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Studenten ohne Studentenleben: Die eigene Sonnenbrillenmarke hat Vorrang

Leipziger Startups Studenten ohne Studentenleben: Die eigene Sonnenbrillenmarke hat Vorrang

Am Anfang steht immer eine visionäre Idee. Die LVZ stellt Gründer vor, die mit ihrem Startup auf dem Weg zum „richtigen“ Unternehmen sind, heute: das Sonnenbrillenlabel „Take a shot“ aus dem Leipziger Osten.

Hannes Ott (27) und Matthias Jacob (29) mit ihren Unisex-Sonnenbrillen in verschiedenen Farben.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Am Anfang steht immer eine visionäre Idee. Bis sie zur Marktreife entwickelt ist, braucht es einen langen Atem, durchgearbeitete Nächte und die ständige Suche nach Finanzierungsquellen. Die LVZ stellt Gründer vor, die mit ihrem Startup auf dem Weg zum „richtigen“ Unternehmen sind, heute: das von Studenten gegründete Sonnenbrillenlabel „Take a shot“ aus dem Leipziger Osten.

Als Snowboarder, Skateboarder und Surfer waren Matthias Jacob (29) und Hannes Ott (27) schon immer viel im Freien und in der Sonne. Sie haben ein Faible für sportlich-modische Sonnenbrillen. Der ungewöhnliche Markenname „Take a shot“ kann übersetzt werden mit „Trau dich“, „Versuch’ es mal“. Einfach mal versucht haben es Matthias Jacob (29) und Hannes Ott (27) vor vier Jahren mit einer eigenen Firma. Eigentlich sollte es nur ein kleines Projekt parallel zum Studium werden. „Damals gab es eine coole Idee und zwei Leute, die Bock drauf hatten“, erzählt Hannes. Mittlerweile ist die Firma viel mehr als nur ein Nebenjob. Sie bietet den beiden Gründern ganz handfest den Teil „Praxis“ zur Theorie ihres BWL- beziehungsweise Marketing-Masterstudiums. Und eine Perspektive für die Zukunft. Bisher sind die Jungs noch nicht dazu gekommen, ihre Masterarbeit zu schreiben, aber das soll bis zum nächsten Frühjahr passieren, bevor die neue Sonnenbrillen-Saison beginnt.

Kennen gelernt haben sie sich beim Studium in Magdeburg. Sie stammen aus der Nähe von Wolfsburg beziehungsweise aus der Fuldaer Ecke in Hessen. Der Kontakt blieb bestehen, als sie unabhängig voneinander für einige Zeit in die USA gingen und Matthias später nach China. „Ohne dass Matze in China gewesen wäre, wäre unsere Firma nicht möglich gewesen“, erzählt Hannes. Erstens, weil er dort überhaupt auf die Idee kam, Sonnenbrillen in einer Kombination aus Kunststoff (Fassung) und Holz (Bügel) auf den Markt zu bringen, die es bis dahin in Deutschland noch nicht gab. Zweitens, weil er direkt in China nach Produzenten suchte, von Fabrik zu Fabrik, während Hannes in Deutschland die Firmengründung vorbereitet. Beide legten alles Geld zusammen, das sie hatten – eine Summe unter 10 000 Euro.

Mittlerweile treffen alle drei bis vier Monate Pakete aus China in Leipzig ein. Unter dem Label „Take a shot“ werden derzeit sieben verschiedene Unisex-Modelle angeboten, jeweils in drei bis sechs farblichen Ausführungen. Pro Saison sollen drei neue Modelle in drei Farben dazukommen. Künftig sollen auch mehr Brillen erhältlich sein, in die der Käufer sich beim Optiker Gläser mit seiner Sehstärke einsetzen lassen kann.

Einmal im Jahr fliegen Jacob und Ott selbst nach China, verhandeln mit den Produzenten, schauen sich Produktionsstätten und Arbeitsbedingungen an. Und gehen mit ihren Geschäftspartnern essen und trinken. Bisher haben sie alles, was sie verdienen, wieder in die Firma gesteckt und kein Fremdkapital in Anspruch genommen. Etwa 40-mal im Jahr fahren die Gründer selbst auf Messen, stehen acht Stunden am Stand und verkaufen ihre Sonnenbrillen. Seit Mai haben sie ein Büro in der Hermann-Liebmann-Straße, zwei fest angestellte Mitarbeiter und ein Messeteam von acht Leuten. Der Verkauf läuft über Messen, über einen Onlineshop und 50 stationäre Händler.

Im Gegensatz zu den meisten ihrer Kommilitonen haben Matthias und Hannes nun jede Menge Praxiserfahrungen gesammelt, wie das beim Studium niemals möglich gewesen wäre: „Das war das Beste, was man als Student machen konnte.“ Seit vier Jahren stecken sie viel Herzblut und viel Zeit in ihre Firma. Diese Zeit, räumen sie ein, fehlt ihnen allerdings für den Abschluss des Studiums, für Reisen, für persönliche Freizeit oder das Ausprobieren diverser Jobs. Eben für das normale Studentenleben.

Dafür haben sie Unternehmer-Erfahrungen auf interkontinentaler Ebene gesammelt, und sie haben ihre Fehler gemacht: „Beispielsweise haben wir uns auf Berater verlassen, die uns viel Geld, Zeit und Nerven gekostet haben. Am Ende war es für beide Seiten eine Enttäuschung.“

In den nächsten Jahren soll „Take a shot“ wachsen: mehr Modelle, mehr stationäre Anbieter, mehr Mitarbeiter.

www.takeshot.de

Von Kerstin Decker

Leipzig, Hermann-Liebmann-Straße 86 51.3456843 12.4062281
Leipzig, Hermann-Liebmann-Straße 86
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