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Lokales Streit um Einheitsdenkmal Leipzig: Architekten von „Siebzigtausend“ prüfen Konsequenzen
Leipzig Lokales Streit um Einheitsdenkmal Leipzig: Architekten von „Siebzigtausend“ prüfen Konsequenzen
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13:36 05.07.2013
Die Initiatoren des Entwurfs "Siebzigtausend": Sophia Petersen, Moritz Schloten, Martin de Mattia und Marc Weis (v.l.). Quelle: André Kempner
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Leipzig

„Wir haben ursprünglich mit einer Idee gewonnen, und die Idee hat sich nicht geändert“, so Moritz Schloten von Annabau Berlin gegenüber LVZ-Online. Man prüfe nun gemeinsam mit M+M München, wie man mit diesem Ergebnis umgehe. Jury-Mitglied Roland Quester (Die Grünen) distanzierte sich komplett vom Bewertungsverfahren.

Ob die Strategie für das weitere Vorgehen juristische Konsequenzen einschließe, dazu wollte sich Annabau nicht äußern. Nachteil für alle Bewerber: Während die öffentliche Diskussion seit Anfang der Woche kocht, kennen sie nicht einmal das Juryprotokoll. „Bis dahin möchten wir mit Äußerungen sehr zurückhaltend sein“, so Annabau. Wie anhand von „kleinen Planungsänderungen“ in den Entwürfen aber die Wertung umgekrempelt werden könne, will den Initiatoren des Farbfelder-Platzes „Siebzigtausend“ nicht einleuchten.

Mit der Verwunderung sind sie nicht allein. Auch Jan Edler vom Berliner Büro „realities:united“ (2. Platz: Entwurf „Eine Stiftung an die Zukunft“) äußerte sich gegenüber LVZ-Online überrascht, dass sich die Wertung so stark ändern konnte. „Da muss sehr viel passiert sein“, so Edler.

Jury-Mitglied Quester distanziert sich von Bewertungsverfahren

"Keine Gewalt - Herbstgarten" Quelle: PR .

Auf Platz eins liegt nach der neuen Runde der Entwurf „Keine Gewalt – Herbstgarten“ des Leipziger Teams Tina Bara, Anna Dilengite und Alba D’Urbano. Bara sagte auf Anfrage von LVZ-Online: "Es wäre unglaublich schön, das Denkmal machen zu können in der Stadt in der ich arbeite, in dem Land, das mich geprägt hat." Das sehr grüne, parkähnliche Denkmal wurde in der heftig geführten, öffentlichen Denkmalsdebatte eher wohlwollend aufgenommen, während „Siebzigtausend“ von vielen Bürgern als zu verspielt und dem Ernst der Friedlichen Revolution ’89 nicht angemessen kritisiert wurde.

Kulturbürgermeister Michael Faber (parteilos), zog sich in einer knappen Erklärung zur neuen Bewertung auf die Erfüllung des Pflichtenhefts zurück. Wie das genau rechnerisch möglich war, „erkläre ich Ihnen später einmal“, sagte er beim Fototermin zur Ausstellung der Entwürfe im Neuen Rathaus. Kulturamtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat beschrieb das Procedere so: Jedes Jurymitglied bewerte Aspekte der Denkmals mit Punkten auf einer Skala von 1 bis 10. Wenn alle ihr Urteil abgegeben haben, werde der Durchschnitt aus der Punktzahl gebildet. Die Juryentscheidung aus dem ersten Durchgang 2012 zählte zu 40 Prozent, die der zweiten Bewertungsrunde zu 20 Prozent.

Der Grünen-Stadtrat Roland Quester, Jury-Mitglied im zweiten Verfahren, erklärte unterdessen, dass er sich vom Zustandekommen des Ergebnisses distanziere und nicht mehr als Beteiligter des zweiten Verfahrensschrittes geführt werden möchte. Noch in der Sitzung habe er seine explizite Kritik an der Art des Zustandekommens der neuen Bewertung geäußert.

Im Oktober entscheidet der Stadtrat, ob die Verwaltung Vertragsverhandlungen mit allen Bewerbern aufnehmen darf. Die Konditionen zählen dann zu 40 Prozent für die endgültige Entscheidung.

Evelyn ter Vehn

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