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Lokales Streit ums Verletztengeld – Unfallopfer sauer auf Berufsgenossenschaft
Leipzig Lokales Streit ums Verletztengeld – Unfallopfer sauer auf Berufsgenossenschaft
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00:17 26.09.2017
Unfallopfer Thomas Friedel ist enttäuscht und wütend. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Bis zum 24. März 2017 war für Thomas Friedel, der in Leipzig eine Firma für Transporte und Kurierdienste betreibt, die Welt noch in Ordnung. Doch dann geriet sie aus den Fugen. Als der 49-Jährige damals gegen zwei Uhr auf der A 9 unterwegs war, wechselte ein Lastwagen nahe Bad Klosterlausnitz unvermittelt die Spur, es kam zur Kollision. Friedels Fahrzeug überschlug sich zweimal und blieb neben der Autobahn mit dem Dach nach unten liegen.

Rettungskräfte bargen Friedel und brachten ihn ins Uni-Klinikum in Jena, wo Verletzungen an den Extremitäten und am Schädel diagnostiziert wurden. Zwei Tage lang wurde er therapiert und dann zu einem Leipziger Arzt der Berufsgenossenschaft Verkehr (BGV), bei der er als selbstständiger Unternehmer versichert ist, überwiesen. Friedel glaubte sich finanziell gut abgesichert, zunächst ging während der Zeit seiner folgenden Krankschreibung durch den BGV-Mediziner auch das sogenannte Verletztengeld ein – doch am 11. Mai war Schluss und er geriet vollends in die Mühlen der sogenannten medizinischen Ursachenforschung und der damit verbundenen BGV-Zahlungsverweigerung.

Hochrasanztrauma, Verletzungen an Schädel und Extremitäten

„Der Arzt der Berufsgenossenschaft schrieb mich nach rund sieben Wochen gesund und ich sollte perspektivisch noch einen Neurochirurgen aufsuchen, allerdings lag der erste verfügbare Termin dafür im November“, erzählt Friedel. Kaum war er für arbeitsfähig erklärt worden, stellten sich wieder starke Beschwerden im Nackenbereich ein. „Das schwoll alles an und war nicht zum Aushalten.“ Zwei Tage versuchte er zu arbeiten, „dann ging nichts mehr“. Er suchte Hilfe am Leipziger Universitätsklinikum, wurde dort neurochirurgisch behandelt, und als das nicht anschlug, einer Bandscheibenoperation unterzogen. Das war vor zwei Wochen, nun stehen eine Rehabilitation an und Zahlungen der BGV weiter aus. „Das Ersparte ist fast aufgebraucht, meine Frau ist nur geringverdienend“, beschreibt Friedel, der in seiner Firma drei Angestellte beschäftigt, die prekäre Situation. „Ich habe bei der Berufsgenossenschaft immer pünktlich eingezahlt und jetzt lässt sie mich und damit auch mein kleines Unternehmen im Regen stehen, obwohl der Befund doch eindeutig ist.“

Von den hiesigen Uni-Medizinern war Friedel attestiert worden, dass er bei dem Verkehrsunfall ein Hochrasanztrauma mit einer schweren Verletzung der Halswirbelsäule erlitten hatte und die weitere Behandlung zu Lasten der BGV gehen müsse. Doch die sieht das anders. Auf LVZ-Anfrage teilte die Berufsgenossenschaft mit, es müsse erst noch nachgewiesen werden, dass „die aktuellen gesundheitlichen Probleme eine direkte Folge des Unfalls im März sind“. Denn es gebe sich widersprechende medizinische Aussagen. So sei der behandelnde BGV-Arzt aufgrund eines radiologischen Befundes zu der Auffassung gelangt, Friedel habe degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule und Bandscheibenvorfälle, die nichts mit dem Crash zutun hätten.

Begutachtung Anfang November an der Berliner Charité

Das Unfallopfer trägt nach der Bandscheiben-OP nun eine Halsstütze und soll zu einem Neurologen an der Berliner Charité. „Herr Friedel hat sich für einen von uns vorgeschlagenen Gutachter entschieden“, heißt es in der BGV-Stellungnahme gegenüber der LVZ. Friedel empfindet das als Frechheit: „Ich hatte überhaupt keine Wahl und muss jetzt sogar noch Unterlagen bis zurück zu meiner Lehrzeit beibringen. Was soll das?“ Für den 1. November sei der Termin in Berlin angesetzt, danach werde dann ein „Zusammenhangsgutachten“ erstellt, ließ die BGV wissen. „Erfahrungsgemäß“ werde das zeitnah geschehen. Friedel weiß indes nicht, wie er weiter über die Runden kommen soll. „Ich kann über das alles nur den Kopf schütteln, aber selbst das funktioniert mit der Halskrause nicht.“

Mario Beck

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