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Stiftung in Leipzig: Depression ist nicht Ursache für Amoklauf in München

Experte Hegerl nimmt Stellung Stiftung in Leipzig: Depression ist nicht Ursache für Amoklauf in München

Die Deutsche Depressionshilfe in Leipzig warn davor, eine Depression des Täters zur Ursache für den Amoklauf in München zu erklären. Das komme mit großer Sicherheit nicht in Frage. Patienten würden durch derartige Berichte stigmatisiert.

Der Leipziger Professor Ulrich Hegerl warnt vor einer Stigmatisierung von Depressionskranken.

Quelle: dpa

Leipzig. - Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat Berichte kritisiert, wonach eine Depressionserkrankung die Ursache für den Amoklauf in München sein könnte. „Mit großer Sicherheit kommt eine Depression des Täters als Ursache für den Amoklauf in München nicht in Frage“, sagte der Vorstandsvorsitzender der Stiftung und Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig, Ulrich Hegerl, am Sonntag in Leipzig.

Er warnte zudem vor einer Stigmatisierung betroffener Patienten. „Selbst wenn der Amokläufer wegen einer Depression behandelt worden ist, so heißt dies nicht, dass diese bei der Tat eine Rolle gespielt hat“, erklärte Hegerl weiter. Etwa vier Millionen Menschen würden in Deutschland aktuell unter behandlungsbedürftigen Depressionen leiden. „Und es gibt keine Hinweise, dass diese Menschen häufiger Gewalttaten als andere begehen“, betonte der Mediziner.

Eher sei das Gegenteil der Fall: In der depressiven Krankheitsphase neigten Betroffene zu übertriebenen Schuldgefühlen. Dies sei ein zentrales Diagnosemerkmal. „Sie geben immer sich selbst die Schuld, nicht anderen und würden deshalb nie auf den Gedanken kommen, fremde Menschen in einem Amoklauf zu töten“, sagte Hegerl weiter.

Den Amoklauf fälschlicherweise als Folge einer Depression darzustellen, verstärke die Stigmatisierung depressiv Erkrankter, warnte der Mediziner. Dies erhöhe für Betroffene die Hürde, sich professionelle Hilfe zu holen. „Nicht optimal behandelte Depressionen verursachen großes unnötiges Leid und sind die Hauptursache für die jährlich circa 10.000 Selbsttötungen und 150.000 Suizidversuche in Deutschland“, sagte Hegerl. Eine Zunahme der Stigmatisierung könne deshalb zu einer Zunahme von Suiziden führen.

Von LVZ

Leipzig 51.3396955 12.3730747
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