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Lokales Streit um Baumfällungen in Leipzig kocht höher – Naturschützer erstatten Anzeige
Leipzig Lokales Streit um Baumfällungen in Leipzig kocht höher – Naturschützer erstatten Anzeige
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16:23 06.02.2019
Entlang der B 2 lässt der Stadtforst Leipzig derzeit Bäume fällen, die nicht mehr standsicher sind und eine Gefahr für den Verkehr darstellen. Quelle: Jörg ter Vehn
Leipzig

Der Streit um Baumfällungen im Leipziger Auwald verschärft sich. Der Verein Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald (Nukla) um den Aktivisten Wolfgang Stoiber hat Anzeigen wegen Abholzungen in der Nordwestaue gegen Sachsenforst erstattet. Derweil begannen an der Bundesstraße 2 im Leipziger Süden Baumfällungen zur Verkehrssicherung.

In einem 60 Meter breiten Streifen zwischen Koburger Straße und dem ehemaligen Connewitzer Waldbad würden beidseitig vornehmlich Eschen und Bergahorne entfernt, die nur noch eingeschränkt verkehrssicher seien, teilte die Stadtverwaltung mit. Eschentriebsterben und die Rußrindenkrankheit hätten den Bäumen zugesetzt. Im Vorfeld sei das Hellriegel-Institut aus Bernburg beauftragt worden, unter den vom Förster benannten Kandidaten nach sogenannten Biotopbäumen zu suchen – also besonders schützenswerten, die etwa als Heimstatt von Specht oder seltenen Käferarten genutzt werden.

Verwaltungsgericht erlaubt Verkehrssicherung

Zusätzlich hatte es noch eine Nachkontrolle mit dem Amt für Umweltschutz gegeben. Gefunden worden sei jeweils nichts, berichtete Leipzigs Stadtförster Andreas Sickert. Kontrollen mit dem Amt und ehrenamtlichen Naturschützern fänden immer vor solchen Maßnahmen statt, so Sickert. Lediglich das Hellriegel-Institut sei erstmals dabei. Sickert hatte sich für die Maßnahme der Verkehrssicherung an einer der meistbefahrensten Straßen der Stadt zudem eigens das Okay des Verwaltungsgerichts eingeholt.

Die besondere Vorsicht hat einen Grund: Denn die Stadt liegt im Rechtsstreit mit der Grünen Liga und im Clinch mit dem Verein Nukla von Wolfgang Stoiber. Sie hat sich bis zur Klärung der Rechtsfrage selber Zurückhaltung auferlegt – nur bei der Verkehrsicherheit gehe das eben nicht, betonte Sickert.

Der Rechtsstreit lähmt die Förster mehr und mehr. Im Kern geht es dabei um die Frage, inwieweit die praktizierte Forstwirtschaft dem gebotenen Naturschutz im Auwald entgegensteht, wie vom Nukla-Verein behauptet, oder den Naturschutz sogar befördert, wie es die Stadt sieht. Formell macht Stoiber vor allem eine fehlende Beteiligung der Grünen Liga, für die er mittlerweile auftreten darf, an der Erarbeitung des städtischen Forstwirtschaftsplanes im Vorjahr geltend.

Modellhafte Klage

„Das von uns initiierte Rechtsverfahren hat zum Ziel, für europäisch geschützte Waldgebiete ein Urteil zu erreichen, das den rechtlichen Status von diesen Gebieten bezogen auf die Forstwirtschaft modellhaft feststellt“, schreibt der Nukla-Vorsitzende Stoiber. Ganz aktuell erstattete er auch Anzeige gegen den Sachsenforst – „wegen rechtswidriger und ungenehmigter Fällungen von Stark- und Biotopbäumen auf Naturschutzflächen“, erläuterte Stoiber. Dabei handelt es sich um ein Gebiet in der Nordwestaue, das teils auf Leipziger, teils auf Schkeuditzer Flur liegt.

Forstdirektor Andreas Padberg von Sachsenforst versteht die ganze Aufregung nicht. Es handele sich um ganz normale Waldpflegearbeiten. Mit ihnen werde die Managementplanung umgesetzt, die zu dem Flora-Fauna-Habitat-(FFH) Gebiet mit der Oberen Naturschutzbehörde, dem Landesamt für Umwelt und Geologie (LFUG), abgestimmt sei. Die habe zum Ziel, die charakteristische Baumart des Auwaldes, die Eiche, zu fördern. Leider wachse sie nicht – entgegen den Nukla-Behauptungen – von alleine im Auwald hoch, sondern müsse in den ersten Jahren gefördert werden. Dazu sei in einer vor Jahren geschlagenen Lichtung mit inzwischen hochwachsenden Jungeichen der sogenannte Schirm aus eigens dazu stehengelassenen Altbäumen entfernt worden. Das Verfahren sei absolut üblich, gebe dem Jungbestand das jetzt in diesem Wuchsstadium benötigte Licht. Zusätzlich seien entlang einiger Waldwege nicht mehr standsichere Bäume entfernt worden. Alles in allem gehe es um rund 1000 Festmeter Holz, also in etwa 300 Bäume. Ob dabei etwas falsch gemacht wurde, werde nun von den Behörden geprüft, sagte Padberg.

Kosten fallen trotzdem an

Einen Schaden gibt es auf jeden Fall. „Das Aussetzen der Maßnahme hat Folgen“, erklärte Padberg. Die Jungpflanzen für das Aufforsten der Flächen seien bestellt, die Arbeitskräfte geordert. Die Bäume könnten nun nicht wie geplant gepflanzt werden, die Kosten fielen aber trotzdem an, so der Forstdirektor. Vom Schaden für die Ökologie wolle er lieber erst gar nicht reden.

Wie berichtet, begründen die Förster ihre Maßnahme mit dem Erhalt der bisherigen Artenvielfalt und dem nötigen Waldumbau für die Zukunft. Alle maßgeblichen Leipziger Forscher unterstützen die städtischen Förster, auch der Stadtrat gab den forstlichen Plänen seine Zustimmung. Auf der Seite der städtischen Förster stehen zudem die Umweltverbände der Stadt, die schon früh auf die Planungen Einfluss nahmen. Einzig der Verein Nukla und die Grüne Liga stemmen sich dagegen.

Von Jörg ter Vehn

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