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Stromlos in Leipzig: Jede zweite Ladesäule für E-Autos defekt

Massive Technik-Probleme Stromlos in Leipzig: Jede zweite Ladesäule für E-Autos defekt

Kaputte Ladesäulen, Software-Ausfälle und zugeparkte Stellflächen: Elektroauto-Besitzer haben beim Stromtanken an Leipziger Ladesäulen mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Viele der im vergangenen Jahr eingeführten Mobilitätsstationen der LVB funktionieren nicht. Die Betroffenen haben nun einen offenen Brief an OBM Jung geschrieben.

Hier fließt kein Strom: Die E-Auto-Nutzer Franziska Pulcher (35) und Torsten Wanke (49) an der LVB-Mobilitätsstation gegenüber vom Gewandhaus.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Sie wurden im vergangenen Sommer für 1,6 Millionen Euro in Betrieb genommen, in der Praxis funktioniert zeitweise aber nur etwa jede zweite. Die 25 neuen Mobilitätsstationen der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) leiden unter erheblichen technischen Problemen. An den modernen blau-gelben Terminals, die über das Stadtgebiet verteilt aufgestellt wurden, können nicht nur Mietwagen von Teilauto und Nextbike-Fahrräder ausgeliehen, sondern auch Elektroautos kostenlos mit Strom betankt werden – zumindest theoretisch. Denn ein halbes Jahr nach dem Start streikt vielerorts die Technik.

„Die Mobilitätsstationen sind wirklich eine innovative Idee, aber eine funktionierende zu finden, gleicht einem Glücksspiel“, sagt E-Auto-Fahrer Torsten Wanke. „An vielen Stationen ist das Display schwarz oder reagiert nicht. Und häufig werden die Parkplätze von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor blockiert, ohne dass die Stadt etwas dagegen tut“, klagt der 49-Jährige aus Klinga (Landkreis Leipzig). Der Horterzieher pendelt täglich mit seinem VW E-Up zur Arbeit nach Böhlitz-Ehrenberg und hat LVZ.de mit auf eine Testfahrt durch Leipzig genommen.

Säulen defekt, zugeparkt oder ganz abgebaut

Schon in der Innenstadt zeigt sich, wie gravierend die Probleme sind. Wegen eines Software-Absturzes lässt sich das Touchscreen-Display der Mobilitätsstation am Ring gegenüber dem Gewandhaus nicht bedienen – ein Laden ist dadurch unmöglich. Die beiden Säulen am Ostplatz und am Bayerischen Bahnhof sind abgebaut, weil sie durch einparkende Autos beschädigt wurden. Einen Rammschutz gibt es bei den Ladestationen in Leipzig nicht. Auch in Schleußig kann nicht geladen werden. An der Ecke Oeserstraße/Schnorrstraße blockieren Fahrzeuge mit Benzinmotor die eigentlich für E-Autos reservierten Parkplätze. Zusätzlich streikt auch noch das Display.

Den LVB sind die Probleme seit Monaten bekannt. „Die Kunden sind völlig zurecht unzufrieden. Was wir ihnen derzeit zumuten, entspricht nicht unserem Anspruch“, räumt Geschäftsführer Ulf Middelberg im Gespräch mit LVZ.de ein. Bis zu 50 Prozent der Stationen seien zeitweise wegen Defekten außer Betrieb. Da Feuchtigkeit in die Monitore eindrang, wurden diese bereits Ende 2015 im Rahmen der Gewährleistung ausgetauscht. Software-Fehler führen jedoch immer noch zu Störungen an den Displays. Die Probleme seien komplex, eine schnelle Lösung daher nicht in Sicht. Middelberg hofft, dass die Defekte bis April in den Griff zu bekommen sind. Mit solch massiven Schwierigkeiten hatten die LVB im Vorfeld nicht gerechnet. Bei der Hardware habe man zum Beispiel auf erfahrene Partner gesetzt, die auch Ticketautomaten produzieren, so Middelberg.

Umgefahren

Umgefahren: Wegen des fehlenden Rammschutzes wurden bereits mehrere E-Auto-Ladesäulen in Leipzig massiv beschädigt.

Quelle: Privat

In einem ersten Schritt wollen die LVB nun die Fehlerbehebung beschleunigen und das Monitoring dafür gebündelt in ihrer eigenen Infrastrukturleitstelle ansiedeln. „Wir haben eine schnelle Eingreiftruppe gebildet, die sich unmittelbar um defekte Geräte kümmert“, so Middelberg. Um beschädigte Ladepoller innerhalb weniger Tage ersetzen zu können, sollen diese auf Vorrat bestellt werden. Ein Tausch koste die LVB rund 2000 Euro. „Aus stadtgestalterischen Gründen haben wir bisher keinen Rammschutz installiert“, erklärt Dirk Sikora, Bereichsleiter Infrastruktur bei den LVB. Nachgedacht wird aber über eine auffälligere Markierung der Säulen.

