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Streit um Bau eines Kanals ins Neuseenland

Streit um Bau eines Kanals ins Neuseenland

In der Debatte um die wassertouristische Entwicklung Leipzigs bahnt sich ein Streit um den Neubau eines Kanals von Leipzig ins südliche Neuseenland an. "Der Vorzug der Leipziger Gewässerläufe ist nicht nur ihre Erlebbarkeit vom Wasser aus, sondern auch auf Uferwegen", erklärte der Sprecher für Stadtentwicklung der Linksfraktion im Stadtrat, Siegfried Schlegel.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es blieben Fragen offen nach der Bootsgröße und danach, "an welchen Stellen das Leipziger Grünnetz durchschnitten werden soll", sagte er. Besser vernetzte Parks und der für Leipzig typische Auwald gehörten auch zur Einzigartigkeit der Stadt. Schlegel: "Nicht nur durch Wassertourismus werden hohe Umsätze in Hotel, Gastronomie oder Einzelhandel sowie eine bessere Auslastung der Verkehrssysteme erreicht. Es ist die Vielfalt der Angebote, die zu einem längeren Aufenthalt in Leipzig inspiriert."

Wie berichtet, betrachtet der Tourismusexperte Heiner Haass, Professor an der Hochschule Anhalt, die bisherige Anbindung der Leipziger Flüsse an den Cospudener See über den engen Floßgraben als Fehlplanung. Die Halbmillionenstadt brauche einen neuen Kanal nach Süden, der uneingeschränkt für Sportboote befahrbar ist. Nur so könne sie von der Entwicklung der Gewässerlandschaft im Südraum profitieren.

"Andere Partner aus der Wissenschaft", hielt Schlegel entgegen, "sind da schon viel weiter." Der Linkspolitiker nannte in dem Zusammenhang Studenten und Lehrkräfte der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Diese hätten bereits Konzepte entwickelt, die nicht auf eine vollständige Gewässerverbindung, dafür aber auf Fuß- und Radwege, durchgängig begrünte Uferbereiche sowie Sport-, Freizeit und Erholungsangebote setzten. Schlegel: "Manches wird in Leipzig auch mit einer Nummer kleiner groß, vor allem dann, wenn es für alle erlebbar und bezahlbar ist."

Grünen-Fraktionsvorsitzender Norman Volger ist dagegen der Idee eines Kanals in den Süden gegenüber aufgeschlossen. "Das gegenwärtige wassertouristische Konzept scheitert an der Annahme der Stadt, der Zugang zum südlichen Neuseenland sei über den Floßgraben erschließbar", sagte er. Doch dieses Auwaldgewässer komme aus Naturschutz-, aber auch aus räumlichen Gründen nicht in Betracht. "Insofern", so Volger, "ist die Frage nach einem neuen Wasserweg in den Süden durchaus berechtigt."

Wolfgang Stoiber, Vorsitzender des Vereins Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald fürchtet vor allem eine Öffnung der regionalen Gewässer für Motorboote. "Bereits Mitte der 1980er-Jahre wurde in bayrischen Regionen die benzinbetriebene Motorbootfahrt verbannt", sagte Stoiber und ergänzt: "Seit 2011 drängt sich uns die Frage auf, warum 35 Jahre später die Leipziger Region, welche für Elektromobilität stehen will, meint, die viel zu kleinen Leipziger Gewässer und die ökologisch instabilen jungen Tagebauseen mit kraftstoffbetriebenen Booten befahren zu müssen. Das ist weder zeitgemäß, noch akzeptiert es die örtlichen Gegebenheiten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.07.2015
Klaus Staeubert

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