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Steindorff-Sammlung: Uni Leipzig übt harsche Kritik an der Rechtsprechung

Steindorff-Sammlung: Uni Leipzig übt harsche Kritik an der Rechtsprechung

Nach dem Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts, dass das Ägyptische Museum der Uni Leipzig die Steindorff-Sammlung verliert, herrschen an der Hochschule Enttäuschung und Fassungslosigkeit.

Leipzig. "Wir haben die Höchststrafe bekommen", sagte Kustos Dietrich Raue. Kein Vergleichsangebot, keine Möglichkeit zur Revision. Die Universität geht davon aus, dass die Jewish Claims Conference als neuer Eigentümer jetzt den Wert der Sammlung schätzen lässt. Danach bekomme man möglicherweise ein Angebot für den Rückkauf.

Kein Wort fällt darüber, in welcher Größenordnung sich der aktuelle Wert der 163 Exponate bewegt. Nie hätte man die Absicht gehabt, die Sammlung zu verkaufen, also habe man auch den Wert nicht ermittelt, sagte Museumsdirektor Hans-Werner Fischer-Elfert.

"Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen wegen dem Zeug", sagte Thomas Hemer, 88-jähriger Enkel des jüdischen Professors Georg Steindorff. Er nutzte kurz vor seiner Rückkehr in die USA noch einmal die Gelegenheit, öffentlich Einhelligkeit mit dem Anliegen der Leipziger Universität zu demonstrieren. In bewegenden Worten berichtete er von seinen persönlichen Verlusten: "Ich habe meine Heimat verloren, meine Familie ist weggegangen und als Asche wiedergekommen", sagte Hemer. Dennoch ließ er keinen Zweifel daran, dass sein Großvater die Sammlung in Leipzig habe sehen wollen.

Steindorff-Nachfahre meldete Ansprüche zu spät an

Bittere Ironie der Geschichte, dass Hemer als Steindorff-Nachfahre seinen Willen nicht durchsetzen kann. "Nach deutschen Recht ist Thomas Hemer nicht einmal Erbe der Sammlung, denn die ist ja damals verkauft worden", erklärte Raue. 1990 bis 1992 hätte Hemer die Chance gehabt, Entschädigungsansprüche bei der Bundesanstalt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen für die Sammlung anzumelden.

Hemer lebte damals wie heute in Nevada, erfuhr einfach nichts von dieser Möglichkeit. Nach dem Ablauf der gesetzlichen Frist vertritt die Jewish Claims Conference Ansprüche von Juden, die vom NS-Regime verfolgt und deren Eigentum geraubt worden war. 2007 meldete Thomas Hemer doch noch Restitutionsansprüche an - zu spät.

Vor Gericht ein Kampf auf verlorenem Posten

"Das Problem ist die deutsche Rechtsprechung", sagte Raue. Die Universität hätte beweisen müssen, "dass die Mit-Ursächlichkeit des Nationalsozialismus an dem Verkauf ausgeschlossen werden kann", referierte der Kustos. Aus seiner Sicht und nach Meinung von Hans-Werner Fischer-Elfert ein Kampf auf verlorenem Posten. "Hier vermischen sich Geschichts- und Rechtsphilosophie", kritisierte Fischer-Elfert. Und dann bricht sich die Enttäuschung wieder Bahn: "Steindorff kann von Glück sagen, dass er das nicht mehr erleben musste."

Moralischer Gewinn akribischer Studien

Fischer-Elfert würdigte die Anstrengungen seiner Mitarbeiter, die rund zehn Wochen lang Archive durchkämmt und sich Nächte um die Ohren geschlagen hätten, dennoch als moralischen Gewinn. So hat die Universität jetzt unter anderem Kenntnis über die Entschädigungsansprüche, die Steindorff selbst 1945 gestellt hat: Von Pensionsansprüchen, Copyrights und einem Bibliothekskatalog sei die Rede gewesen. Nie werde die Leipziger Sammlung genannt, und kein einziger Brief spreche davon, dass der Verkauf der Sammlung ein Unrecht gewesen sei.

Für die Ägyptologen steht fest: Steindorff gab seine Sammlung nicht zwangsweise an die Universität. Man habe alles getan, was nach mehr als 70 Jahren möglich gewesen sei, um das zu belegen. Kustos Dietrich Raue: "Aber das Gericht wollte, dass Steindorff selbst am Tisch sitzt und das bestätigt."

Evelyn ter Vehn

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