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Streuner-Miezen müssen zum Doktor

Im gesamten Stadtgebiet unterwegs Streuner-Miezen müssen zum Doktor

Stadt und Universität Leipzig haben eine zweijährige Studie zu Straßenkatzen gestartet. Ziel ist es, fundierte Informationen über Leipzigs Streunerkatzen und ihren Gesundheitszustand zu erhalten.

Leipzig lässt freilebende Katzen erforschen
 

Quelle: picture-alliance/ dpa

Leipzig. Keiner weiß, wie viele herrenlose Straßenkatzen im Leipziger Stadtgebiet leben. Nach Aussage von Katzenfreunden, die die wild lebenden Tiere regelmäßig füttern, sind es zu viele – und sie leiden erkennbar an Hunger und Krankheiten. Die Stadt will sich jetzt Gewissheit verschaffen und hat im Oktober ein Gemeinschaftsprojekt mit der Universität Leipzig gestartet. Ziel ist es, fundierte Informationen über Leipzigs Streunerkatzen und ihren Gesundheitszustand zu erhalten. Bei der Gelegenheit soll auch herausgefunden werden, wie hoch der Anteil kastrierter Tiere unter den Familienkatzen ist. Die Studie sei in Sachsen einmalig, so Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal.
Bei der Stadt sind derzeit um die 22 Katzen-Futterstellen bekannt, die unter Betreuung und Kontrolle des Veterinäramtes stehen.

Sie befinden sich in Kleingartenanlagen, am Rande von Wiesen oder Spielplätzen. Bereits seit 25 Jahren werden an diesen Futterstellen neu aufgetauchte Tiere vom Veterinäramt eingefangen, zur Kastration zu einem Tierarzt gebracht, mit einer Tätowierung versehen und am Folgetag wieder am gleichen Ort ausgesetzt. Hinzu kommen weitere Futterplätze in unbekannter Zahl, die dem Amt nicht bekannt sind.

Tausende Katzen wurden kastriert

„In den 25 Jahren haben wir rund 11 000 Katzen kastriert. Anfangs mehr als 1000 pro Jahr, inzwischen sind es nur noch etwa 350 pro Jahr“, berichtet Amtsleiterin Gabriela Leupold. Die Frage ist nun, ob dieses konsequente Kastrationsprogramm – das es laut Leupold in keiner anderen deutschen Großstadt gibt – ausreicht. Oder ob sich die Streunerkatzen trotzdem weiter üppig vermehren, möglicherweise auch durch Aussetzen von Familienkatzen. Und ob die Stadt deshalb auf andere Weise tätig werden muss. Das heißt konkret: Ob eine Rechtsverordnung erlassen werden muss, die private Katzenhalter dazu verpflichtet, ihre Tiere kastrieren und registrieren zu lassen. Für nicht kastrierte private Katzen würde dann der Freigang verboten.

Etablierte Futterplätze sollen beobachtet werden

40 000 Euro hat die Stadt Leipzig für das Zwei-Jahres-Projekt im Haushalt eingestellt. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Personalkosten für Tierärztin Rebecca Großmann, die das Projekt im Rahmen ihrer Dissertation bearbeitet. Sie arbeitet am Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen der Universität Leipzig und wird vorwiegend an den bekannten Futterstellen tätig. Die dort zur Kastration eingefangenen Katzen werden in Narkose klinisch untersucht, zudem werden Laborproben entnommen. Die Proben werden bezüglich der gängigen Infektionskrankheiten Katzenschnupfen, Katzenseuche, Leukose, Katzen-Aids und Infektiöse Bauchfellentzündung untersucht. „Es ist aber nicht gewollt, dass neue Futterplätze entstehen“, betont Amtsleiterin Gabriela Leupold, die selbst Tierärztin ist. „In der Studie geht es ausschließlich um die etablierten Plätze.“

Fragebogen für Katzenbesitzer

Um einen Eindruck über die Situation der in Haushalten lebenden Katzen zu erhalten, wurde ein Fragebogen für Katzenbesitzer erstellt. Dieser enthält Fragen zur Haltungsform, zum Kastrationsstatus und ob die Katzen gechipt und registriert sind. Der Fragebogen soll in den nächsten Tagen in Tierarztpraxen ausgelegt und kann auch online ausgefüllt werden.

Für Tierarzt Gerd Möbius vom Institut für Tierhygiene ist die Studie mehr als eine reine Dienstleistung für die Stadt: „Das ist für unser Institut auch wissenschaftlich interessant.“ Möbius ist selbst Mitglied des Leipziger Tierschutzbeirates, der das Forschungsprojekt angeschoben hatte, um wirksamer gegen das Leid bei wild lebenden Katzen vorzugehen. Nicht kastrierte Katzen sind schon nach einem Dreivierteljahr fortpflanzungsfähig. Sie bekommen meist zweimal pro Jahr Nachwuchs. Bei vier bis sechs Jungen pro Wurf steigt ihre Zahl sprunghaft an.

Kontakt zu Rebecca Großmann: r.grossmann2@gmx.de, Tel. 0176 36677219
Fragebogen für Katzenbesitzer: http://katzenumfrage.dyrba.de

Von Kerstin Decker

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