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Lokales Streit um Erbe des Leipziger Kreativitäts-Pädagogen Mehlhorn beschäftigt die Gerichte
Leipzig Lokales Streit um Erbe des Leipziger Kreativitäts-Pädagogen Mehlhorn beschäftigt die Gerichte
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23:59 27.01.2015
Wem das Erbe zusteht, müssen die Gerichte entscheiden. (Symbolfoto) Quelle: dpa

Außerdem tobt in Berlin ein Streit um die Lizenzgebühren, die Einrichtungen zahlen müssen, die das Konzept des Pädagogen nutzen.

Hans-Georg Mehlhorn gilt als Vater der Hochbegabten-Pädagogik in der DDR. Er war Professor an der Musikhochschule Leipzig, analysierte die begabtesten Persönlichkeiten und entwickelte daraus ein Bildungssystem, das für Heranwachsende optimale Entwicklungsbedingungen schaffen soll. Nach der Wende entstand so in Leipzig Mehlhorns erste Kreativitätsschule; es folgten eine Kreativitätsgrundschule mit Hort, Kinderkrippen, Kindergärten und Kreativitätsgymnasium. Inzwischen gibt es ähnliche Einrichtungen in ganz Ostdeutschland.

Die Leipziger Aktivitäten sind in der Gesellschaft BIP Kreativitätszentrum Leipzig gebündelt, die Einrichtungen in der Messestadt, Dresden, Chemnitz und Gera betreibt. Mehlhorn hat diese Gesellschaft schon vor Jahren seiner Ehefrau übertragen. In dem dafür erstellten Schriftstück wurde festgelegt, dass diese sämtliche Anteile übereignet bekommt - im Falle einer Scheidung oder ihres Todes falle die Gesellschaft aber wieder an den Gründer zurück. Weil sich das Ehepaar später tatsächlich scheiden lassen wollte, schien es zur Rückübertragung zu kommen - doch dann starb Mehlhorn überraschend im Jahr 2011.

Als Erbin hatte er seine engste Mitarbeiterin Janine L. bestimmt, die sich zunächst mit Mehlhorns Ehefrau verglichen haben soll: Sie sollte die Leipziger Gesellschaft behalten, heißt es. Doch inzwischen ist alles anders: Janine L. ficht die Vereinbarung an und reklamiert die Leipziger Gesellschaft für sich. Ihre Anwälte sagten gestern, Hintergrund des Streits seien Meinungsverschiedenheiten über die Interpretation und Weiterentwicklung des Konzeptes von Mehlhorn. Im Saal 24 des Leipziger Landgerichtes argumentierten die Anwälte von Janine L. außerdem, die Ehe des Kreativitätsforschers müsse wegen des laufenden Scheidungsverfahrens als "gescheitert" angesehen werden und die Scheidung sei nur deshalb nicht offiziell vollzogen worden, weil die Ehefrau die Angelegenheit verschleppt habe. Die Geschäftsgrundlage, die der Vereinbarung der beiden Eheleute einst zugrunde lag, sei ebenfalls "gestört" gewesen und damit die Rückabwicklung der Schenkung gerechtfertigt.

Ob dies ausreicht, um den Vertrag für nichtig zu erklären, muss jetzt Richterin Annette Eiberle-Hill entscheiden. Sie betonte, die Scheidung sei noch nicht vollzogen gewesen, als Mehlhorn starb. Deshalb riet sie den Streitparteien, sich zu vergleichen. Die Urteilsverkündung wurde für den 17. Februar avisiert.

In Berlin hat der freie Träger Die Kappe e.V. einen Lizenzvertrag für die Nutzung des Schulkonzepts gekündigt, die Bestandteil des Erbes von Janine L. sind. Die Begründung: Es gebe keine Leistung, die die Lizenzgebühren rechtfertigt. Der Verein zweifelt die Forschungsarbeit und das Vorhandensein eines kreativitätspädagogischen Konzeptes an. Für sie gibt es lediglich eine "Idee". Ein Berliner Gericht entschied im Dezember 2013, dass Gebühren gezahlt werden müssen. Inzwischen läuft ein weiterer Prozess über die nächste Tranche der Lizenzgebühren.

Bei den Lizenzgebühren geht es um viel Geld. Allein die Berliner haben nach eigenen Angaben pro Monat rund 10 000 Euro bezahlt - seit Vertragsbeginn über eine Million Euro. Die Rede ist von einem halben Dutzend Lizenzpartnern in Ostdeutschland, die ihre Lizenzverträge gekündigt haben und jetzt in einem eigenen Dachverband organisiert sind.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.01.2015

Andreas Tappert

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