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Streit um die Kunst in Leipzigs alter Propsteikirche - Neubau zu groß für alte Werke

Streit um die Kunst in Leipzigs alter Propsteikirche - Neubau zu groß für alte Werke

Um die Kunstwerke in der 1982 geweihten Propsteikirche an der Emil-Fuchs-Straße ist ein heftiger Streit entbrannt. Vertreter der katholischen Gemeinde St. Trinitatis bestätigten am Montag gegenüber der LVZ, dass die Metallarbeiten des Berliner Künstlers Achim Kühn (72) keine Verwendung im neuen Gotteshaus an der Nonnenmühlgasse finden werden.

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Sieben Meter hoch ist „Das Zelt Gottes" – der Künstler gestaltete die Wand hinter dem Altar 1982 als eisernen Vorhang, durch den Risse gehen. Wolfgang Harasim, Gregor Giele und Dieter Blaßkiewitz (von links) finden heute keine Verwendung dafür.

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Wir bedauern das sehr", sagte Kirchenrat Dieter Blaßkiewitz. "Viele Gemeindemitglieder hätten gern die Außentüren, die unsere Geschichte in Leipzig sowie die der Kirche in Sachsen zeigen, in das künftige Gemeindezentrum integriert." Wegen einer kompromisslosen Haltung der Familie Kühn sei das aber nicht möglich, so Pfarrer Gregor Giele: "Gemäß des Urheberrechts fordert sie, alle Arbeiten als Gesamtkunstwerk zu erhalten." Dies sei zwar juristisch korrekt, doch der Andachtssaal der neuen Propsteikirche habe viel größere Ausmaße und ein anderes inhaltliches Konzept als der Vorgängerbau am Rande des Rosentals. So sei eine von Kühn für die Wand hinterm Altar geschaffene Skulptur, die "Das Zelt Gottes" symbolisiert, 24 Meter breit und sieben Meter hoch, sagte Wolfgang Harasim von der Baukommission. "Die gleiche Wandfläche im Neubau ist 34 Meter breit und 14 Meter hoch. Die Kunstwerke in Gänze lassen sich nicht umsetzen, weil sie extra für diesen einen Raum geschaffen sind."

Umziehen sollen nur drei Kunstwerke, die als einzige die Zerstörung der historischen Trinitatiskirche 1943 überstanden: eine funktionstüchtige Glocke, ein Stein mit der Aufschrift "Sanctus" und eine im 19. Jahrhundert geschnitzte Madonna - diese Figur ist bereits restauriert, sie erhält extra eine Nische zur Andacht an der Westseite. Von Achim Kühn - übrigens ein Protestant, der ab 1980 drei Jahre lang gemeinsam mit der Leipziger Gemeinde an der gesamten Innengestaltung des Gotteshauses (entstanden aus DDR-Industriebau-Elementen) arbeitete, stammten die Relieftüren, Fußböden aus Themaer Schiefer, der Altar, Ambo (Lesepult), die Altarwand, das hängende Kreuz und ein Osterleuchter.

Helgard Kühn, die ihren Ehemann in dieser Sache vertritt, wirft der Gemeinde vor, ein Kulturdenkmal schleifen zu wollen. "Schon in der Ausschreibung für den Neubau hätte der Auftrag an die Architekten lauten müssen, vorhandene Kunstwerke zu integrieren. Stattdessen zerstört die Gemeinde ihre eigene Geschichte. Kommt der Altar bald auf den Schrott?" Ihrem Vorschlag, am Rosental nur baufällige Wohnhäuser abzureißen, den Sakralraum aber als Kolumbarium zu nutzen, mag die Gemeinde nicht folgen. "Der Kirchenraum schwimmt. Dort sind die meisten Statikschäden durch das Bodenwasser, regnet es sogar durchs Dach herein", so Pfarrer Giele. Die alte Propsteikirche könne nach heutigem Ermessen nur noch abgerissen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.10.2014

Jens Rometsch

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