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Straßen- und Freigängerkatzen: Leipzig lässt Lage erstmals erforschen

Universität erstellt Studie Straßen- und Freigängerkatzen: Leipzig lässt Lage erstmals erforschen

Wie groß ist die wild lebende Katzenpopulation in Leipzig? Wie geht es diesen Tieren gesundheitlich? Und wie stark kommen sie mit Hauskatzen in Berührung, die ab und zu oder regelmäßig Ausgang haben? Diese und weitere Fragen soll ein Forschungsprojekt beantworten, das der Leipziger Tierschutzbeirat jetzt angeschoben hat.

In Köln, Delmenhorst, Paderborn, Bremen und vielen anderen deutschen Städten gilt bereits ein Kastrationspflicht für alle Freigängerkatzen.

Quelle: Ingo Wagner

Leipzig. Wie groß ist die wild lebende Katzenpopulation in Leipzig? Wie geht es diesen Tieren gesundheitlich? Wo treffen sie sich? Und wie stark kommen sie mit Hauskatzen in Berührung, die ab und zu oder regelmäßig Ausgang haben? Diese und weitere Fragen soll ein Forschungsprojekt beantworten, das der Leipziger Tierschutzbeirat jetzt angeschoben hat.

Nach Auskunft der stellvertretenden Leiterin Alrun Tauché (Grüne) gelang es dem Beirat dabei erstmals, eine Summe von 40 000 Euro für eine solche Bestandserfassung aus dem städtischen Haushalt zu bekommen. Sie wird aus dem Budget des Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamtes zur Verfügung gestellt. „Zwar wurde durch das Kastrationsprogramm, das die Stadt seit 1992 erfolgreich bei Straßenkatzen durchführt, schon sehr viel gegen das Leid bei wild lebenden Katzen getan“, erläutert Tauché. Mehr als 10 000 wild lebende Katzen wurden seitdem in Kleintierpraxen kastriert und mit einer Tätowierung versehen, die das Wiederfangen verhindert. Auch führen die Tierärzte bei der Gelegenheit eine Gesundheitskontrolle durch. „Dennoch bleibt die Zahl der Neufänge mit etwa 250 pro Jahr hoch. Und es fehlt ein wissenschaftlich fundierter Überblick zur Größe, Struktur und dem Zustand der Population. Einige Städte in Westdeutschland haben dazu bereits genaue Studien vorgelegt, welche es ermöglichen, bei Bedarf gezielt die Situation der Katzen zu verbessern.“

In Leipzig soll die Forschungsarbeit nun am Institut für Tierhygiene und öffentliches Veterinärwesen der Universität geleistet werden. „Mit den Vorbereitungen stehen wir noch am Anfang“, sagt der dortige Fachtierarzt Gerd Möbius, zugleich Tierschutzbeauftrager der Veterinärmedizinischen Fakultät. Die Erhebung dürfte etwa zwei Jahre dauern. Wahrscheinlich kommen dabei auch Wärmebildkameras zum Einsatz, um Einblicke an einigen Streunertreffpunkten zu erhalten, so Tauché. Wichtig seien unter anderem Fakten, wie stark sich Freigängerkatzen oder Kater mit wild lebenden Tieren paaren. Ein fundiertes Wissen dazu könnte weitere Argumente für die Einführung einer Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Freigängerkatzen in Leipzig liefern, hofft sie. Solche Vorschriften hätten bereits viele Gemeinden eingeführt, auch größere Städte wie Bremen oder Paderborn.

In Sachsen fehlen aber noch die rechtlichen Voraussetzungen für die Einführung der Kastrationspflicht. Nach einer Gesetzesinitiative der Linken mit dem Titel „Tierschutz verbessern – Rechtsverordnung zum Schutz freilebender Katzen unverzüglich erlassen und finanzieren!“ fand im letzten Herbst dazu eine Anhörung im Landtag statt. Dort trat auch der Leipziger Tierarzt Volker Jähnig als Sachverständiger der Landestierärztekammer auf. Alle Sachverständigen sprachen sich für eine landesweite Verordnung aus, die drei Punkte aufgreifen sollte: 1) kommunale Katzenkastrationsprogramme; 2) Verbot des Freigangs unkastrierter privater Katzen und damit verbunden deren Kastration, Kennzeichnung und Registrierung; 3) die wissenschaftliche Untersuchung freilebender Katzenpopulationen.

Nicht kastrierte Katzen können sich zwei bis dreimal im Jahr fortpflanzen – bei vier bis sechs Jungen pro Wurf steigt ihre Zahl so sprunghaft an. Bei einer hohen Straßenkatzenpopulation leiden viele Tiere unter Futtermangel und Krankheiten, was bis zum frühen Tod führen kann.

Von Jens Rometsch

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