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Streit um berühmte Goethe-Leuchtreklame am Brühl geht in die nächste Runde

Streit um berühmte Goethe-Leuchtreklame am Brühl geht in die nächste Runde

Der Konflikt um die bekannte Leipziger Leuchtwerbung „Mein Leipzig lob’ ich mir“, die auf den Dächern der Höfe am Brühl angebracht werden soll, erreichte am Mittwoch seinen vorläufigen Höhepunkt.

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Bis 2007 stand die Leuchtreklame "Mein Leipzig lob ich mir" auf den Wohnblöcken am Brühl.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Kläger, Stadt und Gericht trafen sich zum Besichtigungstermin in der Innenstadt, konnten sich jedoch nicht einigen. Nun wird es weitere Verhandlungen vor Gericht geben.

„Mein Leipzig lob’ ich mir“ - doch unter keinen Umständen als hell leuchtende Reklame - zumindest bitteschön nicht am geplanten Schauplatz auf den Dächern der Höfe am Brühl. Nach dem Willen von Thomas Reinhardt, Direktor des unmittelbar angrenzenden Marriot-Hotels und Kläger, kann die Werbung an ihrem jetzigen Aufbewahrungsort, einem Lager südlich von Leipzig, verbleiben.

Am Mittwoch haben sich die Parteien, darunter die Hoteleigner, Vertreter des Stadtplanungsamtes sowie des Einkaufszentrums, zum Ortstermin getroffen. Anwesend auch: das Verwaltungsgericht Leipzig. Der erste Verhandlungstag im mit Spannung erwarteten Prozess glich einer in dieser Ausführlichkeit wohl selten stattfindenden „Tatort“-Besichtigung. So begutachtete die rund 15-köpfige Delegation, allen voran die mit ungezählten Akten bepackte Präsidentin des Verwaltungsgerichts Bettina Dick, Zimmer auf mehreren Etagen sowie das benachbarte Höfe-Dach.

Besichtigung beim Kläger

Auch die angrenzenden Zufahrtsstraßen blieben nicht unbeobachtet und wurden auf ihre freie Sicht auf die möglicherweise künftig strahlende Botschaft hin überprüft. „Dieser Termin ist die sogenannte Beweisaufnahme durch Inaugenscheinnahme der Örtlichkeiten“, gab die Richterin zu Protokoll. Ausgestattet mit Diktiergerät und Zollstock sollte kein Detail dem Spürsinn der akribisch vorbereiteten Juristin entgehen. So vergewisserten sich die Anwesenden etwa vom Lichteinfall auf- und zugezogener Vorhänge, von Fenstermaßen und Abständen zwischen Betten und Balkonen. Stets im Fokus: Die Frage, in welches der betroffenen 70 Zimmer der von der Stadt gewünschte Schriftzug hineinleuchten und somit zu eventuellen Belästigungen führen könnte?

„Grundsätzlich haben wir nichts gegen die Idee, jene Buchstaben zu installieren“, erklärt Thomas Reinhardt. Schließlich lebte der Hotelier bereits viele Jahre in Co-Existenz mit ihnen. Doch damals war die Leuchtwerbung auf dem wesentlich höheren, elfstöckigen Wohnblock befestigt. Darüber hinaus hat sich mit dem Höfe-Neubau der Abstand zum Hotel auf etwa die Hälfte verringert. „Uns stört einzig die Tatsache, dass die Reklame auch auf jener Seite des Einkaufscenters befestigt werden soll, die unserem Haus zugewandt ist“, ergänzt er. Der 45-Jährige sowie die DG-Anlage GmbH, Eigentümer des Hotels, teilen die Befürchtung, Gäste könnten sich von der in die Zimmer scheinenden Schrift gestört fühlen und schlimmstenfalls das Hotel als Herberge meiden.

Umfrage zur Leuchtreklame:

Ein alternativer Platz für die Installation scheint ausgeschlossen. Die Werbung steht unter Denkmalschutz, der Wiederaufbau war Bedingung - sonst hätten die Höfe am Brühl keine Baugenehmigung bekommen. Doch eine andere Ecke findet sich an dem Gebäude nicht: Die unterschiedlichen Fassadenhöhen machen’s unmöglich.

„Die Standortentscheidung hat eine städtebauliche Dimension und verfolgt denkmalpflegerische Aspekte“, erklärt Heike Scheller vom Stadtplanungsamt. Zudem sei die Analogie zum ursprünglichen Platz ausschlaggebend gewesen. Ferner könnten Besucher die Reklame an jenem exponierten Ort aus verschiedenen Himmelsrichtungen sehen.

 

Fest steht: Bevor der Schriftzug Leipzigs Gäste nach sechsjähriger Abstinenz wieder begrüßen kann, ist eine kostspielige Sanierung notwendig. Mit der Restaurierung werde bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung des Gerichts abgewartet, sagt Rainer Borst, Centermanager der Höfe am Brühl. Der Höfe-Eigentümer Mfi aus Essen wäre die drei Monate dauernde Instandsetzung rund 300.000 Euro wert. „Wir sind zu der Befestigung verpflichtet. Bis es aber soweit ist, harren wir der Dinge“, so Borst. Eine endgültige Einigung kann noch auf sich warten lassen. Dabei wollte das Gericht ursprünglich am Mittwoch die Entscheidung fällen.

Juliane Lange

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