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Stolpersteine: „Wer vergisst, wiederholt das Unrecht“

25 Erinnerungsmale für Leipzig Stolpersteine: „Wer vergisst, wiederholt das Unrecht“

Spur der Erinnerung: 309 Stolpersteine liegen bisher an 134 Orten in Leipzig – 25 neue Steine gegen das Vergessen kamen am Samstag dazu. Vor den letzten Wohnorten der Mitbürger verlegte der Kölner Bildhauer Gunter Demnig diese Erinnerungsmerkmale in den Gehweg. Erstmals wurde auch eine Stolperschwelle für Opfer der NS-Diktatur in das Pflaster gebracht.

Erstmals wurde in Leipzig eine Stolperschwelle – für die Heil- und Pflegeanstalt Dösen – verlegt.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Spur der Erinnerung: 309 Stolpersteine liegen bisher an 134 Orten in Leipzig – 25 neue Steine gegen das Vergessen kamen am Samstag dazu. Vor den letzten Wohnorten der Mitbürger verlegte der Kölner Bildhauer Gunter Demnig diese Erinnerungsmerkmale in den Gehweg. Erstmals wurde auch eine Stolperschwelle für Opfer der NS-Diktatur in das Pflaster gebracht: In der Chemnitzer Straße, vor der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen, wurden mindestens 624 Kinder ermordet und 604 erwachsene Menschen zwangssterilisiert.

Betreut wird die Aktion von der Arbeitsgruppe „Stolpersteine“ Leipzig, in der sich mehrere städtische Vereine engagieren. „Wir organisieren die Aktionen und begleiten Interessierte bei ihren Recherchearbeiten“, so Achim Beier. „Besonders für Jugendliche erweist sich die Auseinandersetzung mit konkreten Schicksalen der nationalsozialistische Gewaltherrschaft als sehr nachhaltig.“ Einer von ihnen ist Richard Bachmann (28), der sich in der Leipziger Gruppe der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) engagiert. Sein Friedensdienst führte den jungen Plagwitzer ans Holocaust Memorial-Center nach Detroit.

„Dort habe ich Edith Maniker kennengelernt, die 1939 als Achtjährige ihre Geburtsstadt Leipzig verlassen musste“, berichtet der Amerikanistik-Student. Richard erfuhr von dem Stolperstein-Projekt und sein Entschluss stand fest: „Denn wer vergisst, wiederholt das Unrecht.“ Fast zwei Jahre dauerte die Vorbereitung für diesen Tag. Nun steht er vor der Löhrstraße 13 und stellt das Schicksal der damaligen Leipziger vor, berichtet von Edith, die mit Eltern, Schwester Paula, Oma, Tante und Cousine im vierten Stock wohnte, bis sie 1939 mit einem Kindertransport nach England gelang.

Inmitten der Gruppe eine schmale, weißhaarige Frau: Edith Maniker, die seit ihrer Kindheit nie wieder in Deutschland war. „Ich habe sehr lange überlegt, ob ich herreisen soll“, sagt die 85-Jährige. „Jetzt, wo wir hier stehen, weiß ich, dass es ein richtige Entscheidung war. Ich habe nicht gedacht, wie sehr es mich bewegt und freue mich über die Anteilnahme.“ Gestern habe sie das Leipziger Zentrum wieder gesehen, die schönen, alten Häuser bewundert, sich erinnert, wie sie mit ihrer Mutter zum Einkaufen auf den Markt gegangen sei. Auch die Synagoge Keilstraße habe sie besucht. Von ihrer großen jüdischen Familie konnten nur Edith, Paula und Vera gerettet werden. Die Spur ihrer Eltern und Verwandten verliere sich in Budapest. „Wir haben kein Grab.“ Nun erinnern sieben Stolpersteine an die große Familie, die bis 1939 in der Löhrstraße 13 lebte.

Wenige hundert Meter weiter, in der Pfaffendorfer Straße 18, erinnert ein neuer Stolperstein an Bernhard Landesberg, der 1940 im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. Um seiner zu gedenken, ist Ruth Rack aus Australien nach Leipzig gekommen. Nun folgt die 87-Jährige dem Bildhauer Gunter Demnig, der an diesem Samstag an insgesamt neun Leipziger Orten Stolpersteine verlegt. Es sei immer sehr berührend, wenn sich bisher unbekannte Nachkommen begegnen, so Demnig, der die Idee mit den Stolpersteinen hatte, um die Geschichte dorthin zu bringen, wo sie geschehen ist: in den Alltag.

Von Ingrid Hildebrandt

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