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Stress am Fest: Mark Hegewald ist Leipzigs offizieller Weihnachtsmann

Stress am Fest: Mark Hegewald ist Leipzigs offizieller Weihnachtsmann

Wenn heute alle ihre Geschenke auspacken, ist Mark Hegewald im Stress. Der Leipziger Weihnachtsmann rast Heiligabend von Familie zu Familie. Sein Ziel: den schönsten Tag des Jahres unvergesslich machen.

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Der Leipziger Weihnachtsmann Mark Hegewald. (Archivbild)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Hegewald ist Leipzigs offizieller Weihnachtsmann. Eine Rolle, die zu ihm passt.

 Der 42-Jährige hat eine angenehm tiefe Stimme und wirkt mit seinen knapp zwei Metern durchaus imposant. Mit weißem Rauschebart und einem Sack voller Geschenke saß er an fünf Tagen pro Woche auf der Bühne des Weihnachtsmarktes und hielt seine Sprechstunde ab. Wenn man ihn fragt, warum er den Weihnachtsmann spielt, überlegt er eine Weile: "Die meisten klagen über Weihnachten. Ich denke, sie leiden unter diesem Verkaufsterror." Er hasst Kommerz. Ruhe, Besinnlichkeit, Zeit für die Familie - davon sei kaum noch die Rede, sagt er und sieht es als seine Aufgabe an, "eine schöne Stimmung und gute Laune zu erzeugen".

Nach der stressigen Vorweihnachtszeit wird es heute noch einmal ernst: Hegewald besucht Familien zu Hause. Die Vorbereitung dafür beginnt schon im September, wenn die ersten Anfragen kommen. Der Profi-Weihnachtsmann telefoniert mit den Eltern, erkundigt sich, ob die Kleinen auch artig waren. Die guten Vorsätze werden in kindgerechter Form ins goldene Buch des Weihnachtsmanns geschrieben.

Heiligabend düst Hegewald im Auto von Haus zu Haus. Gute Absprache sei alles: "Wo steht der Sack? Woher bekomme ich die Geschenke?" Sein Rekord: 17 Bescherungen. "Ich muss bei der ersten Familie genauso gut sein wie bei der letzten." Den Ablauf vereinbart er individuell, genauso wie sein Honorar. Mal trifft er auf eine Kleinfamilie, mal auf eine 30-köpfige Kinderschar mehrerer Eltern, sagt Hegewald. Manchmal verteilt er ausschließlich Geschenke, manchmal spielen Kinder Flöte oder Triola, manchmal singt die ganze Familie. "Es geht ganz ohne Strenge bei mir." Mit der Rute drohen, kommt für ihn nicht in Frage. Ebenso wenig wie das "Ho-Ho-Ho" der amerikanischen Kollegen.

Was einen guten Weihnachtsmann ausmache? "Man muss Talent haben", sagt Hegewald ohne Umschweife. Ein guter Santa muss einschätzen können, was er den Kleinen zumuten kann und was nicht. Wogegen er sich wehrt, ist die Rolle des Moralapostels. "Viele Eltern wollen mir die Erziehungsarbeit aufdrücken", sagt er. "Aber das mache ich nicht." Außerdem lege er Wert auf Pünktlichkeit. Nur einmal, im Dezember 2009, als heftige Schneefälle Leipzig lahmlegten, musste auch er kapitulieren. "Ich kam aus den Parklücken nicht mehr raus", erinnert er sich. "Den letzten Familien musste ich absagen."

In seiner Freizeit reist Hegewald viel. "Mein Herz schlägt für Osteuropa und Russland." Am liebsten kurvt er mit seinem Auto - einem Hundefänger mit Einbauküche - durch die Gegend, begleitet von Kater Borat, den er in Kasachstan aufgesammelt hat. Inzwischen hat er fast alle Länder Europas und Teile Asiens bereist. Unterwegs trifft er immer wieder Berufskollegen aus anderen Ländern. Dieses Jahr besuchte er schon den Weihnachtsmann der "World Santa Claus Foundation" in Finnland. Dann fuhr er nach Russland, um sich mit Väterchen Frost auszutauschen. "Dumme Sprüche machen oder am Bart ziehen, das traut sich dort niemand." Der russische Weihnachtsmann sei eine Autorität, der mit fünf Gelehrten auftritt. Sein finnischer Kollege wolle dagegen einfach nur schön aussehen.

Kommt am Ende des heutigen Abends dann der Bart ab, werde er sich beim Pizzadienst einen Salat bestellen, sagt Hegewald, - und die Ruhe genießen.

Dieser Text erschien zuerst im LVZ Sonntag. Laden Sie sich die App herunter und schmökern Sie jedes Wochenende aufs neue in umfangreichen Reportagen, interessanten Dossiers und spannenden Geschichten.

Apitz, Gina

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