juliane Waggoner (FDP) und den scheidenden Stadtrat Bert Sander (Bündnis 90/Die Grünen). "Dies ist nach der Sächsischen Gemeindeordnung und nach der Hauptsatzung der Stadt Leipzig möglich", sagte Michael Leisner, der Leiter des Büros für Ratsangelegenheiten in der Leipziger Stadtverwaltung. Die drei Bürger hätten freilich kein Stimmrecht, könnten aber an nichtöffentlichen Sitzungen teilnehmen. "Ich verspreche mir durch das Hinzuziehen dieser ausgewiesenen Persönlichkeiten eine breitere Themenvielfalt, mehr Fachwissen und auch eine stärkere Legitimation gegenüber den Burghausenern, für die wir ja diese ehrenamtliche Arbeit machen", betonte Köster. Die Aufgaben würden ja in der neuen Wahlperiode nicht geringer.

Und sodann nahm sich der Ortschaftsratsvorsitzende die Damen und Herren im Neuen Rathaus zur Brust. "Wir nehmen es nicht hin, dass die Stadt ständig die Beschlüsse des Ortschaftsrates ignoriert und über unsere Köpfe hinweg entscheidet", haderte Köster mit der Verwaltung. So hätten er und andere erst aus der Zeitung erfahren, dass Leipzig erneut kommunales Eigentum der Bürger von Burghausen heimlich, still und leise verkaufen wolle. Betroffen seien das Doppelhaus in der Gundorfer Straße 6 sowie Grundstücke am Waldwinkel 6 und Am Dorfplatz/Ecke Bienitzstraße.

"Seit der Zwangseingemeindung im Jahr 2000 hat die Stadtverwaltung Burghausener Liegenschaften für rund 750 000 Euro veräußert, ohne dafür etwas in den Ort zu investieren, ohne dafür die Lebensqualität der Burghausener zu verbessern", kritisierte Köster. Zum Beispiel fordere der Ortschaftsrat seit Jahren, in der Miltitzer Straße zwischen Kanalbrücke und Löwen-Center eine Beleuchtung entlang des Rad- und Geh- weges zu installieren. "Gerade im bevorstehenden Winterhalbjahr, wo es zeitig dunkel wird, ist der Weg zum Einkaufszentrum vor allem für ältere Bürger und für Frauen eine Zumutung", sagte der Ortschef. Vom desolaten Zustand zahlreicher Straßen ganz zu schweigen. So verwundere es nicht, dass der Ruf nach Selbstständigkeit, die Burghausen seit 1839 besaß, immer lauter werde. "Wir wollen deshalb in den nächsten Jahren die Ausgemeindung aktiv betreiben, um wieder auf eigenen Füßen zu stehen und Burghausen voranzubringen", kündigte Köster an.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.10.2014

Günther Giessler

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