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Lokales Stern-Brot Pätz und Würstchen-Adam: Was aus früheren Leipziger Firmen wurde
Leipzig Lokales Stern-Brot Pätz und Würstchen-Adam: Was aus früheren Leipziger Firmen wurde
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00:17 26.08.2016
Vereinsvorsitzender Jürgen Weihrauch mit der Festschrift von 1932 auf dem früheren Bäckereigelände.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Aus dem Straßenbild sind sie längst verschwunden. Sächsisches Wirtschaftsarchiv, Handwerkskammer zu Leipzig und Stadtgeschichtliches Museum müssen auf der Suche nach ihnen ganz tief in den Archiven kramen. Doch in der Erinnerung einiger Leipziger sind sie noch immer präsent: Stern-Brot Pätz, Käserei Tischendorf, Würstchen-Adam & Co. Eine Spurensuche.

Vieles sei mit den Jahren aus Leipzig verschwunden und auch verschollen, bedauert Rudolf Quaas. Der Malermeister aus Rückmarsdorf hätte gern gewusst, was zum Beispiel aus der Firma Henke & Co, die einst in der Kurze Straße Henko-Einkoch-Tropfen und Henko-Handwaschsand herstellte, geworden ist. „Mich würde auch interessieren, ob jemand weiß, wohin es die Kaffeerösterei Großpietsch (am Bayerischen Bahnhof) verschlagen hat, wie es um Stern-Brot Pätz (Eutritzsch) bestellt ist“, sagt Quaas. Wer erinnert sich noch an die Keks-Fabrik Hänsel & Helmke Taucha-Leipzig (Fichtestraße 24), die Käserei Tischendorf aus Zöbigker oder Knoll-Brot und Würstchen-Adam Abtnaundorf?

Während Handwerkskammer und Wirtschaftsarchiv passen mussten, flackern im Stadtgeschichtlichen Museum zumindest Fünkchen der Erinnerung auf. „Wir haben einige Dinge in unserer Sammlung“, berichtete Karin Kühling vom Bereich Zentrale Dokumentation. „So gibt es zu Henke & Co. unter der sogenannten GOS Nummer D0056099 eine Werbebroschüre mit Preislisten dieser Firma sowie zur Firma Stern-Brot Pätz Werbeaufkleber sowie Fotos von Bäckereien (GOS Nr. S0013756, S0013768, Z0045339 und Z0045121). Das kann sich jeder über unsere Objektdatenbank im Internet anschauen.“ 2010 habe das Museum ferner eine Broschüre von Reudnitz (GOS Nummer D0059391) erhalten, in der die Bäckerei Petz und die Brotfabrik am Bayerischen Bahnhof genannt werden.

Zur Geschichte der Leipziger Brotfabrik Gebr. Joachim, Pätz & Co. kann auch Jürgen Weihrauch, Vorsitzender des Bürgervereins Eutritzsch, etwas beitragen. „Ich hab ich der Festschrift zum Heimatfest Eutritzsch 1932 zwei interessante Seiten entdeckt“, so Weihrauch. Demnach ging die Brotfabrik aus drei alten Leipziger Brotbäckereien hervor: der Brotfabrik von Voigtländer & Rittler, der Brotbäckerei von Gebr. Joachim in Reudnitz und der Brotbäckerei von Pätz & Co. in Anger-Crottendorf. Die Geschichte der Firma Gebr. Joachim reichte demnach bis weit über den Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) zurück. Inhaber Johann Karl Jakob Joachim habe das erste Mal vom Rat der Stadt Leipzig die Konzession erhalten, Brot nach Leipzig liefern zu dürfen. In den 1930er-Jahren gehörten dann nur noch zwei Fabriken, eine in der Schönefelder Straße 6 und eine in der Zschortauer Straße 50, zur für damalige Verhältnisse modernsten Firma. Der große automatische Großbrotofen warf stündlich immerhin etwa 1200 Brote aus. Aus dem automatischen Brötchenofen kamen pro Stunde 10 000 bis 12 000 Brötchen. Sämtliche Öfen der Bäckerein lieferten täglich im Durchschnitt 1000 bis 1200 Zentner Roggenbrot, die mit 81 Pferdegeschirren sowie Automobilen zu rund 2100 Verkaufsstellen in und um Leipzig ausgefahren wurden. „Eine erstaunliche Leistung“, kommentiert Weihrauch heute, der mit der historischen Broschüre gern noch einmal den Ort des Geschehens besucht. „Hier, in dem Klinkerbau Schönefelder Straße 6, ist noch gut der frühere Schornstein zu erkennen“, sagt der Vereinschef.

Leider ist nicht von allen Unternehmen, über die Rudolf Quaas gern mehr erfahren würde, so viel überliefert.

Sie kennen noch spannende Details zu den alten Firmen? Dann schreiben Sie doch an die LVZ-Lokalredaktion, Peterssteinweg 19, 04107 Leipzig oder unter leipzig@lvz.de.

Von Cornelia Lachmann

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