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Lokales StuRa und Refugees Welcome kritisieren Zustände in Leipziger Zeltstadt
Leipzig Lokales StuRa und Refugees Welcome kritisieren Zustände in Leipziger Zeltstadt
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20:10 18.01.2016
Blick in die Containerstadt des Freistaates auf der Neuen Messe. (Archivfoto)  Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Seit gut einem Monat betreibt die Stadt Leipzig eine Zeltstadt für Asylbewerber auf der Alten Messe. Dort sind hunderte Flüchtlinge in sogenannten Leichtbauhallen untergebracht. Nach Angaben von Studentenrat (StuRa) und Initiative Refugees Welcome sollen die Voraussetzungen im Lager für die Bewohner allerdings problematisch sein. Beide Initiativen berichten von fehlendem heißem Wasser und unzureichender medizinischer Versorgung. Die Kommune widerspricht vehement.

„Die aktuellen Zustände in der Notunterkunft für Geflüchtete an der Deutschen Nationalbibliothek sind nicht hinnehmbar“, so Toni Grün von Refugees Welcome. Der Winter in der Zeltstadt sei besonders hart, weil die Bewohner weder heißes Wasser zum Duschen noch zum Wäschewaschen hätten, weil sie kaum ärztliche Betreuung erhalten würden, benötigte Medikamente unerschwinglich seien und weil ihnen saisongerechte Kleidung fehle.

Ähnliche Vorwürfe standen am Montag auch in einer Mitteilung des StuRa: „Die Unterbringung von Geflüchteten in Zeltunterkünften ist und bleibt menschenunwürdig! Kein Warmwasser, fragwürdige hygienische Bedingungen vor Ort, die Nichtexistenz von Rückzugsmöglichkeiten und fehlenden bzw. unzureichenden medizinischen Dienstleistungen vor allem für traumatisierte Geflüchtete, sind nur einige der bestehenden Probleme“, so Sprecher Marcus Adler. Kurz darauf revidierte Adler seine Aussage gegenüber LVZ.de: "Natürlich gibt es warmes Wasser in der Unterkunft." Es soll aber öfter zu Problemen bei der Warmwasserversorgung kommen. Hinzu komme eine schleppende Bearbeitung der Asylanträge, die eine schnelle Integration der Geflüchteten verhindere.

Kommune: Wasser nur zu Stoßzeiten knapp – Demo geplant

Beim fehlenden heißen Wasser widerspricht die Stadtverwaltung der Darstellung. „Das stimmt so nicht. Es kann natürlich mal vorkommen, dass in Stoßzeiten die Vorratsbehälter für heißes Wasser leer werden. Das ist aber nicht so wild, denn diese werden dann wieder aufgefüllt und innerhalb einer halben Stunde kann man auch wieder heiß duschen“, sagte Martina Menge-Bug im Auftrag des Sozialamtes. Wie LVZ.de darüber hinaus erfuhr, gibt es immer noch genug Ärzte in Leipzig, die ihre freiwillige Hilfe für Flüchtlinge angeboten haben. Die Organisation der Sprechstunden in den Unterkünften sei allerdings Sache des konkreten Unterkunftsbetreibers.

Laut StuRa und Refugees Welcome ist es für die Bewohner zumindest schwierig, Anfragen und Probleme an die Verantwortlichen heranzutragen, da „Security und Polizei es ihnen nicht gestatten“, so Toni Grün. Deshalb demonstrierten die  Initiativen am Montagabend ab 18.30 Uhr gemeinsam mit Flüchtlingen in der Straße des 18. Oktober unweit der Zeltstadt. Laut Polizeiangaben beteiligten sich etwa 50 Personen an der stationären Kundgebung, die kurz vor 20 Uhr endete und friedlich blieb. „Den Menschen in der Notunterkunft soll die Chance gegeben werden, ihre Bedürfnisse und Sorgen zu äußern und an die Verantwortlichen zu adressieren“, sagte Grün. „Wir hoffen doch sehr, dass sich die zuständigen Behörden und Politiker die dort vorgebrachten Forderungen zu Herzen nehmen“, ergänzte StuRa-Sprecher Adler.

Von mpu

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