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Lokales Straßenmusik in Leipzig: Vorschriften, Meinungen, Protagonisten
Leipzig Lokales Straßenmusik in Leipzig: Vorschriften, Meinungen, Protagonisten
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00:23 29.09.2018
Straßenmusiker müssen sich in Leipzigs Innenstadt an aus dem Rathaus vorgegebene Regeln halten – hier spielt Alexander Strenge in der Petersstraße. Quelle: Kempner
Leipzig

Aus Sicht von Passanten beleben sie das Stadtbild und bringen Kultur zwischen Touristen oder Einkaufende – und in manchen Fällen werden aus Straßenmusikern sogar gefeierte Stars. Das berühmteste Beispiel stellt die Kelly Family, aber auch erfolgreiche Songpoeten wie Felix Meyer begannen in Fußgängerzonen. Geschäftsinhabern dagegen ist nicht in allen Fällen zum Mitwippen zumute – wenn nämlich Lärmpegel oder musikalische Qualität der benachbarten Konzerte schwer zu ertragen sind. Auch in Leipzig, dessen City an manchen Tagen auf der Achse zwischen Petersstraße und Grimmaischer Straße beinahe einem Sound-Festival gleicht.

Wegen der wachsenden Zahl von Straßenmusik und Beschwerden in der Vergangenheit ergänzte der Stadtrat vor zwei Jahren eine Verordnung. Demnach darf „durch die Veranstaltung von Straßenmusik keine Belästigung für Anlieger und Passanten ausgehen“, heißt es darin. Als besonders schützenswürdige Orte gelten zum Beispiel Kirchen, Schulen, Krankenhäuser und Seniorenheime. Ein Grund dafür, dass keine Straßenmusik vor der Thomaskirche mehr erlaubt ist. „Beklagt wird, dass Straßenmusikanten längere Zeit am selben Ort in erheblicher Lautstärke und oft zweifelhafter musikalischer Qualität spielen, wobei mangels eines breiteren Repertoires Musikstücke häufig wiederholt werden“, so die Formulierung in der Verordnung. Inzwischen gilt die Regel: Nach 30 Minuten ist der Standort zu wechseln. Zulässig ist Straßenmusik täglich zwischen 10 und 13 sowie 15 bis 22 Uhr.

Logischerweise postieren sich die Musiker an besonders stark frequentierten Abschnitten, nämlich vor Geschäften, Freisitzen oder Sehenswürdigkeiten. Nicht immer ganz einfach für das Umfeld. „Anstrengend wird es, wenn sich mehrere Künstler gegenseitig übertönen“, bemerkt Jessica Kindner vom Esprit Store in der Grimmaischen Straße. In seltenen Fällen stünden Musiker auch direkt vor dem Geschäft, „dann bitten wir sie, ein paar Meter weiter zu spielen“. Als geschäftsschädigend empfindet Kindner Straßenmusik jedenfalls nicht, „und manchmal klingen die Songs wirklich schön“.

Georg Domke kennt und respektiert die Regeln. „Natürlich spiele ich nicht vor Eingangsbereichen oder Kirchen – und damit fahre ich gut“, sagt der Gitarrist und Sänger. Mit dieser Maxime, „nach der auch meine Kollegen handeln“, sammelt er keine Negativerfahrungen. Der Profimusiker, der Coversongs und Eigenkompositionen im Repertoire hat, lässt sich inzwischen auch für Veranstaltungen buchen und hat an jedem Dienstag Auftritte in der Rockeria am Brühl. Im Herbst geht er mit „Schraubenyeti“ und „Das Mammut“ auf Tournee – mit eigenem Album im Gepäck.

Auf der Straße gibt Domke nur noch am Markt ab etwa 20 Uhr Konzerte, „das ist am unkompliziertesten“. Die Akustik für die in der Regel unverstärkten Instrumente ist übrigens am günstigsten in Höhe von Karstadt und der Lukas-Bäckerei – hier liegen sich die Mauern am nächsten gegenüber. Wird ein Verstärker benötigt – beispielsweise bei E-Gitarre oder Keyboards, darf die Leistung 20 Watt nicht überschreiten.

"Szene hat sehr hohe Qualität“

Unzufrieden mit der Straßenmusiker-Situation ist Hartmut Bunsen, Präsident des Unternehmerverbandes Sachsen. „Sie beleben zweifellos die Stadt, aber manche von vielen machen eher Lärm als gute Musik“, konstatiert er, „im Rathaus sollte es einen Ansprechpartner für Beschwerden geben, außerdem sollten die Künstler auf ihre musikalische Qualität geprüft werden und gegebenenfalls keine Erlaubnis bekommen.“

Stefan Lorenz sieht das anders. „Die hiesige Straßenmusiker-Szene hat eine sehr hohe Qualität“, schwärmt der Gastronom. Er war der Erste, der den Künstlern in Leipzig eine Bühne bot. Seit 2016 treten sie in seinem Club Elsterartig an jedem Donnerstag auf; ein international besetztes Feld mit Künstlern aus Irland, Italien, den USA oder Polen, die in Leipzig sesshaft geworden sind. Im letzten Jahr veranstaltete der 36-Jährige sogar ein Straßenmusik-Festival für die Szene am Scheibenholz.

Kann man davon leben? Aus Domkes Sicht durchaus, wenn man keine allzu hohen Ansprüche an den eigenen Lebensstandard stellt. Den Stundenlohn eines handwerklich fähigen Künstlers schätzt er auf durchschnittlich 40 Euro.

In unserer Serie „Straßenmusik in Leipzig“ stellen sich in den nächsten Wochen einige Künstler vor.

Von Mark Daniel

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