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Streit um Leipziger Stasi-Kinosaal: Pfarrer bietet Mediation an

Sonderschau Friedliche Revolution Streit um Leipziger Stasi-Kinosaal: Pfarrer bietet Mediation an

Im Konflikt um die künftige Nutzung des ehemaligen Stasi-Kinossaals, den sowohl das Museum in der „Runden Ecke“ als auch das Schulmuseum beanspruchen, hat Bürgerrechtler und Pfarrer Bickardt eine Mediation angeboten. OBM Burkhard Jung (SPD) verlangt, dass die Kooperationsvereinbarung eingehalten wird.

Die Sonderausstellung zur Friedlichen Revolution im ehemaligen Stasi-Kinosaaal am Goerdelerring, gezeigt seit 2009; soll abgebaut werden.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Im Konflikt um die weitere Nutzung des ehemaligen Stasi-Kinosaales findet Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) deutliche Worte: „Der Vorwurf, die Stadt habe kein Interesse am Thema Friedliche Revolution, ist absurd. Das Gegenteil ist doch richtig: Wir unterstützen das Museum in der "Runden Ecke" seit Jahren mit Steuergeldern und werden das auch weiterhin tun“, sagte er. Hintergrund: Schulmuseum und Museum in der „Runden Ecke“ nutzen den Saal im Anbau an die „Runde Ecke“ gemeinsam und abwechselnd. Geregelt ist das seit 2003 in einer Kooperationsvereinbarung. Seit 2009 ist im Saal die Sonderschau „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution“ zu sehen. Die soll nun aber abgebaut werden, weil das Schulmuseum die Ausstellung „Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland“ zeigen will.

OBM: Vereinbarte Absprachen einhalten

Weil beide Institutionen sich nicht einigen, hat die SPD-Fraktion einen Antrag an den Stadtrat gestellt, die Muslime-Ausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung im Saal am Goerdelerring 20 zu zeigen. Die Verwaltung hat daraufhin dem Bürgerkomitee Leipzig als Träger der „Runden Ecke“ Hilfe bei einer „sachgerechten Zwischenlagerung von Objekten“ sowie bei der Suche nach einem Alternativstandort angeboten. „Ich muss darauf bestehen, dass Absprachen eingehalten werden. Und vereinbart ist eine gemeinsame Nutzung des Kinosaals durch Runde Ecke und Schulmuseum. Dem verweigert sich die Runde Ecke seit Jahren, und das wollen wir jetzt beenden“, so der Oberbürgermeister. Selbstverständlich könne das Museum den Saal für Veranstaltungen wie vereinbart weiterhin nutzen, heißt es.

Grüne: Authentischen Ort erhalten

Die Grünen weisen darauf hin, dass die Nutzungsvereinbarung selbstverständlich gelte. Beide Einrichtungen wollen und können sich entwickeln und beanspruchen den dazu nötigen Raum. Dem SPD-Antrag wollen sie aber nicht zustimmen – das soll die Verwaltungsspitze allein klären. „Unabhängig davon fordern wir die Schaffung der barrierefreien Zugänglichkeit in das Gebäude und die Umsetzung einer zeitgemäßen Ausstellungskonzeption für das Museum an der Runden Ecke. Mittel zur Entwicklung einer solchen Konzeption hatte der Stadtrat vor Jahren zur Verfügung gestellt“, so Fraktionschefin Katharina Krefft. Sie lässt aber keinen Zweifel daran, dass für ihre Fraktion die „Runde Ecke“ der authentische Ort der Friedlichen Revolution ist.

Bürgerrechtler und Pfarrer Stephan Bickhardt kann nicht verstehen, dass mit dem Stasi-Kinosaal der Gedenkstätte ein authentischer Ort entzogen werden soll. „Die Friedliche Revolution gehört nicht ins Depot – das ist absurd“, sagte er. Bickhardt findet, dass die Schau dauerhaft in überarbeiteter Form am historischen Ort gezeigt werden müsse. Er sei erschrocken, dass nun zwei wichtige Themen wie Friedliche Revolution und Flüchtlinge durch die Anträge im Stadtrat gegen-
einander ausgespielt werden. „Das ist doch nur Wasser auf die Mühlen von Populisten.“ Als Seelsorger biete er den Beteiligten eine Mediation an. „Die ist immer ergebnisoffen“, so Bickhardt.

Von Mathias Orbeck

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