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Lokales Straßenmusikanten stören Leipziger - Vermehrt Akkordeonspieler in der Stadt
Leipzig Lokales Straßenmusikanten stören Leipziger - Vermehrt Akkordeonspieler in der Stadt
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23:52 26.07.2010
In Einkaufsstraßen und vor Gaststätten sind die Akkordeonspieler aktiv. Nach der musikalischen Einlage bitten sie um Geld. Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig

Planschende Kinder sind zu hören, in der Ferne Baulärm. Fahrradklingeln, kläffende Hunde und eine Melodie: schwungvoll, rhythmisch, eingängig. Kalinka. Ein russisches Volkslied. Gespielt von einem Osteuropäer auf seinem Akkordeon.

Für Nicole Schwarz aus Leipzig ist diese Szene Alltag, nicht aber Normalität: "Ich höre jeden Arbeitstag acht bis zehn Stunden lang Akkordeon und ertrage es nicht mehr", sagt sie. Die 24-Jährige arbeitet in der Grimmaischen Straße im Vertrieb und habe, so behauptet sie selbst, ihre psychische Belastungsgrenze erreicht. In ihrer Verzweiflung hat sie sich bereits schriftlich an den Bürgermeister gewandt.

Von ihm habe sie die Information erhalten, dass eine Verordnung besage, Straßenmusikanten dürften jeden Tag eine halbe Stunde spielen. Die gleiche Auskunft gibt auch das Ordnungsamt. In einem Schreiben vom Amtsleiter Helmut Loris an die LVZ heißt es: "Nach maximal 30 Minuten ist ein deutlicher Standortwechsel vorzunehmen. Als deutlicher Wechsel sind 100 Meter nicht zu unterschreiten. Ein einmal bespielter Standort soll für die Dauer von mindestens einer Stunde nicht neu bespielt werden."

"Jetzt ist da aber eine ganze Familie mit etwa 18 Leuten, die alle abwechselnd an einem Ort spielen", schildert Schwarz ihre Beobachtungen. Nach noch nicht vollständigen Feststellungen solle es sich, so Loris, um eine "Großfamilie" handeln. Besonders in diesem Jahr habe die Anzahl der Straßenmusiker zugenommen. Fast täglich gingen drei bis vier Beschwerden beim Ordnungstelefon ein. Nicht nur in der Grimmaischen, auch in angrenzenden Straßen wie Fleischergasse, Nikolai- und Petersstraße sind die Spieler anzutreffen, die laut Ordnungsamt vorwiegend russischer oder rumänischer Herkunft seien.

Schwarz versucht fast täglich, sie loszuwerden: "Wenn ich sie bitte, wegzugehen, sagen sie nur: 'Gib mir Geld, dann gehe ich.'" Sie hat schon oft vergeblich beim Ordnungsamt angerufen, an manchem Tag penetrant 20-mal. "Wenn die Leute dann überhaupt mal kommen, können sie die Spieler nur selten vertreiben." Nach wenigen Minuten kämen die meisten wieder und das Ganze ginge von vorne los, klagt die junge Frau.

Den Spielern Geld zu geben ist grundsätzlich nicht verboten. Die Forderung danach im Zusammenhang mit der Musikdarbietung aufseiten der Spieler verstößt jedoch gegen die Sondernutzungssatzung. "Verstöße gegen diese werden mit Geldbuße geahndet", erklärt Loris. Zudem könnten Platzverweise ausgesprochen oder die Instrumente beschlagnahmt werden. "Dies ist jedoch nur möglich, sofern sich die Bürger, die sich von der Musik belästigt fühlen, als Zeuge zur Verfügung stellen", fügt er hinzu.

An Rechtsgrundlagen fehlt es nicht. Lediglich an Durchsetzungskraft und Personal auf Seiten der Ordnungshüter. Diese hätten in den zurückliegenden Wochen jedoch begonnen, die Einhaltung der Regeln intensiv und konsequent zu kontrollieren, teilt Loris mit und zeigt sich optimistisch: "Die Ergebnisse der Kontrollen zeigen, dass ein deutlicher Rückgang erreicht werden konnte."

Schwarz genügt das nicht. Auch sie hat einen leichten Rückgang der musikalischen Ruhestörung vernommen, fühlt sich jedoch von den Instanzen der Stadt alleingelassen: "Herr Jung muss hier als Bürgermeister konsequenter sein und sollte der Sache nicht untätig den Rücken kehren", fordert sie.

Julia Oberthür

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