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Studenten protestieren bei Uni-Jubiläum - Köhler kritisiert Reformen

Studenten protestieren bei Uni-Jubiläum - Köhler kritisiert Reformen

Proteste am Rand des Leipziger Universitätsgeburtstages: mit Flyern und Transparenten haben am Mittwoch einige Dutzend Studenten gegen die Bedingungen an ihrer Hochschule protestiert.

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Der Festakt fand auf der Baustelle des Paulinums statt.

Quelle: Peter Endig dpa

Leipzig. Bundespräsident Horst Köhler, Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Oberbürgermeister Burkhard Jung gingen kurz vor dem Festakt auf die Studenten im Innenhof der Universität zu und sprachen mit ihnen. „Es wäre schön, wenn es einen Grund gäbe, zu feiern,“ sagte einer der Hochschüler. Der Bundespräsident versicherte, ein offenes Ohr für die Probleme zu haben. "An der Uni muss es Veränderungen geben", erklärte Köhler. Er wolle versuche zu helfen. "Ich kann ihnen sagen, es gibt eine Diskussion“, so der Bundespräsident weiter.

Köhler übte aber auch Kritik an den Demonstranten. Sie seien schlecht vorbereitet, weil sie ihre Forderungen nicht sofort auf den Punkt bringen konnten. Nach einer kurzen Diskussion mit dem akademischen Nachwuchs, ging Köhler weiter ins Paulinum.

Mit einem Festakt hat die Universität dort ihr 600-jähriges Bestehen gefeiert. Die Alma mater lipsiensis ist Deutschlands zweitälteste Universität mit durchgehendem Lehrbetrieb. Bundespräsident Köhler nutzte sein Grußwort, um mit deutlichen Worten Verbesserungen in der Hochschullandschaft anzumahnen. Nach zehn Jahren „Bologna“-Prozess „sind wir wohl nicht dort, wo wir sein wollten“, sagte Köhler. „Für die Bologna-Reform wie für das Megathema Bildung insgesamt gilt: Wir brauchen an vielen Stellen mehr Ehrgeiz und mehr Mitmacher.“ Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) versprach Unterstützung.

Der Hochschulbereich leide unter „chronischer Unterfinanzierung“, „schlechten Betreuungsquoten, maroden Gebäuden und mangelnder Infrastruktur für Forschung und Lehre“, sagte Köhler. Der Protest der Studenten müsse einen „nicht wundern“. „Wer im Bund und vor allem in den Ländern geglaubt hat, man könnte das Hochschulwesen kostenneutral umbauen, ja vielleicht sogar durch die Einführung der Bachelor- Studiengänge Geld sparen, der sei daran erinnert: Deutschlands Aufwendungen für den Hochschulbereich sind seit Jahren unterdurchschnittlich.“

Es sei gut, dass sich Bund und Länder geeinigt haben, zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Forschung zu investieren. „Wenn nun aber so lange gerechnet wird, bis das Ziel nominal erreicht scheint, ohne wirklich mehr Geld in die Hand zu nehmen, dann lässt das daran zweifeln, ob den Worten Taten folgen“, sagte Köhler. Tillich versicherte: „Es wird mehr Geld geben“, fügte aber sofort an: „Eine noch bessere Hochschulausbildung gibt es nicht allein durch mehr Geld. Es kommt vor allem darauf an, wie man mit den vorhandenen Mitteln die beste Qualität erreicht“.

Das Thema Geld hat auch das Jubiläum überlagert. Das Programm wurde eingedampft, unter anderem fiel eine ursprünglich geplante Gala dem Sparzwang zum Opfer; Auftritte des Gewandhausorchesters und des Thomanerchors wurden abgesagt. Eine junge Dame aus dem Universitäts- Chor, der den Festakt musikalisch gestaltete, trat ungeplant ans Rednerpult.

Auch die Universitätsmusik leide unter den kurzfristigen Absagen, sagte sie. Rektor Franz Häuser entgegnete knapp: „Mehr ist uns nicht ermöglicht worden.“ Ein Vertreter des Studentenrates kritisierte in seiner Rede, die Uni setze sich zu wenig mit ihrer Vergangenheit in der Nazi- und DDR-Zeit auseinander.

Die Festgesellschaft, rund 800 Gäste, kam außerdem nur in einem Provisorium unter. Gefeiert wurde im Paulinum, dem Nachfolgebau der 1968 auf Geheiß der SED-Führung gesprengten Universitätskirche. Der sollte eigentlich zum Jubiläum fertig sein, der Bau ist jedoch erheblich im Verzug. Der Architekt meldete zwischenzeitlich Insolvenz an. Der Freistaat als Bauherr investiert knapp 200 Millionen Euro in die Neugestaltung des Campus der größten Universität des Landes.

Bundespräsident Köhler erinnerte die Länder daran, dass sie die Hauptverantwortlichen für die Hochschulen sind. Sie müssten den Reformprozess zur „Chefsache“ machen und dürften die Verantwortung nicht weiterreichen. Zudem sei „endlich eine Exzellenz-Initiative für die Lehre“ nötig.

Cornelia Haugk/dpa

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