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Lokales Stromabschaltungen: Leipzig weit vorn in Sachsen – Grüne fordern Prepaid-Zähler
Leipzig Lokales Stromabschaltungen: Leipzig weit vorn in Sachsen – Grüne fordern Prepaid-Zähler
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23:42 12.04.2013
Kein Geld für die Rechnung: Leipzig belegt einen Spitzenplatz bei den Stromabschaltungen. Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig

Das teilte das Wirtschaftsministerium auf Anfrage von Landtagsmitglied Dietmar Pellmann (Die Linke) mit. Die Messestadt belegt in der Statistik den traurigen Spitzenplatz. Jetzt fordern Sachsens Grüne: Prepaid-Stromzähler installieren.

Während in Chemnitz 2097 und in Dresden 3000 Haushalte zeitweise auf Strom verzichten mussten, gab es in Leipzig 8471 Sperren – rund dreimal so viele. Im Freistaat insgesamt musste zahlungssäumigen Kunden laut Verbraucherzentrale Sachsen sogar mehr als 21.600 Mal der Strom abgeschaltet werden. Diese Zahl bezieht sich auf das Jahr 2011, „und der Anstieg geht weiter“, sagt Roland Pause, Energieexperte der Verbraucherschützer. Darauf würden aktuelle Stichproben hinweisen.

Stadtwerke verzeichnen keine Steigerung bei Stromsperren

Die Stadtwerke Leipzig als Großversorger können das nicht nachvollziehen. „Wir stellen bei der Anzahl der Stromsperren keine signifikanten Veränderungen fest“, teilte das Unternehmen auf Anfrage von LVZ-Online mit. Zur genauen Zahl der Abschaltungen wollen die Stadtwerke „aus Wettbewerbsgründen“ keine Auskunft gehen. Das Unternehmen, das in Leipzig an 41.500 Hausanschlüsse mit einer Vielzahl von Abnehmern Strom liefert, macht eine andere Beobachtung: Die Zahl der Mahnungen nehme seit Jahren ab.

„Das werten wir als Erfolg unserer Bemühungen, mit Beratungen zum Thema Energiesparen die Kunden zu unterstützen“, so Stadtwerke-Sprecherin Miriam Reiß. Die Stadtwerke Leipzig arbeiten mit dem Caritas-Verband beim Stromspar-Check zusammen, kostenfrei für einkommensschwache Haushalte. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, versuche man, mit Vermietern und Schuldnern über Ratenzahlungen zu verhandeln. Auch gemeinsam mit dem Sozialamt, das einmalige Darlehen zur Ablösung von Stromschulden ermöglichen könne, liefen „erhebliche Anstrengungen“.

Der Weg in die Schuldenfalle: Hartz-IV-Anteil deckt reale Stromkosten nicht

Parteien und Verbände warnen bundesweit seit Monaten angesichts der Stromkosten-Explosion vor der „Energiearmut“. In der Messestadt waren im März mehr als 24.000 Personen auf Hartz IV angewiesen, insgesamt betreut das Jobcenter Leipzig mehr als 43.000 Haushalte. Eine aktuelle Studie zeigt außerdem: Die Anzahl der Leipziger, die nur mit Zweitjob ihren Lebensunterhalt bestreiten können, stieg um 140 Prozent an.

Wer Hartz IV bekommt, kann leicht in die Schuldenfalle tappen, denn der im Regelsatz von 382 Euro vorgesehene Anteil deckt die realen Stromkosten nicht. Für Kochen, Waschen, Licht und Kühlen mit elektrischen Geräten sind 30,20 Euro pro Monat vorgesehen, rechnen Sachsens Grüne vor. Von den 362,40 Euro im Jahr könnten 1229 Kilowattstunden (kWh) beim günstigsten Anbieter gekauft werden. Single-Haushalte verbrauchen aber im Durchschnitt 1500 kWh. Um die Differenz von rund 80 Euro auszugleichen, müssten Arbeitslosengeld-II-Bezieher beim Essen oder anderweitig sparen.

Prepaid-Stromzähler: Kein Thema in Leipzig

Johannes Lichdi, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Landtag Sachsen. Quelle: Bündnis90 Die Grünen

Die Grünen fordern eine Anpassung der Sätze und beantragen jetzt im Landtag, dass sich der Freistaat für ein gesetzliches Verbot von Strom- und Gassperren einsetzen soll. Sie befürworten auch die Einführung von Vorkasse-Stromzählern, bei denen der Kunde analog zu einem Prepaid-Handy ein Guthaben auflädt und verbrauchen kann. „Das ist eine unideologische und pragmatische Lösung“, sagt Johannes Lichdi, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, gegenüber LVZ-Online.

Statt einen Schuldenberg abzuarbeiten, könnten die Betroffenen die Stromversorgung auch mit kleinen Geldbeträgen wieder ans Laufen bringen. Die Energiefirmen sparten außerdem das aufwändige Mahnverfahren. „Eine Win-Win-Situation“, meint Lichdi.

Die Stadtwerke Riesa, Glauchau und Freital bieten die Möglichkeit bereits an. Für die Leipziger Stadtwerke sind Prepaid-Zähler „grundsätzlich kein Thema“. Sprecherin Miriam Reiß sagt: „Wir wollen unsere Kunden eher darin unterstützen, effizient mit Energie umzugehen.“

So funktioniert der Vorkasse-Zähler der Stadtwerke Riesa

Evelyn ter Vehn

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