Allerdings sind nicht nur die LVB-Stationen von Problemen geplagt. Im Verzeichnis des E-Auto-Portals Goingelectric.de , welches von Nutzern ständig aktualisiert wird, sind von insgesamt 55 Stromtankstellen innerhalb des Leipziger Autobahnrings aktuell 25 als defekt gemeldet (Stand Mittwoch). Neben den LVB unterhalten auch die Stadtwerke Leipzig (SWL) seit 2011 ein Netz aus öffentlichen Ladestationen. Hinzu kommen Säulen an Autohäusern, auf Firmengeländen oder an Rastplätzen.

Gestört

Gestört: Eine Karte auf Goingelectric.de zeigt defekte E-Auto-Ladesäulen in Leipzig (Stand Mittwoch).

Quelle: Screenshot

50 Betroffene schicken Brief an OBM Jung

Der Unmut, auch über die Park-Problematik, ist bei den Betroffenen inzwischen so groß, dass sie einen neunseitigen Brief an Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) geschrieben haben. Zu den mehr als 50 Unterzeichnern gehören neben Privatpersonen wie Torsten Wanke frustrierte Gewerbetreibende, E-Auto-Händler und Institutionen, wie der in Leipzig sitzende Bundesverband eMobilität für Mitteldeutschland.

Unter anderem heißt es in dem Schreiben: „Wer aktuell als ‚unwissender‘ Besucher mit dem Elektroauto nach Leipzig kommt, wird sich so schnell nicht wieder in unsere Stadt verirren.“ Nutzer ohne private Lademöglichkeit würden bis zu zwei Stunden auf der Suche nach einer Stromtankstelle verbringen. „Leipzig als Hauptstadt der Elektromobilität? Die Nutzer sehen es anders!“, fordert der Brief den OBM zum Handeln auf.

Zugeparkt

Zugeparkt: Alltag an Leipzigs Elektroauto-Ladestationen wie hier am Lindenauer Markt.

Quelle: Privat

Betroffen von der Misere sind auch Selbstständige, die verstärkt auf E-Mobilität setzen wollen. Die Leipziger Ergotherapeutin Franziska Pulcher plant in ihrer neuen Praxis in Stötteritz, für Hausbesuche zwei neue Stromer anzuschaffen. Privat fährt sie bereits ein E-Auto, die Probleme im Alltag lassen die 35-Jährige nun zweifeln. „Wenn Leipzig sich damit rühmt, Vorreiter bei der Elektromobilität zu sein, dann ist sowas einfach nur peinlich“, meint die Liebertwolkwitzerin. Dass die Stadt Ende vergangenen Jahres 50 BMW i3 für die kommunalen Firmen und Ämter anschaffte, habe bislang nichts an der Situation geändert. Die E-Autos erhielten, wie vor der KWL-Zentrale, eigene Ladesäulen.

Stadt räumt Probleme bei Beschilderung ein – und will nachbessern

Das Problem der zugeparkten E-Auto-Flächen, so kritisiert Wanke, sei von der Stadt hausgemacht. „Da die Beschilderung nicht eindeutig ist, stellen sich viele andere Fahrzeugbesitzer auf die Parkplätze“, so der 49-Jährige. In der Regel sind vier bis fünf verschiedene Schilder übereinander angebracht, darunter auch „4 Stunden mit Parkuhr“. Mit diesem Regel-Wirrwarr hat selbst das Ordnungsamt Probleme. Auf Anfrage erklärt die Behörde: „Die aktuelle Beschilderung der Stellflächen lässt eine Ahndung der beschriebenen Parkweise nicht zu.“ Auf Knöllchen und Abschleppen werde deshalb bislang verzichtet. Das Amt hält eine Veränderung der Beschilderung für notwendig, da diese nicht eindeutig und rechtssicher interpretiert werden könne. Die „Fülle von Verkehrszeichen“ überfordere viele Verkehrsteilnehmer und sei bei etwaigen Verstößen vor Gericht möglicherweise strittig.

Verwirrend

Verwirrend: Schilderwald vor der E-Ladesäule in der Oeserstraße in Schleußig.

Quelle: Robert Nößler

Angebracht hat die Schilder das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA). Mit dem Problem konfrontiert, räumt das übergeordnete Baudezernat auf Anfrage von LVZ.de ein: „Dass die ausgeführte Beschilderung zu Unklarheiten führen kann, wurde bereits erkannt und es wird derzeit nach einer Lösung gesucht, die Beschilderung verständlicher zu gestalten.“ Tiefbauamtsleiter Michael Jana verspricht auf Nachfrage auch, dass in Kürze die bereits im September angekündigten Bodenmarkierungen mit Stecker-Symbol für E-Auto-Parkplätze kommen werden, wie diese in anderen Städten bereits üblich sind. Hierzu seien in den vergangenen Monaten noch Detail-Abstimmungen mit den LVB notwendig gewesen. „Sobald es die Temperaturen zulassen“, sagt LVB-Abteilungsleiter Sikora, „legen wir mit der Anbringung los.“

Von Robert Nößler

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